Ein Mann hat eine Virtual Reality Brille auf und sitzt in einem Labor.
Ein Proband schaut sich mit der Virtual Reality-Brille in einem Labor an der Universität Jena um. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Forschungsprojekt an Universität Jena Virtual Reality: Senioren testen Aussehen von Servicerobotern

Guckt er nett? Sollte er große Augen haben? Einen runden Kopf? Wie sieht der Serviceroboter der Zukunft aus? Wie wirken bestimmte Prototypen auf junge und ältere Menschen? Das möchten Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena herausfinden. Sie testen mit Hilfe von Probanden, wie diese mit Robotern umgehen.

von Juliane Maier-Lorenz

Ein Mann hat eine Virtual Reality Brille auf und sitzt in einem Labor.
Ein Proband schaut sich mit der Virtual Reality-Brille in einem Labor an der Universität Jena um. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Erna Müller* sitzt in ihrer Küche, sie kann nur schwer gehen, hat Schmerzen im Bein. Kaffeeduft liegt in der Luft. Die Seniorin blickt von ihrem Kreuzworträtsel auf, hört das letzte Blubbern der Kaffeemaschine und ruft nach Robi. Nur wenige Sekunden später steht er vor ihr, ganz in weiß, lächelt freundlich und reicht ihr die Kaffeetasse. Robi ist ein Serviceroboter, programmiert darauf, Menschen im Alltag zu helfen. Und Robi sieht gut aus. Erna Müller hat sich an seinen Anblick gewöhnt.

Wie die Roboter der Zukunft aussehen sollen, erforschen derzeit Wissenschaftler der Universität Jena. Etwa 50 Probanden im Alter von 18 bis 30 und 55 bis 70 Jahren sind bereits mit Hilfe einer Virtual Reality-Brille (VR) in eine andere Welt katapultiert worden. In dieser bekamen sie verschiedene Prototypen von Robotern gezeigt, sollten dort Aussehen und Sympathie bewerten.

Eine Roboterhand ist auf einem PC-Bildschirm abgebildet.
Die Hand eines Roboters am PC. Wie die Roboter aussehen, die die Probanden getestet haben, ist noch geheim. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

"Die digitale Entwicklung schreitet enorm voran." weiß Prof. Dr. Stefan Schweinberger vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie. Er betreut das Forschungsprojekt "Psychologische Angstmessung in der Mensch-Roboter-Interaktion unter Berücksichtigung individueller Unterschiede". Die Ergebnisse des Projekts sollen in Fachzeitungen öffentlich gemacht werden und Diskussionsgrundlage für Wissenschaftler bilden. Denn in einem sind sich die Experten jetzt schon sicher: Serviceroboter werden in Zukunft in Pflege und Haushalt eine größere Rolle spielen.

"Je sympathischer die Roboter erscheinen, umso leichter fällt es den Menschen mit ihnen zu interagieren", hat Doktorand Paul Winkler festgestellt. Er ist für die Tests verantwortlich, verkabelt in einem Labor im Keller die Probanden. Während des Tests werden auf diese Weise Herzrate und Hautwiderstand gemessen und überprüft, ob die Aussagen, die die Testpersonen hinter der VR-Brille treffen auch mit ihren körperlichen Reaktionen übereinstimmen.

Das Forschungsprojekt Das Projekt "Psychologische Angstmessung in der Mensch-Roboter-Interaktion unter Berücksichtigung individueller Unterschiede" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Teil eines Verbundprojekts des Konsortium 3Dsensation. Dieses untersucht Interaktionen von Menschen und industriellen Robotern. Das Verbundprojekt wird von Dr. Mohamed Bdiwi vom Chemnitzer Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU koordiniert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Doktorand Paul Winkler und Wahrnehmungsforscher Prof.Dr. Stefan Schweinberger sitzen an einem PC.
Doktorand Paul Winkler (links) und Wahrnehmungsforscher Prof. Dr. Stefan Schweinberger werten die Daten aus. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

"Was wir in einer ersten Untersuchung bereits feststellen konnten: Das Klischee, dass ältere Menschen mehr Vorbehalte gegen Roboter haben, stimmt nicht unbedingt", sagt der Wahrnehmungsforscher Schweinberger. Eher reagiere die jüngere Generation skeptisch auf die technischen Wesen, die einen in Zukunft den Kaffee an den Tisch bringen oder an die tägliche Einnahme von Tabletten erinnern. Während in der Fertigung stellenweise ohne Industrieroboter - etwa am Fließband zum Heben von schweren Lasten - gar nichts mehr geht, ist momentan noch nicht absehbar, wann und ob derartige Maschinen Einzug in die Haushalte halten.

Robi, der Erna Müller ihren frisch aufgebrühten Tee bringt, bleibt wohl (noch) eine Fiktion.

(*Person und Name frei erfunden)

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 19. Februar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 10:52 Uhr

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