Trockenheit und Schädlinge Waldsterben in Thüringen: Sieben Prozent in einem halben Jahr

Das Jahr 2018 wird bei Meteorologen in die Geschichte eingehen. So heiß und trocken war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie. Die Wälder Thüringens sind davon nachhaltig geschädigt. Die Trockenheit löste ein Baumsterben aus, dessen Ende noch nicht abzusehen ist.

Drohnenaufnahme vom Jenaer Stadtwald
Drohnenaufnahmen zeigen ein erschreckendes Bild. Der Thüringenforst schätzt, dass allein im vergangenen halben Jahr sieben Prozent der Waldfläche in Thüringen abgestorben sind. Bildrechte: Max-Planck-Institut für Biogeochemie

2019 starben im Freistaat 20.000 Hektar Wald ab. In diesem Jahr ist es noch dramatischer. Bereits bis Juni seien 40.000 Hektar Wald durch Trockenheit und Schädlinge abgestorben, erklärt der Pressesprecher von Thüringenforst, Horst Sproßmann. Das entspricht etwa sieben Prozent der rund 550.000 Hektar Wald in Thüringen. Thüringenforst bewirtschaftet rund die Hälfte davon.

Max-Planck-Institut forscht zum Waldsterben

Das klimabedingte Baumsterben ist längst bei uns angekommen, sagt Henrik Hartmann. Der Wissenschaftler arbeitet am Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie. Er engagiert sich seit mehr als zehn Jahren im internationalen Netzwerk "Tree mortality network", das Daten und Wissen zum globalen Baumsterben austauscht. Hartmann hat schon in vielen Teilen der Welt geforscht. Allein im Westen Kanadas und der USA seien in den vergangenen Jahren aufgrund der Klimaerwärmung Millionen Hektar Wald abgestorben. Aber auch die Wälder Sibiriens und Skandinaviens seien betroffen.

Zurzeit untersucht Hartmann den Stadtwald rund um Jena. Zusammen mit Kollegen vom Max-Planck-Institut befliegen die Wissenschaftler mit einer Drohne den Baumkronenbereich. Aus der Vogelperspektive sind die Schäden umso deutlicher zu sehen.

Drohnenaufnahme vom Stadtwald und der Stadt Jena
Nicht weit von Jena beginnt das Sterben der Bäume im Stadtwald. Bildrechte: Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Kiefern, Fichten und Eschen besonders betroffen

Im Jenaer Stadtwald ist allein die Hälfte der Kiefern betroffen, schätzt Stadtförster Michael Rindt. Drei Viertel der Fichten sind bereits abgestorben. Michael Rindt ist froh, dass auf der 2380 Hektar großen Fläche des Stadtwaldes nur vier Prozent Fichten wachsen. Doch neben den Nadelbäumen sind auch Laubbäume wie Eschen betroffen. Noch ist zu wenig bekannt darüber, welche Baumarten mit den Klimaveränderungen am besten klar kommen. Der Förster setzt deshalb auf den geschädigten Flächen auf Naturverjüngung

Der Wissenschaftler Henrik Hartmann sucht den Kontakt zu Förstern und Behörden, um Daten und Wissen auszutauschen. Hartmann möchte, dass das Waldsterben und der Klimawandel ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Der Wald könne wieder zu einer Art Gallionsfigur werden, um gesellschaftliche Veränderungen voranzubringen, so Hartmann. Er sagt, dass das Baumsterben, wie wir es jetzt erleben, nur die Spitze des Eisbergs ist. Den Wald, wie wir ihn kennen, wird es nicht mehr lange geben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 02. Juli 2020 | 11:00 Uhr

14 Kommentare

Erichs Rache vor 5 Wochen

@goffman

Warum hat man nicht schon vor Jahren angefangen andere beständigere Baumarten (z. B. Douglasien) mitzuziehen. Klimawandel gibts ja nicht erst seit gestern.

Gewinnmaximierung: ThüringenForst als Anstalt öffentlichen Rechts "bewirtschaftet rund die Hälfte" von "rund 550.000 Hektar Wald in Thüringen."
Deren "Handeln richtet sich in allen Bereichen nach dem forstlichen Prinzip der Nachhaltigkeit. Dabei handeln wir stets zukunftsorientiert für das Ökosystem Wald und die Menschen in Thüringen."
Im Verwaltungsrat sitzen sogar Politiker, aber keine GRÜNE.:-)

goffman vor 5 Wochen

Kurz: Klimawandel und Gewinnmaximierung
Lang: Klimawandel ist klar. (Zunahme von Trockenheit, Stürmen & Schädlingen) Die Gewinnorientierung der Forstwirtschaft (nicht erst in den letzten Jahrzehnten) hat die Wälder aber auch anfällig gemacht. Die Bäume sollten schnell wachsen und für moderne Technik zugänglich sein.
Wenn die Bäume weit auseinander stehen und es wenig Unterholz gibt, dann:
- wird der Wind weniger gebremst (mehr Sturmschäden)
- speichert der Wald weniger Feuchtigkeit (Trockenheit reduziert auch die Widerstandskraft gegen Schädlinge)
- wachsen die Bäume schneller = das Holz hat eine geringere Dichte und ist weniger stabil
Wenn viele Bäume einer Art beieinander stehen (im schlimmsten Fall Monokultur) können sich Schädlinge und Krankheiten schneller ausbreiten.

Sicher gibt es noch mehr Gründe. (Schadstoffe, etc.)

HUK vor 5 Wochen

Vor der Ernte kommt die Pflege und die wurde in den Beständen vernachlässigt oder bewusst ausgesetzt um den Waldumbau zu forsieren.Nicht gleich die verbale Keule schwingen.

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