Thüringenforst Hubschrauber sollen Insektengift gegen Schwammspinner versprühen

Der Landesforst will mit Insektengift dem Schwammspinner in Thüringer Eichenwaldbeständen zu Leibe rücken. Die Hubschraubereinsätze sind für Ende April geplant. Der Einsatz ist nicht unumstritten. Naturschützer sprechen von einer ökologischen Katastrophe.

Raupe, Nahaufnahme frontal mit Muster auf dem Kopf, kleinen Augen am Kopf und vielen Haaren. Auf Blatt sitzend.
Der Schwammspinner ist als Falter schön anzusehen. Seine gefrässigen Raupen sorgen für kahle Bäume. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Thüringenforst hält daran fest, mit Insektengift eine neue Schwammspinner-Plage verhindern zu wollen. Sprecher Horst Sproßmann sagte, die großflächige Sprühaktion per Hubschrauber werde in drei Wochen starten. Der Landesforst erwartet einen ähnlich starken Raupenbefall wie 2019. Hinweise dafür gebe es aufgrund von Versuchen unter Laborbedingungen.

Insektizid gegen Schwammspinner in Ost- und Nordthüringen

Das Insektizid Mimic soll spätestens Ende April in Gera-Liebschwitz, bei Heldburg, am Rhönberg und am Possen bei Sondershausen eingesetzt werden. Insgesamt soll eine Fläche von 190 Hektar besprüht werden. Das entspricht in etwa der Größe von 190 Fußballfeldern.

Von der Schwammspinner-Raupe kahlgefressene Bäume
Die Raupe des Schwammspinners hat 2019 in Thüringen mehrere Hundert Hektar Wald geschädigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nabu befürchtet "ökologische Katastrophe"

Der Einsatz der Insektengifte stößt bei Naturschützern und Insektologen auf scharfe Kritik. Der Thüringer Nabu-Vorsitzende Martin Schmidt nannte die Pläne für eine "Giftdusche" in Zeiten des Insektensterbens eine "ökologische Katastrophe". Durch den Einsatz würden auch andere Insekten getötet.

Roland Bellstedt, der Landesvorsitzende der Entomologen, warf dem Landesforst vor, Geld zu verschwenden. Massenvermehrungen von derartigen Fraß-Schädlingen würden unter natürlichen Bedingungen zusammenbrechen. Beim Einsatz von Gift drohten eher Resistenzen. Vor 25 Jahren habe es eine ähnliche Überpopulation gegeben.

Schwammspinner-Plage in Gera

Der Schwammspinner hatte im vergangenen Jahr in Thüringen auf über 800 Hektar Wald Schäden angerichtet. Am Stadtrand von Gera krabbelten die Raupen zu Tausenden bis in Vorgärten und an Häusern hinauf. Anfang Februar 2020 waren die Untere Naturschutzbehörde und Hunderte Freiwillige mit Eimern und Bürsten losgezogen, um die Gelege des Nachtfalters von Bäumen zu kratzen. Das Ziel war, die kommende Population einzudämmen. Ein zweiter geplanter Termin mit den Ehrenamtlichen musste aufgrund der Corona-Einschränkungen abgesagt werden.

Für Menschen sind Schwammspinner im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner ungefährlich.  Die Raupen sind nicht giftig. Die meisten von ihnen befallenen Pflanzen treiben erneut aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. April 2020 | 10:00 Uhr

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