Rudolstadt-Festival: Marktplatz mit Publikum
Während des Festivals verdoppelt sich Rudolstadts Einwohnerzahl. Bildrechte: MDR/Holger John

Wirtschaftsfaktor Festival Jünger und internationaler: Rudolstadt-Festival bringt Umsatz und Ansehen

Zum Folk, Roots- und Weltmusik-Fest kamen 2017 zehntausende Besucher und rund 1.200 Künstler aus aller Welt nach Rudolstadt. Für Stadt und Region ist das eine Großveranstaltung, die Image und Geld bringt.

von Stefanie Reinhardt

Rudolstadt-Festival: Marktplatz mit Publikum
Während des Festivals verdoppelt sich Rudolstadts Einwohnerzahl. Bildrechte: MDR/Holger John

Hotelchefin Manuela Lauterbach schaut in ihre Bücher "Wir sind komplett ausgebucht, zu hundert Prozent belegt." Im kleinen Hotel "Thüringer Hof" in der Rudolstädter Altstadt sind in dieser Woche alle 19 Zimmer belegt. So wie ihr geht es in diesen Tagen allen Hotel- und Pensionsinhabern der Stadt.

Das weiß auch Petra Rottschalk, Leiterin des Rudolstadt Festivals und Chefin des Kulturamtes der Stadt: "Über das Jahr sind hier die Hotels im Schnitt zu 43 Prozent ausgelastet. An den Festivaltagen sind alle Zimmer belegt.“ Auch im Umkreis von 30 Kilometern seien die Zimmer für Besucher, Künstler, Journalisten und Techniker ausgebucht. Viele Gäste weichen deshalb auf Zeltplätze aus, schlafen im Auto oder quartieren sich bei Freunden und Bekannten ein. "Insgesamt hat das Rudolstadt Festival ein Budget von mehr als 100.000 Euro für Übernachtungen für Künstler“, sagt Rottschalk. Sie schätzt, dass der direkte wirtschaftliche Effekt des Musikfestes heute bei mehr als zwei Millionen Euro liege.

Umsatz macht vor allem der Handel

Das Geld fließe nicht nur in Hotels, Pensionen und Gaststätten, sondern vor allem in den Handel. "Es profitieren auch Firmen aus Rudolstadt und der Region, die die Infrastruktur des Festivals aufbauen“, sagt Rottschalk. Das seien  vor allem Firmen, die mit Elektro, Bauzäunen, Zelten, Bühnen-, Ton- und Lichttechnik zu tun haben. Dazu komme die Kaufkraft  der etwa 800 Menschen, die für das Festival arbeiten und daher auch hier übernachten.

Gesamtumsätze in Millionenhöhe

Bereits im Jahr 2007 sorgte das Festival, damals noch unter dem Namen "TFF.Rudolstadt", für Gesamtumsätze in Höhe von rund 4,4 Millionen Euro. Das war das Ergebnis des ersten Kulturwirtschaftsberichtes des Landes Thüringen. Im Bericht wird der Umsatz für die lokale Wirtschaft bei damals rund 69.000 Besuchern auf rund 1,47 Millionen Euro geschätzt. "Heute muss man höhere Zahlen ansetzen", sagt Rottschalk, denn die Besucherzahlen sind inzwischen auf knapp 90.000 im Jahr 2016 gestiegen.

Stadt macht kein Minus

Dem Bericht zufolge decken sich die Einnahmen und die Ausgaben der Stadt für das Festival weitestgehend. Zieht man die Landeszuschüsse ab, würden die Kosten des Festivals zu rund 90 Prozent gedeckt, heißt es im Bericht. Im Vergleich zu anderen Festivals sei das "ausgesprochen hoch". 2007 lagen die Einnahmen aus dem Festival bei 1,4 Millionen Euro. In erster Linie flossen sie durch den Verkauf von Eintrittskarten, Merchandising-Artikeln, Getränken und Standmieten in die Stadtkassen. Finanzielle Hilfe in Höhe von rund 78.000 Euro kommt zudem jedes Jahr vom Land Thüringen.

Die Ausgaben der Stadt für das Festival liegen etwas höher. Laut Kulturbericht lagen sie bereits 2007 bei 1,49 Millionen Euro. Davon werden vor allem die Unternehmen für Bühnentechnik und Sicherheit sowie die Hotelzimmer für die Künstler bezahlt. Von diesen Ausgaben profitierten vor allem Thüringer Firmen: Vor allem Unternehmen aus Rudolstadt, Ilmenau, Jena, Erfurt oder Weimar. Ein großer Teil der Ausgaben fließt aber auch in die Wirtschaft außerhalb Thüringens - in die Honorare und die Flugkosten der Künstler.

Imagewerbung für die Stadt

An den Festivaltagen finden laut Bericht außerdem rund 600 Menschen vorübergehend einen Job, darunter viele Schüler. Sie kümmern sich um Auf- und Abbauarbeiten, Verkauf,  Einlass und Künstler.

Das Festival bringt laut Bericht nicht nur der Stadt, sondern auch dem Land Thüringen jede Menge Imagewerbung. Grund dafür sei nicht nur die Zahl der Besucher. "Wer kann schon von sich behaupten, dass hunderte Medienvertreter aus mehreren Ländern mit Teams vor Ort sind?", sagt Petra Rottschalk und ergänzt: "Das ist Stadt- und Regionalmarketing auf hohem Niveau, für das andere viel Geld bezahlen müssen." Dafür sorge auch, dass viele Besucher mit der Qualität des Festivals zufrieden seien. Die meisten kommen deshalb im nächsten Jahr wieder. "Die Festivalbesucher sind insgesamt interessierte Menschen", sagt Festivalleiterin Rottschalk. "Und wenn es ihnen hier gefällt, tragen sie natürlich nach außen, was es sonst noch in Rudolstadt zu sehen und zu erleben gibt." Dieses positive Bild übertrage sich auch auf die Stadt und die Region. So werde die Region auch als Tourismusziel für die Besucher interessant.

Tanzfest hat Leuchtturm-Funktion

"Das Festival ist außerdem eng mit der Stadt verbunden“, sagt Rottschalk. Viele Konzerte finden in den Kirchen, in der Stadtbibliothek oder im Hof der Heidecksburg statt. Für Lutz Unbehaun, Museumsleiter auf der Heidecksburg, bedeutet diese "Vernetzung“  eine "große Aufwertung" mit "enormen Effekt" für die Stadt. Das Interesse der Bsucher für die Heidecksburg sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen. "Inzwischen ist ein Besuch im Schloss eine feste Nummer im Programm der Musikfans", sagt Unbehaun. Besucher mit Festival-Ticket zahlen in den Tagen vor und während des Festivals die Hälfte. "Der ein oder andere kommt im Laufe des Jahres wieder zu Besuch", sagt er. "Manche kommen auch schon eine Woche vor Festivalbeginn, um sich das Schloss und die Gegend schon mal anzuschauen." Das Rudolstadt Festival habe deshalb eine große Leuchtturm-Funktion. "Die Neugier wird auf jeden Fall geweckt."

Stadt wird jünger, voller, internationaler

Dudelsackspieler auf der Heidecksburg beim TFF Rudolstadt
Dudelsackspieler auf der Heidecksburg beim TFF Rudolstadt. Bildrechte: MDR/Mario Gentzel

Auch das Theater Rudolstadt ist mit seinen Bühnen und dem Orchester während des Festivals schon seit vielen Jahren eingebunden. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr auch ein Theaterstück aus dem laufenden Programm auf die Bühne gebracht: Die Großproduktion "Die Bibel". Theaterintendant Steffen Mensching schätzt aber nicht, dass das Theater direkt von dem Tanzfest profitiert. "Die Leute staunen eher, dass es in so einer kleinen Stadt ein Theater gibt", sagt er.

Festivalleiterin Petra Rottschalk sagt, dass es keine Statistiken gebe, die sich auf einen Zusammenhang des Rudolstadt Festivals zum Beispiel mit der Städtebauförderung, der Stadtsanierung oder den Bau von Gewerbeeinheiten oder Wohnungen gebe. Insgesamt hat das Festival für die Stadt aber eine große Bedeutung, meint sie. Theaterintendant Steffen Mensching zum Beispiel meint: "Weil sich die Stadt grundsätzlich ändert und voller, junger und internationaler wird." Die gute Atmosphäre passe in die Stadt. "Die Leute bringen diese bestimmte Lebenshaltung mit." Auch deshalb habe sich Rudolstadt in den vergangenen Jahren positiv entwickelt.

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2019, 18:48 Uhr

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