Gesundheitswesen Lichtblick für Hermsdorfer: Augenarzt-Praxis eröffnet

In Hermsdorf im Saale-Holzland-Kreis hat jahrelang kein Augenarzt praktiziert. Das hat sich am Montag geändert: Augenärztin Diana Drechsler kümmert sich in einer "Stiftungspraxis" um Patienten. Was es damit auf sich hat.

von Marian Riedel

Hell und freundlich wirken die Praxis-Räume. Grün und weiß dominieren. "Das sind die Farben unserer Stiftung zur Förderung der ambulanten ärztlichen Versorgung in Thüringen", sagt Jörg Mertz. Als Geschäftsführer der Stiftung ist er seit zehn Jahren so etwas wie ein Lockvogel: Mertz spricht junge Ärzte an, wirbt für die Arbeit auf dem Land, bietet Hilfe an für den Weg in die Selbständigkeit als niedergelassener Arzt.

Freistaat und Stiftung finanzierten Ausstattung

Das alles hat sich Dr. Diana Drechsler genau angehört. Und sich dann entschlossen, nach Hermsdorf zu gehen. Sie ist Augenärztin, arbeitete bisher an den Uni-Kliniken in Greifswald und Jena. Und ja, sagt sie, sie hätte sich schon ein paar Mal gefragt, ob sie sich das zutraut: Allein eine Praxis einzurichten und dann als Chefin eines eigenen Teams zu arbeiten. Dann habe ihr die Stiftung ein Angebot gemacht, das ihr manche Sorge genommen hat. Jörg Mertz greift den Faden auf: "200.000 Euro hat die Praxis-Ausstattung gekostet. Den größten Teil hat der Freistaat finanziert, den Rest die Stiftung", sagt er.

Augenärztin Dr. Diana Drechsler behandelt in der Augenarztpraxis Hermsdorf der Stiftung zur Förderung der ambulanten ärztlichen Versorgung in Thüringen einen Patienten.
Augenärztin Dr. Diana Drechsler behandelt einen Patienten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stiftung ist auch der Arbeitgeber für die Augenärztin und für ihre beiden Mitarbeiterinnen. So kann Diana Drechsler erst einmal testen, wie das läuft, wenn man unabhängig von einer Klinik-Struktur als Arzt tätig ist. "Das Ziel ist es, nach zwei Jahren im Anstellungsverhältnis die Praxis privat zu übernehmen, sie der Stiftung also abzukaufen", erzählt die Augenärztin. Mit diesem Konzept ist es bisher in Thüringen gelungen, zehn Hausarzt-Praxen zu eröffnen - an Orten, wo Ärzte in den Ruhestand gegangen waren und keine Nachfolger hatten. Ein einziges Mal musste die Stiftung eine Praxis wieder schließen, weil sich keine Mutterschaftsvertretung fand und es nicht sinnvoll war, für ungenutzte Räume weiter Miete zu zahlen.

Mehr als 1.100 Termine in zwei Tagen vergeben

"Aber insgesamt hat sich die Stiftungsarbeit zum Erfolg entwickelt", sagt Geschäftsführer Mertz. Nach den Allgemeinmedizinern sei es nun zum ersten Mal eine Augenärztin, die unterstützt wird. "Weil es in dieser Fachrichtung einen langjährigen und großen Bedarf in Hermsdorf gab." Die nächstgelegenen Augenarztpraxen lagen bisher in Kahla, Jena und Gera. Die Nachricht von der Praxis-Eröffnung in Hermsdorf sprach sich in dem Städtchen am Autobahnkreuz in Ostthüringen schnell herum. Mehr als 1.100 Termine bei der Ärztin wurden innerhalb von drei Tagen vergeben. Heißt: Schon bis Juni 2019 stehen Namen im Anmeldebuch.

Anfangs riefen so viele Hermsdorfer auf einmal an, dass die Telefonanlage schlapp machte. Und noch immer klingelt sich die Leitung heiß. "Sie brauchen keine Sorge haben - wir machen keinen Aufnahmestopp. Sie kommen also dran", erklärt Mitarbeiterin Natalie Walter gerade wieder einem Anrufer. Und macht ihm klar, dass er jetzt aber keinen Termin bekommen kann - weil er keine akuten Beschwerden hat.

In der Augenarztpraxis in Hermsdorf vergibt Orthoptistin Natalie Walter telefonisch einen Termin.
In der Augenarztpraxis in Hermsdorf vergibt Orthoptistin Natalie Walter telefonisch einen Termin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was die Patienten dem Praxisteam wünschen

Die Praxis muss sich einfach Termine freihalten für Patienten, die sofort Hilfe brauchen. So einer steht gerade bei Schwester Sandy am Tresen: Ein Berufskraftfahrer, dem unterwegs etwas ins Auge geflogen ist. Bevor sich die Ärztin das ansieht, kommt der Mann zur Augendruck-Messung zu Natalie Walter. Sie ist ausgebildete Orthoptistin, also spezialisert auf die Vorsorge, Diagnostik und Behandlung von Sehstörungen. Alle drei Frauen in der neuen Augenarzt-Praxis haben schon in den ersten Tagen immer wieder einen Wunsch von den Patienten gehört: Sie mögen schön gesund bleiben - damit die Praxis immer offen bleiben kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2018, 11:17 Uhr

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1 Kommentar

05.10.2018 12:00 Pillendreher 1

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass angestellte Ärzte mit einer "eigenen" Praxis relativ entspannt sind. Sobald sie den Laden, wie in diesem Beispiel, selbst übernehmen, wird den Patienten ein deutlich kühlerer Wind entgegen wehen.

Besonders von Ärzten, die den Patienten Leistungen aufschwatzen, die man selber bezahlen muss. Also "Geldgeier".

Aber es gibt viele positive Ausnahmen. Das ist auch klar.

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