Saale-Holzland-Kreis Vorstandsmitglieder von Awo-Kreisverband zum Rücktritt aufgefordert

Der Vorstandsvorsitzende und der Schatzmeister des Awo-Kreisverbands Saale-Holzland sind zum sofortigen Rücktritt aufgefordert worden - vom Landesverband. Bei den erhobenen Vorwürfen geht es unter anderem darum, dass gegen den Grundsatz von Unvereinbarkeit von Mandat und hauptamtlichem Anstellungsverhältnis verstoßen worden sei.

Ein Schild mit der Aufschrift Awo
Der Awo-Landesverband Thüringen wird seit Monaten von einer Affäre um überhöhte Gehaltszahlungen erschüttert. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt in Thüringen hat zwei Mitglieder des Awo-Kreisvorstandes im Saale-Holzland-Kreis zum Rücktritt aufgefordert. Die stellvertretende Awo-Landesvorsitzende Petra Rottschalk bestätigte am Mittwoch auf Anfrage von MDR THÜRINGEN einen Bericht der „Thüringischen Landeszeitung“, wonach es sich um den Kreisvorsitzenden Klaus-Dieter Kunze und den Schatzmeister Hans-Peter Perschke handelt.

Es gebe Hinweise, dass zwei Vorstandsmitglieder neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Kreisverband auch Honorar- beziehungsweise Arbeitsverträge mit dem Verband hätten, sagte Rottschalk. Das widerspreche dem "Awo Governance-Kodex". Danach dürfen Mitglieder von Aufsichtsgremien in Awo-Gliederungen keine geschäftliche Beziehung zu der Gliederung unterhalten, über die sie die Aufsicht haben.

Rottschalk sagte weiter, die beiden Vorstandsmitglieder des Kreisverbandes seien Anfang Oktober aufgefordert worden, ihre Mandate niederzulegen. Beiden sei dafür eine Frist bis zum 13. Oktober gesetzt worden. Sie seien der Aufforderung bislang aber nicht nachgekommen. Deshalb habe der Landesverband ein sogenanntes Aufsichtsverfahren gegen den Kreisverband eingeleitet. Außerdem prüfe eine Wirtschaftskanzlei den Kreisverband.

Diskussion über Jahresgehalt des Kreisgeschäftsführers

Dabei geht es offenbar auch den Anstellungsvertrag von Kreisgeschäftsführer Ralf Batz. Dieser soll laut „Thüringischer Landeszeitung“ ein Jahresgehalt von deutlich über 200.000 Euro beziehen. Das läge das deutlich über den im "Awo Governance-Kodex" als angemessen eingestuften Betrag.

Kreisschatzmeister Perschke nannte die Rücktrittforderungen „unerhört“. Diese würden „durch nichts begründet“, sagte er dem MDR. Er habe sich selbst nichts vorzuwerfen. Perschke verwies darauf, dass der Awo-Kreisverband Saale-Holzland ein eigenständiger Verein sei. Hier greife das Vereinsrecht. Der Landesvorstand begründet sein Vorgehen nach Angaben der stellvertretenden Landesvorsitzenden Rottschalk aber damit, dass der Kreisverband Mitglied des Landesverbandes ist. Dessen Satzungen würden daher auch für die Mitglieder gelten, so Rottschalk.

Ausgelöst wurde die Prüfung offenbar durch Hinweise an den Awo-Bundesverband. Dessen Vorstandsvorsitzender Wolfgang Stadler sagte dem MDR, ein Whistleblower habe Hinweise an den Bundesverband geschickt. Dieser habe die Informationen an den Landesverband weitergeleitet. Sollte Kreisgeschäftsführer Batz ein Gehalt in genannter Höhe erhalten, so wäre dies ein Verstoß gegen den "Governance-Kodex". Als aufsichtsberechtigte Gliederung sei der Awo-Landesverband für die Durchführung des Aufsichtsverfahrens und das Anordnen konkreter Maßnahmen zuständig.

Kreisverband Saale-Holzland soll handlungsfähig bleiben

Der Awo-Kreisverband Saale-Holzland will sich nach Perschkes Angaben am Donnerstagabend mit den Rücktrittforderungen beschäftigen. Ziel sei es, die Handlungsfähigkeit des Kreisvorstandes zu erhalten, sagte er dem MDR.

Der Awo-Landesverband Thüringen wird seit Monaten von einer Affäre um überhöhte Gehaltszahlungen erschüttert. Im Zentrum der Kritik standen die Geschäftsführer der Tochterfirma Awo AJS gGmbH, Michael Hack, Achim Ries und Antje Wolf. Hack und Ries waren im Sommer fristlos entlassen worden. Der Vertrag von Wolf wurde zum Ende September einvernehmlich aufgelöst.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

8 Kommentare

Matthi vor 5 Wochen

Ich kann Zauberwald nur zustimmen, es gibt einige Organisationen die Steuermittel bekommen und kein Geschäftsbericht vorlegen müssen oder zumindestens wofür sie was ausgeben ich sage nur DFB, wenn man viele Gehälter von Vorständen sieht kann man nicht mehr von verdienen reden Bereicherung trifft es besser. Ob Öffentliche Rundfunkanstalten, Krankenkassen, Regierung, Ministerien usw. da läuft doch in der Chefetage unter Zweihunderttausend Brutto nichts.

Zauberwald vor 5 Wochen

.0Wo gibt es noch Moral bei einem Gehalt von zweihundert Euro Jahresgehalt! Wo ist die Kontrolle vom Staat, dieser stellt Millionen An Steuermitteln den sozialen Organisationen bereit. Das ist Geld von jeden einzelnen braven Steuerzahler. Jeder der einen Zuschuss von Steuermitteln erhält sollte gesetzlich Verpflichtete werden nach zuweisen wie die Gelder verwendet wurden. Dabei hat der Zuwendungsgeber, konkrete Vorgaben für was Zuwendungen ausgegeben werden dürfen fest zulegen. Jede Form einer Zuwendung an soziale Organisationen sind öffentlich mit Namen, Adresse und Höhe der Zuwendung bekannt zu geben (Internet, Presse, Rundfunk o.ä.. So dass der Steuerzahler die Möglichkeit hat, eventuell gegen Schlamperei, Fehlausgaben usw. rechtlich vorzugehen. Gleichzeitig sind die Vorstände persönlich haftbar zu machen, wenn gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Hier ist der Gesetzgeber gefragt!!! Dies ist aber nicht erwünscht!

Jack vor 5 Wochen

Einfach nur unglaublich! Man könnte mittlerweile sagen, typisch Arbeiterwohlfahrt. Dies wäre sicherlich nicht fair, denn die vielen Mitarbeiter leisten gute Arbeit, zu natürlich anderen Einkommen im Schicht, - Wochenendienst, in Kindergärten etc..
Man fragt sich, wie sich die Herrschaften so bereichern können? Aufsichtsgremien komplett versagt, Vorbild Erfurt. Plötzlich hat wahrscheinlich keiner davon gewusst oder es bestehen Abhängigkeiten.
Es bleibt zu hoffen das juristisch gegen die betreffenden AWO Vorstände schnellstens Verfahren eingeleitet werden, incl.derer, die diesbezüglich ihre Kontrollpflichten nicht wahrgenommen haben.
Freiwillig das Amt niederlegen? Warum darauf warten? Diese Sorte abgebrühter Menschen, lachen sich kaputt über so eine sinnlose Forderung und bringen noch ihre letzten Schäfchen ins Trockene,Rechtsstreit eingerechnet.
Das dauert bei der AWO viiiiiel zu lange in diesen Etagen. Lächerlich

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