Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) posiert beim Landeserntedankfest am 5. Oktober 2019 mit mehreren Personen in historischen Kostümen.
Ministerpräsident Bodo Ramelow beim Landeserntedankfest in Schkölen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erntedankfest Bauern und Kirche fordern bessere Bezahlung von Landwirten

Mit einem Gottesdienst und einem Bauernmarkt haben Politiker, Kirchenvertreter und Landwirte in Schkölen das Landeserntedankfest gefeiert. Es wurde daran erinnert, wie hart die Arbeit in der Landwirtschaft ist - und wie schlecht sie oft entlohnt wird.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) posiert beim Landeserntedankfest am 5. Oktober 2019 mit mehreren Personen in historischen Kostümen.
Ministerpräsident Bodo Ramelow beim Landeserntedankfest in Schkölen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zum Thüringer Landeserntedankfest in Schkölen (Saale-Holzland-Kreis) hat der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer eine bessere Bezahlung der Bauern gefordert. Die Arbeit in der Landwirtschaft sei hart, sagte Kramer im ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt des Festes. Oft erhielten die Bauern nicht den Lohn, den sie verdienten. Der Bischof sprach sich außerdem für eine Kultur des Teilens in einem so reichen Land wie Deutschland aus.

Zwei Kirchenvertreter in religiöser Kleidung laufen im Anschluss an den Gottesdienst zum Landeserntedankfest in Schkölen über eine Wiese.
Landesbischof Friedrich Kramer (links) nach dem Gottesdienst Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bauernpräsident Klaus Wagner appellierte an die Verbraucher. Sie müssten bereit sein, für hochwertige Lebensmittel auch angemessen zu bezahlen. Andernfalls werde es immer weniger Bauern geben.

Rund 200 Menschen aus Schkölen und der Region hatten den Landeserntedankgottesdienst verfolgt - unter ihnen auch Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) und Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Nach dem Gottesdienst stand ein Besuch auf dem Bauernmarkt mit regionalen Produkten auf dem Programm. Wagner betonte die Symbolkraft des Erntedankfestes - auch unabhängig von der religiösen Bedeutung.

Ertrag regional sehr unterschiedlich

Thüringens Bauern blicken auf eine durchwachsene Saison zurück. Nach Daten des Statistischen Landesamtes liegt die diesjährige Getreideernte von rund 2,5 Millionen Tonnen um zwei Prozent unter dem  Mittel der Jahre 2013 bis 2018. Im Vergleich zum Dürrejahr 2018 sei der Ertrag aber um 0,4 Millionen Tonnen oder 17 Prozent gestiegen. Größere Einbußen im Vergleich zum Vorjahr gab es unter anderem bei der Winterraps-, der Apfel- und der Kirschernte.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) steht beim Landeserntedankfest am 5. Oktober 2019 auf einer Bühne und spricht in ein Mikrofon.
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach den Bauern beim Landeserntedankfest in Schkölen seinen Dank aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allerdings spiegelten die Durchschnittswerte die Realität nicht ganz wieder, sagte Wagner. Bauern seien in diesem Jahr regional sehr unterschiedlich von der Trockenheit betroffen gewesen. "Wir haben Betriebe, die haben eine durchschnittliche Ernte eingefahren. Es gibt aber auch Betriebe, die haben eine schlechtere Ernte als im vergangenen Jahr." Dem Weizen habe vor allem die Hitzewelle Anfang Juli sehr geschadet. Im Thüringer Becken seien die Ertragseinbußen am größten. Das Thüringer Becken um Erfurt herum gilt als besonders fruchtbar, gehört aber wegen seiner besonderen Lage auch zu einer der trockensten Gegenden Deutschlands.

Landwirtschaft und Klimawandel

Porträt Dr. Klaus Wagner, Präsident Thüringer Bauernverband
Thüringens Bauernpräsident Klaus Wagner Bildrechte: Klaus Wagner

Weiter sagte Wagner, er sehe kaum Möglichkeiten, in der Landwirtschaft hierzulande rasch auf den Klimawandel zu reagieren. "Wir können nur anbauen, was wir auch verkaufen können." Für Hirse etwa, eine Getreideart, die mit wenig Wasser zurechtkomme, fehle schlicht der Absatzmarkt.

Es gebe in Thüringen auch Betriebe, die sich im Soja-Anbau versuchten. "Doch es fehlen Verarbeitungskapazitäten im Land", sagte Wagner mit Blick auf die Herstellung zum Beispiel von Sojaschrot, das an Tiere verfüttert werden kann. Außerdem brauche man noch viele Jahre, um genügend Erfahrungen zu sammeln.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 05. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2019, 17:18 Uhr

2 Kommentare

part vor 1 Wochen

Die Kirchen erhalten weiterhin Millionenzahlungen durcht die einzelnen Bundesländer, weil sie durch Napoleon rechtmäßig teilweise enteignet wurden und seit dem Entschädigungen erhalten, die schon in der Weimarer Republik als rechtswidrig anerkannt wurden. Auch wenn es in Deutschland weniger Bauern geben wird, die Spekulationfläche hat sich erhöht an Eignern, die nix mit Landwirtschaft am Hut haben, ein MItverdienst der beiden Kirchen an der friedlichen Revolution 89. Die beiden Staatskirchen sid aber wohl weiterhin zusammenhängig die größten Eigener an Flächeneigentum in der BRD meines Wissens nach. Doch nicht die Erzeuger bestimmen den Preis, sondern das Wettgeschäft auf Wertschöpfung, zuden eben auch die Landwirtschaft in einem Gebiet gehört, von den man an der Wall- Streat noch nie und nimmer etwas gehört hat.

J.Heder vor 1 Wochen

Erntezeit ist eine schöne Zeit und echter Grund zu Dankbarkeit an BAUERN UND NATUR! Das sich die Herrschaften der Kirche hinstellen und für die Bauern eine bessere Bezahlung fordern, grenzt vor dem Hintergrund der Bezahlung der EIGENEN Angestellten der Kirche, den zur Kirche gehörenden Betriebe der Pflege und Kindergärten förmlich an Hohn und Frechheit! Ich habe im Freundeskreis 1 Frau welche in der Küche eines kirchlichen Betriebes angestellt ist und trotz 40 Stundenwoche gerade den gesetzlichen Mindestlohn erhält. Ohne das Gesetz hätte diese Frau ca 6 Euro Stundenlohn; so war er zum Tag des Inkrafttreten des Gesetzes! Soviel zur "ach so sozialen" Kirche; Wasser predigen, selber den Wein (Lohn)der anderen saufen.....
Im Punkt des "teilen"; auch eine Forderung der Kirche zu diesem Anlass, dann sollen die Kirchenvertreter mit den Parteien mit dem "C" ganz vorne dran sprechen und den Jahresgewinn der Firmen mit ihren Mitarbeitern gerecht teilen. Mal sehen wie "christliches Teilen" geht!

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