Batterie mit Natrium-Nickel-Chlorid-Zelle (Sonnenstrim-Akku), entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Hermsdorf
Der Solarstrom-Akku cerenergy kann den Energiebedarf eines Singlehaushalts decken. Bildrechte: MDR/Fraunhofer IKTS

Hermsdorf Fraunhofer-Batterie soll Strom aus erneuerbaren Energien speichern

Wie kann man erneuerbare Energie speichern, wenn sie über Bedarf produziert wird? Ein Problem, für das es lange keine günstige und ressourcenschonende Lösung gab. Bis in Hermsdorf beim Fraunhofer-Institut neuartige Batterien entwickelt wurden. Jetzt startet in Jena ein Pilotversuch.

Batterie mit Natrium-Nickel-Chlorid-Zelle (Sonnenstrim-Akku), entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Hermsdorf
Der Solarstrom-Akku cerenergy kann den Energiebedarf eines Singlehaushalts decken. Bildrechte: MDR/Fraunhofer IKTS

Strom aus Wind und Sonnenenergie ist nicht lange speicherbar. Bis jetzt. Denn eine bahnbrechende Idee wird aktuell am IKTS Fraunhofer Institut Hermsdorf in Ostthüringen verwirklicht. Die Forscher dort haben einen Akku entwickelt, der diese Energie sicher und günstig speichern kann. Getestet wird der Akku demnächst bei der Sanierung eines Wohngebietes in Thüringen. "Smood" heißt das Pilotprojekt, an dem 17 Thüringer Unternehmen und vier Forschungseinrichtungen und ein Verein beteiligt sind. Nachhaltig und regional sollen die Häuser versorgt werden.

Kochsalz in der Batterie ersetzt teures Lithium

Dafür entwickeln die Hermsdorfer Forscher neue Stromspeicher: die größte Natrium-Nickel-Chlorid-Zelle der Welt. Fünf Kilowattstunden Strom speichert die Batterie mit 22 Zellen: der Tagesbedarf eines Single-Haushaltes. Seit sechs Jahren forscht das Team um Professor Michael Stelter an diesen Sonnen-Strom-Akkus und hat dafür spezielle Membranen entwickelt. Synthetisches Aluminium-Oxid und Natrium sind Hauptzutaten für diese Membran. Fast wie beim Backen wird das Material verarbeitet. Noch werden die Membranen überwiegend in Handarbeit hergestellt; die Pläne für eine große Batteriefabrik haben die Hermsdorfer Forscher aber schon in der Schublade. Bisher arbeiten Batterien zum Beispiel mit Lithium, was aber teuer ist und importiert werden muss. Hier haben die Wissenschaftler eine günstige Lösung gefunden. Einfaches Kochsalz kommt in die Membranen und speichert den Strom. Ein regionaler und günstiger Rohstoff.

Batterie mit Natrium-Nickel-Chlorid-Zelle (Sonnenstrim-Akku), entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Hermsdorf
Blick in das Innenleben der Hochtemperaturbatterie cerenergy des Fraunhofer Instituts Hermsdorf. Bildrechte: MDR/Fraunhofer IKTS

15 Millionen Euro Fördermittel sind bislang in die Batterie-Forschung geflossen. Geld aus der EU, der Industrie und der Fraunhofer-Gesellschaft. Getestet wird der Akku zunächst bei der energiesparenden Sanierung eines Wohngebietes in Jena. Das Fraunhofer Institut ist dazu Mitglied im smood-Forschungsverbund. Smood (smart neighborhood) entwickelt hier unter anderem Produkte für eine kostengünstige und umweltfreundliche Energieversorgung der Quartiere; zum Beispiel durch Erdwärme und Solarstrom. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung unterstützt den Forschungsverbund mit insgesamt rund zehn Millionen Euro.

Seit sechs Jahren forscht das Team um Professor Michael Stelter in Hermsdorf an den Sonnen-Strom-Akkus. "Wir werden noch zwei-drei Jahre brauchen, bis alles nach unseren Vorstellungen funktioniert", so Professor Stelter. Die Hermsdorfer Batterien können direkt in Wohnhäusern aufgestellt werden, da sie extrem sicher sind. Solarstrom auch nachts, Windenergie auch bei Windstille - das alles soll mit dieser neuen Batterie möglich sein. Der Öko-Strom steht bei Bedarf rund um die Uhr zur Verfügung. Hochtechnologie aus Thüringen - sicher und vor allem günstig.

Was ist die Fraunhofer Gesellschaft? Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. ist mit über 25.000 Mitarbeitern die größte Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa. Der Sitz der Zentrale ist in München. Hauptaufgabe ist die Vertragsforschung mit Aufträgen aus der Industrie und öffentlich finanzierten Forschungsprojekten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2018, 13:03 Uhr

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