Werksübernahme Nach Insolvenz: Kahla Porzellan bekommt neuen Inhaber

Das Porzellanwerk in Kahla bei Jena bekommt nach der Insolvenz einen neuen Inhaber und Geschäftsführer. Die Familie Raithel, seit 1993 Eigentümer des Werks, zieht sich zurück. Ein Großteil der 250 Beschäftigten soll in dem Traditionsbetrieb bleiben.

Porzellanwerk mit Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach in Kahla
Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach: In die Modernisierung des Porzellanwerks in Kahla flossen nach Unternehmensangaben seit Anfang der 1990er-Jahre mehr als 35 Millionen Euro. Bildrechte: MDR/Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH

Für den angeschlagenen Porzellanhersteller Kahla ist ein Investor gefunden: Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, übernimmt Daniel Jeschonowski, Geschäftsführer und Inhaber des Kugelschreiber-Herstellers Senator, das traditionsreiche Werk. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. 90 Prozent der bisherigen Mitarbeiter würden weiter beschäftigt, hieß es. Das Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern war seit März in Insolvenz in Eigenverwaltung. Grund für die finanzielle Schieflage war nach Unternehmensangaben ein geplatzter Großauftrag, für den vorher Investitionen in Millionenhöhe geflossen waren.

Trotz Schließungen während der Corona-Krise hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten über Plan liegende Umsätze erzielt. Starke Onlineverkäufe und ein virtueller Porzellanmarkt hätten Umsatzrückgänge aus dem internationalen Handel ausgeglichen. Für das Porzellanwerk gab es laut einer Sprecherin mehrere Interessenten.

Herr Jeschonowski überzeugte den Gläubigerausschuss mit seinem Konzept, die 'Made in Germany'-Strategie fortzuführen und den Produktionsstandort Kahla zu sichern.

Sprecherin des Unternehmens

Die neue Struktur und Strategie werde in den nächsten Tagen vorgestellt.

Thüringer Porzellanherstellung mit Tradition

In der Kleinstadt Kahla südlich von Jena wird seit mehr als 170 Jahren industriell Porzellan hergestellt. Zu DDR-Zeiten war die Stadt Sitz des VEB Feinkeramik, zu dem 17 Betriebe mit rund 18.000 Beschäftigten gehörten. Die Privatisierung nach der Wiedervereinigung endete in der Pleite.

Untertassen mit dem Logo Kahla Porzellan
Porzellan aus Kahla wird weltweit exportiert. Bildrechte: dpa

Anfang der 1990er-Jahre kam es zur Neugründung der Kahla Thüringen Porzellan GmbH aus der Insolvenz durch den früheren Rosenthal-Manager Günther Raithel. Dessen Sohn Holger Raithel führte den Betrieb zuletzt. In die Modernisierung wurden seit der Wiedervereinigung mehr als 35 Millionen Euro investiert. Für immer neue Porzellanformen und -designs gab es zahlreiche Auszeichnungen. Zuletzt exportierte die Firma in 60 Länder.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/uka,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. September 2020 | 12:00 Uhr

4 Kommentare

m_p vor 13 Wochen

@wasserfall
haben Sie ansatzweise eine Vorstellung, wie vergleichbar die technische Ausstattung von Porzellanwerken (Osten/Westen) zur Wende war?
Ohne die von Ihnen genannten West-Investoren, die neben Investitionen in Maschinen und Anlagen zugleich den Zugang zu neuen Märkten mitgebracht haben, und so eine Perspektive geboten haben, wäre dieses Unternehmen, wie viele andere auch, kurz nach der Wende vom Markt gegangen.
Dank an Raithel, der das Werk seit 1994 weitergeführt und nach vorne gebracht hat.

CrizzleMyNizzle vor 13 Wochen

"dieses unternehmen wie viele andere auch haben funktioniert."

Wie viel Kahla Porzellan besitzen Sie? Wann haben Sie das letzte Porzellan von Kahla gekauft?

seaking vor 13 Wochen

Das Schlimme ist allerdings auch, was ich beobachtet habe, dass viele Bürger hier in Deutschland nicht mal bereit sind, Geld für qualitatives Porzellan, auszugeben. Ich selbst bin ehemaliger Porzelliner von Meißen und weiß den Wert des edlen weißen Goldes nach wie vor zu schätzen. Leider haben sich aber auch die Werte und die Ansichten der modernen Generation zum Kauf von Porzellan drastisch verändert. War es früher noch das klassische 6 bzw 12teilige Service, braucht man heute nur noch einen Humpen, statt Kanne, Gießer und Zuckerdose.
Das hat auch zum Wertverfall des Porzellan's beigetragen.
Ich würde mir wünschen, dass man zumindestens mal ansatzweise darüber nachdenkt, warum und weshalb solches Gut erhalten werden sollte.
Handarbeit ist eben ein Gewerbe, dass besondere Aufmerksamkeit verlangt.
Als Keramiker blutet mir echt das Herz. wenn man so etwas liest...

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