Schloss Hummelshain
Schloss Hummelshain Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Privatisierung Keine Erfolgsgeschichte der LEG: Schloss Hummelshain

Die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft hat in den 25 Jahren ihres Bestehens nicht nur ent-, sondern auch abgewickelt - darunter 15 Schlösser und Herrenhäuser aus Landesbesitz. Die Bilanz dieser Aktion ist nichts, womit sie gerne wirbt. Denn es gibt nur wenige Erfolge, dafür mehr Pech und Pannen. Der Misserfolg bei Schloss Hummelshain ist dabei ein besonderer Fall. Die LEG ist mitverantwortlich dafür, dass das Denkmal in einem miserablen baulichen Zustand ist.

von Michaela Schenk

Schloss Hummelshain
Schloss Hummelshain Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Der Brief ist inzwischen zehn Jahre alt, sein Inhalt ein Schlag ins Gesicht der Denkmalschützer. Der für Immobilien zuständige LEG-Geschäftsführer Frank Krätzschmar lässt das Landesamt für Denkmalpflege am 20. Juni 2007 wissen, was er von der Sorge der Experten um Schloss Hummelshain und den dringenden Sanierungsbedarf hält. Kurz gesagt: zu wenig. Die Denkmalschützer drängten auf die Reparatur des desolaten Daches und mahnten dazu erfolglos den Mann an, der in der Öffentlichkeit bis heute als Schlossbesitzer auftritt: den Leipziger Gerhard Peter Lutz Rothe.

Lutz Rothe auf Schloss Hummelshain
Lutz Rothe auf Schloss Hummelshain Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

1998 hatte die LEG an diesen Mann und seine Firmen AlphaSat Communication GmbH Schloss und Park "verkauft". Vor laufenden Kameras unterzeichnete Rothe den Vertrag, in dem etwa zwei Millionen D-Mark für das Denkmal plus weitere rund 7,5 Millionen Mark für seine Sanierung und den Umbau zu einem Forschungsinstitut zugesagt wurden. Doch Rothe blieb die Gelder schuldig. Die Landesentwicklungsgesellschaft nahm es hin und ermöglichte dem Leipziger dann auch noch, mit dem Schloss wirtschaftlich aktiv zu werden. Eine Restschuld über 309.000 Euro wurde im Grundbuch eingetragen und Rothe damit erst in die Lage versetzt, das Schloss an eine neugegründete Firma weiterzureichen. Die Restschuld beim Land wanderte dabei zwar mit. Die beurkundeten finanziellen Zusagen Rothes für die Schloss-Sanierung wurden im Zuge der Transaktion aber gelöscht.

Kampf um Schloss Hummelshain

Die Rechtsanwalt-Kanzlei Nikolaus Schmidt in Halle ist Insolvenzverwalter für die Firma AlphaSat Communication GmbH. Das Verfahren wurde im Frühsommer 2008 eröffnet. Gegen die GmbH und ihren damaligen Geschäftsführer Rothe gibt es Forderungen von mehreren Millionen Euro: Steuerschulden, Bankverbindlichkeiten, offene Handwerkerrechnungen. Mehr als vier Millionen Euro sind als Forderungen anerkannt. Im Interesse der Gläubiger versucht der Insolvenzverwalter seit einigen Jahren, Schloss Hummelshain zur Pleitefirma "zurückzuholen".

Seit dem 19. Dezember 2014 beschäftigt der Fall deshalb - von der Öffentlichkeit unbemerkt - die Zivilkammer am Landgericht Gera. Das Gericht ließ ein Wertgutachten erstellen. Auf den im September 2017 vorgelegten 500 Seiten wird unter anderem festgestellt, dass Schloss und Park im Jahr 2008 - als Rothe das Schloss weitergab - 1,5 Millionen Euro wert waren. In diesem Betrag sind Sanierungsstau und "der hohe ideelle Wert der Immobilie als Kulturdenkmal" berücksichtigt worden, wie die Sprecherin vom Landgericht, Kerstin Böttcher-Grewe, MDR THÜRINGEN sagte. Laut Gutachten hat die LEG damals also Rothe das Schlossensemble unter Wert überlassen und Rothe dann ein Vermögen verschoben.

Wiedergutmachung?

Erstmals 2014 spricht LEG-Geschäftsführer Krätzschmar öffentlich von Fehlern, die die LEG bei Hummelshain zu verantworten hat. Als Grund für das beispiellose Entgegenkommen nannte er in einem MDR-Interview die einst wirtschaftlich schwierige Lage der Landesgesellschaft. Eine Rücknahme des Schlosses sei damals nicht machbar gewesen.

Inzwischen ist von Millionendefiziten bei der LEG nicht mehr die Rede. Zudem hat die rot-rot-grüne Landesregierung mehr übrig für Denkmale. Für das Schloss wurden Fördermittel zugesagt. Außerdem sollte die LEG Wiedergutmachung üben. Sie ging deshalb vor einigen Wochen den Schritt, der seit Jahrzehnten überfällig war: Sie beantragte die Zwangsvollstreckung der noch offenen Restschuld von fast 309.000 Euro. Dem Plan nach sollte die LEG dann das Schloss ersteigern und umgehend an einen neuen Besitzer geben. Der Mann war bereits ausgesucht und seine finanziellen Zusagen in ein Vertragswerk gegossen.

Der bayerische Unternehmer sollte das Schloss eigentlich im September nächsten Jahres in Besitz nehmen. Stattdessen aber passierte etwas, was die LEG nach den Worten des dafür noch verantwortlichen Geschäftsführers Krätzschmar nicht erwartet hatte: Der Schlossnutzer hat mit Hilfe von guten Freunden die LEG-Forderung bedient, wenn auch bis zum 19. Dezember noch nicht vollständig. Die Zukunft für Schloss Hummelshain gestaltet sich deshalb wahrscheinlich so: Gerhard Peter Lutz Rothe bewegt sich in Schloss Hummelshain, wie es Besitzer tun. Rothe geht ein und aus, führt Gäste durch die imposanten Räume und nächtigt manchmal auch in einem der vielen Zimmer. So war es in den letzten fast 20 Jahren. Für die Sanierung wird wohl eher der Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 20. Dezember 2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2017, 16:37 Uhr

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1 Kommentar

20.12.2017 13:39 martin 1

Unfähigkeit mit drei Buchstaben.

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