Es sind Becher mit dem Logo des Unternehmens zu sehen.
Becher mit Logo von Kahla-Porzellan. Bildrechte: dpa

Aus der Pleite auf den Weltmarkt 25 Jahre Kahla-Porzellan

Günther Raithel sagt es offen heraus: Er ist stolz. Denn was er vor 25 Jahren wagte, das hat bis heute Bestand. Raithel hat das alte Porzellanwerk in Kahla gerettet und es als Kahla-Porzellan zu einer weltweit gefragten Marke gemacht.

von Marian Riedel

Es sind Becher mit dem Logo des Unternehmens zu sehen.
Becher mit Logo von Kahla-Porzellan. Bildrechte: dpa

Wenn sich Hoteliers und Gastronomen, Händler und Wettbewerber im Februar auf der "Ambiente" in Frankfurt am Main umsehen werden, dann werden sie altbekannte Stücke aus dem Kahla-Sortiment entdecken. Aber in einem neuen Gewand. Sheila Rietscher, die im Unternehmen als Director Brand & Strategy arbeitet, sagt, dass jedes Teil von Hand in die Glasur getaucht wird. So entstehen Unikate. Und die muten an wie Keramik, sind aber aus dem beliebten feineren Material, mit dem die Kahlaer so viel Erfahrung haben.

Seit 175 Jahren wird dort Porzellan hergestellt und veredelt. Doch die lange Traditionslinie war schwer gefährdet nach dem Ende der DDR-Planwirtschaft, durch die erste Treuhand-Privatisierung. Im August 1993 meldete der damalige Geschäftsführer Konkurs an. Alles wäre vorbei gewesen, hätte nicht Günther Raithel einen Plan gehabt.

Vertrauen auf Können und Kreativität

Produktion von Porzellan aus Kahla
Veronika Weigelt "stempelt" das Saks-Muster. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

"Es gab tragische Szenen", erinnert sich Raithel an den 25. Januar 1994. Da übernahm er das Werk in Kahla. Und mit ihm mehr Personal, als er gebrauchen konnte. Entlassungen waren unvermeidlich. Heute sagt der Neugründer: "Mein Konzept sah 300 Leute vor. Und die haben wir heute noch. Also 25 Jahre in dieser schwierigen Branche 300 Leute beschäftigen - das ist was. Darauf sind wir stolz."

Raithel wusste, dass sein Personal eine gediegene Ausbildung in der DDR bekommen hatte. Drei Jahre lang war zum Beispiel Veronika Weigelt als Lehrling im Werk - ehe sie ihre Abschlussprüfung als "Maler und Dekorierer für Glas und Keramik" ablegte. Das war 1976.

Seit damals beherrscht sie auch das, was sie mit einer Kollegin heute noch zu tun hat: Sie "stempelt" das berühmte blaue Muster aufs weiße Geschirr. "Saks" heißt das Service, oder auch Petersilienmuster. Frau Weigelt sagt, sie würde manchmal Künstler genannt. "Aber das stimmt nicht ganz. Trotzdem:  Einfach nur etwas herstellen - nein, das ist es nicht. Man möchte das schon gelernt haben. Umsonst hatten wir nicht drei Jahre Ausbildung."

Immer neue Ideen, immer neue Ausgaben 

Produktion von Porzellan aus Kahla
35 Mio Euro hat KAHLA Porzellan seit 1994 ins Werk investiert. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Neugründer Günther Raithel hat die Geschäftsführung längst an seinen Sohn Holger übergeben. Aber es läuft, so wie man sich ein Familien-Unternehmen vorstellt: Da bringt sich jeder ein, egal, was auf der Visitenkarte steht. Und beiden Raithel-Generationen ist klar: Wer im Konkurrenzkampf nicht untergehen will, der muss immer neu investieren. Günther Raithel: "Damals stand in meinem Konzept, dass wir 15 Millionen in den nächsten fünf bis zehn Jahren investieren wollen. Das waren D-Mark. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, dann haben wir in den 25 Jahren satte 35 Millionen investiert - aber Euro!"

Und dann setzt der Geschäftsmann noch etwas nach: Damals waren es die Chinesen, die mit Billigware auf den Markt drängten. Heute komme der Druck aus ganz Osteuropa, meint Raithel - weil dort die Löhne drastisch niedriger sind. Umso wichtiger sei seine Gründer-Devise noch heute. "Design oder nicht sein", sagt Raithel.

Neue Angebote, neue Vertriebswege

Kahla-Porzellan hat vor gut einem Jahr eine Serie mit Wildblumen-Dekor auf den Markt gebracht. Das ist jetzt ein Renner bei den Koreanern. Im Online-Verkauf für private Kunden. An so ein Verkaufsmodell war vor 25 Jahren natürlich nicht zu denken. Nachgedacht hat Raithel damals aber über neue Kundenkreise. Und so stellt das Unternehmen heute vor allem Porzellan für Hotellerie, Gastronomie und Catering her. Dazu kommen Werbe- und Firmen-Porzellane - neben dem guten alten Privatkundengeschäft.

Porzellan aus Kahla auf einem Tisch
Zum Sortiment gehört Traditionelles. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Sheila Rietscher liefert die Statistik dazu: 40.000 Porzellanartikel am Tag. Über 14 Millionen Artikel im Jahr. Das ist Kahla-Porzellan am 25. Jahrestag des Neustarts. Neugründer Günther Raithel und Dekoriererin Veronika Weigelt sind sich einig in einem Wunsch: Das Glück möge dem Unternehmen hold bleiben. Den Fleiß und die Ideen dafür wollen sie auch weiterhin selbst liefern.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 25. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 20:36 Uhr

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2 Kommentare

26.01.2019 22:40 albrecht 2

Ja wirklich tolle Leistung und eine Absage an Logistikzentren. Hätte man nicht Weimar Porzellan übernehmen können ? Das geschirr von Weimar begleitet mich schon über 50 Jahre und ich bin traurig

25.01.2019 18:34 Es geht doch ! 1

Das ist doch endlich mal wieder eine ausserordentlich schöne Meldung aus Thüringen.
Der Firma und ihren Mitarbeitern ist auch weiterhin viel Erfolg zu wünschen.

Wie man sieht, florieren dort auch Industriebetriebe.
Es müssen also nicht immer nur LOGISTIKZENTREN sein.

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