Mehrere Ferkel in einem Schweinemastbetrieb neben ihrem Muttertier.
Das Veterinäramt des Saale-Holzland-Kreises beanstandete mehrfach die Zustände im Gut Thiemendorf. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Saale-Holzland-Kreis Tierschutz: Gut Thiemendorf reicht 23 Klagen ein

Zu enge Kastenstände, Schweine voller Kot, Spaltböden, an denen sich Sauen verletzen können: Die Schweinezucht "Gut Thiemendorf" beschäftigt weiter die Justiz wegen früherer Tierschutzverstöße. Das Verwaltungsgericht Gera verhandelte am Mittwoch mehr als 20 Klagen, mit denen sich das Agrarunternehmen gegen Bescheide und angedrohte Zwangsgelder wehrt.

von Cornelia Hartmann

Mehrere Ferkel in einem Schweinemastbetrieb neben ihrem Muttertier.
Das Veterinäramt des Saale-Holzland-Kreises beanstandete mehrfach die Zustände im Gut Thiemendorf. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Der Glaskasten, in den üblicherweise die Termine für einen Verhandlungstag passen, ist diesmal zu klein. 23 Klagen werden an diesem Mittwoch im Saal 109 des Verwaltungsgerichts Gera verhandelt. Kläger und Beklagter sind immer gleich: Schweinezucht Gut Thiemendorf gegen das Veterinäramt des Saale-Holzland-Kreises.

Die Schweinezucht Gut Thiemendorf hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder für Schlagzeilen gesorgt. Tierschutzverbände erstatteten Anzeige, das Thüringer Landeskriminalamt ermittelte wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Die Strafverfahren wurden zwischenzeitlich gegen Geldauflagen eingestellt. Die Amtsveterinäre kontrollierten den Stall seit 2013 regelmäßig - und beanstandeten Vieles. Es gab Bescheide, was zu verändern sei. Und es gab Zwangsgeldandrohungen und Zwangsgeldfestsetzungen, wenn die Auflagen nicht erfüllt wurden. Gegen 23 dieser Bescheide hatten die Betreiber der Schweinezucht geklagt. Und diese Anzahl zeigt: Das Amt hat in den vergangenen Jahren sehr oft und sehr genau hingeschaut.

Die Klagen von Gut Thiemendorf sind am Verwaltungsgericht Gera in einem Glaskasten ausgehangen
Bei Weitem nicht alle Klagen von Gut Thiemendorf haben am Mittwoch in den Glaskasten im Gericht in Gera gepasst. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Gericht urteilt über Bescheide gegen Gut Thiemendorf

Es ginge nur um das Verwaltungsrecht, nicht um die konkreten Maßnahmen, betonte der Geraer Richter, der sich während der Verhandlung zweimal einen neuen Aktenstapel holte. Hätte man sie alle übereinander gelegt, wäre der Stapel wohl einen Meter hoch gewesen. Manches blieb wirklich sehr formal. Mal ging es um die Einhaltung von Klagefristen, mal um die richtige Zustellung eines Bescheides. In fast allen Fällen hatten die Betreiber des Stalls gemacht, was die Behörde verlangte: die Kastenstände vergrößert, helleres Licht eingebaut, die Wärmebelastung verringert, einen täglichen Tierarztrundgang veranlasst. Trotzdem hatten sie noch gegen die Bescheide geklagt. Man sei nicht mit allen Bescheiden einverstanden gewesen, sagte der Betriebsleiter.

Veterinäramt sieht Verbesserung in der Schweinezucht

Es ging um Bescheide aus den Jahren 2013 bis 2016. Und an denen hatte das Gericht nicht viel auszusetzen. Lediglich das Wort "sofort" war dem Richter zu ungenau. Sofort könne sein: am Kontrolltag, am Tag, an dem der Bescheid erging, am Tag, an dem er dem Unternehmen zugestellt wurde. Besser sei ein Datum. Die Kontrollen waren aufwendig, zum Teil war das Amt mit 20 bis 30 Leuten vor Ort, hieß es vom Veterinäramt. Und dass heute Vieles sehr viel besser sei in diesem Stall.

Einige wenige Klagen wurden vertagt. Wann wieder verhandelt wird, ist offen. Sicher hingegen ist, die Terminliste wird dann in den dafür vorgesehenen Glaskasten passen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 23. Oktober 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 07:58 Uhr

6 Kommentare

Jan vor 3 Wochen

Jedes Tier ist es Wert geachtet zu werden, egal wie es andere sehen. Sie, die es verstanden haben (das entnehme ich ihren Äußerungen), sollten mit guten Beispiel voran gehen und es anderen zeigen, wie es besser geht. Tierwohl ist nicht sinnlos!

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo Atheist,
Ihre etwas themenferne Unterstellung stimmt nicht. Natürlich wird auch das betäubungslose Schlachten nach muslimischen und jüdischen Regeln öffentlich erwähnt und diskutiert: https://www.juedische-allgemeine.de/politik/schaechten-mit-ausnahmegenehmigung-weiter-moeglich/

Atheist vor 3 Wochen

Wenn es doch überall ein Tierwohl gäbe, aber wo anders schaut man gerne weg.
Benennen darf man so was auch nicht - wie war das mit der Meinungsfreiheit?

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