Saale-Holzland-Kreis Erneut Kritik am "Mohrenfest" in Eisenberg

Die Kritik am neuen Namen "Mohrenfest" für das Stadtfest in Eisenberg im Saale-Holzland-Kreis reißt nicht ab. Auch das Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk (thadine) hat in einem offenen Brief an Eisenbergs Bürgermeister Michael Kieslich (CDU) gegen die Namensgebung protestiert.

Begriff verweise auf Kolonialverbrechen

Mohrenbrunnen in Eisenberg
Der "Mohrenbrunnen" in Eisenberg Bildrechte: IMAGO images/Werner Otto

In dem Schreiben wird Kieslich aufgefordert, über eine Umbenennung des Stadtfestes nachzudenken. Die bis heute rassistische Bezeichnung "Mohr" werde offenbar völlig distanzlos verwendet, heißt es weiter. Die Bezeichnung verweise unter anderem auf eine jahrhundertelange Geschichte von Kolonialverbrechen und verletze Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Ähnlich äußerte sich Madeleine Henfling, die Obfrau für die Grünen-Landtagsfraktion in der Enquete-Kommission "Rassismus". Das Stadtfest in "Mohrenfest" umzubenennen, stehe beispielhaft für eine fehlende Auseinandersetzung mit Rassismus in Thüringen. Zuvor hatte es bereits Kritik von der "Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland" gegeben.

Stadt hält an neuem Namen fest

Die Stadt Eisenberg erklärte, dass das jährliche Stadtfest trotzdem von diesem Jahr an "Mohrenfest" heißen soll. Wie Bürgermeister Kieslich MDR THÜRINGEN sagte, hat der Begriff aus seiner Sicht aus der Stadtgeschichte heraus eine positive Bedeutung. Am Wochenende will die Stadt das "Mohrenfest" feiern, bei dem auch die Sage vom "Eisenberger Mohr" als Theaterstück aufgeführt werden soll.

Der "Eisenberger Mohr" ist Bestandteil des Eisenberger Stadtwappens. Das geht zurück auf eine Sage aus dem Mittelalter: Ein von einem Herzog von Kreuzzügen mitgebrachter "Mohr" wurde des Diebstahls einer Kette der Gemahlin des Herzogs bezichtigt und sollte enthauptet werden. Kurz vor seiner Hinrichtung fand die Gräfin das vermeintliche Diebesgut in ihrer Bibel wieder und schickte noch rechtzeitig einen Boten zum Richtplatz, so dass der unschuldige "Mohr" verschont wurde. Zur Wiederherstellung seiner Ehre sollte von nun an sein Kopf mit den verbundenen Augen das Stadtwappen zieren.

Im Jahr 1727 wurde zudem auf einem Brunnensockel eine Statue des "Mohren", der als Wahrzeichen der Stadt gilt, hinter dem Rathaus errichtet.

Stadtwappen von Eisenberg (Thüringen)
Das Stadtwappen von Eisenberg Bildrechte: Stadt Eisenberg Thüringen

Am Freitag zeigte sich Bürgermeister Kieslich bei MDR THÜRINGEN erstaut über die Debatte über den Namen. Er sagte, der neue Name sei schon vor mehreren Monaten beschlossen worden. Erst seit zwei Tagen würden dagegen Bedenken geäußert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Mai 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 11:23 Uhr

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64 Kommentare

25.05.2019 08:03 Isidro Pimentel 64

Diese politisch motivierte, manipulative und verlogene Pose möchte ich als DUNKELHÄUTIGER Mitbürger Eisenbergs entschiedend entgegentreten. Eisenberg ist ein idyllischer Ort mit freundlichen, weltoffenen Menschen! Dieses Fest und die Geschichte über den Mohr stehen richtig interpretiert gegen Vorurteile. Die Stadt ist schön dekoriert, das Fest friedlich und alle feiern miteinander. DIESER KULTURMARXISTISCHE HALTUNG GEGEN DIE NAMENSGEBUNG IST UNFAIR UND UNBEGRÜNDET. Kommen Sie nach Eisenberg und feiern Sie mit uns!

25.05.2019 06:31 Amalia 63

Bis jetzt haben die politisch Korrekten nur anderen den ganz normalen Alltag versüßt, lamentieren macht Spaß, aber statt zu meckern, sollten alle, die der Meinung sind, der Name muss weg, konstruktive Alternativen bringen. Ich schlage vor : Starkpigmentiertenfest. Ist politisch korrekt und eingängig. Andere Vorschläge

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