Total Die Ausgrabungsstätte vor der Ilsenhöhle gibt es schon seit den 1930er Jahren. Wissenschaftler des TLUG und des Max-Planck-Instituts Leipzig haben die Grabung 2016 wieder ausgehoben
Die Ausgrabungsstätte vor der Ilsenhöhle gibt es schon seit den 1930er Jahren. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Archäologie Burg Ranis: Auf den Spuren der Neandertaler

Am Fuße der Burg Ranis im Saale-Orla-Kreis werfen Wissenschaftler seit dieser Woche einen Blick in die Vergangenheit. In den Überresten der eingestürzten Ilsenhöhle suchen sie nach Spuren der Neandertaler und der ersten modernen Menschen. In den nächsten fünf Wochen wollen sie sich bis zur sogenannten "Blattspitzenschicht“ vorgraben.

von Stefanie Reinhardt

Total Die Ausgrabungsstätte vor der Ilsenhöhle gibt es schon seit den 1930er Jahren. Wissenschaftler des TLUG und des Max-Planck-Instituts Leipzig haben die Grabung 2016 wieder ausgehoben
Die Ausgrabungsstätte vor der Ilsenhöhle gibt es schon seit den 1930er Jahren. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Oben hält eine Plane Sonne und Regen ab, darunter stützen Holzbalken und Sandsäcke die Erde. Über eine Leiter geht es nach unten: In fast sechs Metern Tiefe wird die Erde mit Maurerkelle und Pinseln vorsichtig abgetragen.

Internationales Team

Gemeinsam mit Studenten aus Jena, den Niederlanden und den USA suchen die Archäologen Tim Schüler vom Landesamt für Denkmalpflege aus Weimar und Marcel Weiß vom Max-Planck-Institut aus Leipzig nach Überresten der Menschen, die hier vor 30.000 bis 40.000 Jahren gelebt haben: der Neandertaler.

Sieben Meter tief wird gegraben

"Es erinnert eine U-Bahn-Baustelle“, beschreibt Marcel Weiß die Ausgrabung. Steine werden abgetragen, das feine Sediment wird in Eimern gesammelt, gesiebt und nach kleinen Funden durchsucht. Sechs Wochen lang wollen die Wissenschaftler graben.
Ihr Ziel: Bis zur sogenannten Blattspitzenschicht zu kommen, die in etwa sieben Metern Tiefe liegt. "Diese Schicht ist das, was mal der Boden der eingestürzten Ilsenhöhle war“, sagt Marcel Weiß.

In dieser Schicht gehen wir in eine Zeit von etwa 30.000 bis 40.000 Jahren zurück.

Marcel Weiß

Das ist für die Wissenschaftler ein spannender Zeitraum. Denn: "In dieser Zeit verschwinden hier in Mitteleuropa die Neandertaler und der moderne Mensch taucht hier auf.“ Die Ilsenhöhle sei eine der wenigen Fundstellen in Mitteldeutschland, in der Forscher diesen Übergang anhand von Knochen- und Werkzeugfunden fassen können, sagt Weiß.

Ort war möglicherweise ein ganz besonderer

Bereits im Sommer 2016 haben die Wissenschaftler deshalb die Grabungsstätte aus den 1930er Jahren wieder ausgehoben - auch um neue Erkenntnisse über die gefundenen Blattspitzen zu gewinnen, sagt Tim Schüler. "Wir wissen noch nicht genau, wie diese Blattspitzen benutzt wurden“, sagt er. Schüler geht davon aus, dass die Blattspitzen ein Statussymbol für die Neandertaler waren. "Insofern können wir uns vorstellen, dass hier damals eine ganz besondere Stelle für die Menschen war.“

Kleine Funde machen Hoffnung auf mehr

Bei ihren Ausgrabungen haben die Archäologen immer wieder kleinere Funde gemacht: zum Beispiel den etwa zwei Zentimeter großen Handmittelknochen eines Tieres. "Welchem kleineren Säugetier dieser Knochen gehört hat, das schaut sich nun der Spezialist jetzt an“, sagt Schüler. Die Forscher graben nun weiter und hoffen nun auf noch viel mehr.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. Juli 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 20:14 Uhr

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1 Kommentar

12.07.2019 00:31 part 1

Bisher wurden die Überreste von Neandertal oder Denivosa fast nur in Höhlen entdeckt, Verwitterungsquote oder war diese Menschenart zu sehr an einem Ort verwurzelt, konnte keine nomadischen Behausungen bauen oder war zu bequem um sich anzupassen? 4 % im Erbgut der Völker außerhalb Afrikas sollen ja weiterhin existieren. Manchmal lassen aber auch Charaktereigenschaften der Mitmenschen oder die totale Ablehnung von anderen Spezies der Sorte Mensch auf vermeintliche erhöhte Anteile im Erbgut vermuten.

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