Schild mit 120-Geschwindigkeitsbegrenzung und Gefahrzeichen Kurve an einer befahrenen Autobahn
Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Tempolimit nach schweren Unfällen Ein Jahr 120 in gefährlicher Kurve der A9 bei Schleiz

"Todeskurve" – das ist der drastische Beiname. Den hatte lange Zeit ein Stück Autobahn bei Schleiz. Nicht ohne Grund: Nach dem sechsspurigen Ausbau der A9 gab es dort innerhalb von zwei Jahren 14 schwere Crashs. Doch diese, teils tödliche Unfall-Serie ist zum Glück gestoppt. Seit einem Jahr.

von Marian Riedel

Schild mit 120-Geschwindigkeitsbegrenzung und Gefahrzeichen Kurve an einer befahrenen Autobahn
Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Der 10. Januar 2018 war es, als ein langer Streit unter Fachleuten beendet wurde. An diesem 10. Januar rückten die Autobahnmeister mit nagelneuen Verkehrsschildern an - Schilder, die die Höchstgeschwindigkeit auf der A9 Richtung Berlin nahe der Ortschaft Oschitz neu festlegten: Auf Tempo 120.

Fachleute erst uneinig, dann aber entschlossen

Bauarbeiten bringen an einer Autobahn ein 120-Schild an
Erst bezweifelt, dann erfolgreich - Tempolimit 120 in der gefährlichen Kurve Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Solch ein Limit hatte Ronny Schuberth jahrelang gewollt. Schuberth ist der Stadtbrandmeister von Schleiz und damit Chef jener Schleizer Feuerwehrleute, die bei Autobahnunfällen alarmiert werden. Sie kennen die Todeskurve genau. Und doch wollte sich anfangs niemand auf die Analyse der Feuerwehrleute einlassen. Selbst unter Polizisten und bei den Straßenverkehrsbehörden gab es Zweifel, ob ein Tempolimit wirklich helfen würde. Dann gab es wieder einen Unfall im November 2017.

Wieder mussten die ehrenamtlichen Retter raus – aber einem Menschen konnten sie nicht mehr helfen: Der PKW lag auf dem Dach, der Fahrer war schwer verletzt, den Beifahrer kostete der Unfall das Leben. Nach diesem tragischen Ereignis einigten sich alle Fachleute: Einen Versuch ist das Tempolimit wert!

Gute Statistik, aber neue Sorgen

Für Feuerwehrchef Ronny Schuberth ist klar: Das war die richtige Entscheidung. Und auch Beamte der Autobahnpolizei bestätigen das. Pressesprecher Christian Cohn sagt: "Im Vergleich zum Jahr 2017, wo wir viele, schwere Unfälle dort hatten, war das im letzten Jahr dort nicht mehr der Fall. Es gab nur zwei Unfälle, die waren aber nur kleiner, nichts Schlimmes. Und insofern hat auf jeden Fall diese Geschwindigkeitsbegrenzung dort etwas gebracht." Allerdings haben die Feuerwehrleute von Ronny Schuberth jetzt ein Problem, das mit Tempolimit nicht lösbar ist. Der Feuerwehrchef spricht von einem "ganz neuen Phänomen im Unfallbereich". Bei zwei Unfällen wurden seine Leute durch das in manchen Personenwagen installierte Notruf-System alarmiert – aber sie fanden das Unfallauto dann aber nicht sofort. Schuberth schildert das so: "Das e-Call-System von PKWs versagt in der Art, dass es uns völlig irre führt." Bei den beiden Unfällen handelte es sich um Autos eines deutschen Herstellers.  Das e-Call-System lotste die Feuerwehrleute jeweils auf eine Landstraße bzw. eine Ortsverbindungsstraße unmittelbar neben der Autobahn – obwohl die Verunglückten auf der A9 auf Hilfe hofften.

Notfallteddys und mulmiges Gefühl

Zuletzt passierte das am zweiten Weihnachtsfeiertag. Da rückten die Feuerwehrleute zur Schleizer Industriestraße aus, der Crash aber hatte sich am Autobahnkilometer 226 ereignet, wo zwei Frauen verletzt worden waren. Dort trafen die Feuerwehrleute dann erst ein paar Minuten später ein. Sie brachten dann auch ihre Notfallteddys zum Einsatz  - Plüschtiere, als Trost für zwei am Unfall beteiligte Kinder. Das Ganze ereignete sich in Fahrtrichtung München – in genau jenem Autobahnabschnitt, der in der Gegenrichtung lange „die "Todeskurve" genannt wurde. Das ist nun seit einem Jahr Geschichte, sagt Ronny Schuberth. Und ergänzt, dank des Tempos 120 passiere jetzt in Richtung Berlin wirklich weniger. Aber in der Gegenrichtung, da häuften sich Unfälle. Und deshalb bleibe bei ihm noch immer ein mulmiges Gefühl.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 20:16 Uhr

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11 Kommentare

13.01.2019 00:36 Steph 11

Das Tempolimit an besagter Stelle ist ok, fahre oft da lang, hab nur bis heute noch kein Schild gesehen, was es wieder aufhebt!!! Würde das vergessen???

11.01.2019 17:04 Front 10

Hallo an die Gemeinde.
Als langjähriger LKW und Pkw Fahrer, der beruflich auch viel auf den Straßen in Deutschland unterwegs ist, befürworte ich ein Tempolimit wo es nötig ist - so auch dieses hier in diesem Beitrag auf der A9 bei Schleiz - allgemein würde ich 130 km/h als Tempolimit einführen wollen hier in Deutschland - das beruhigt den Verkehr ungemein.

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