Coronavirus Mindestabstand bei Konzert: Gesundheitsamt ermahnt Stadt Bad Lobenstein

Es ist Sonntag. Die Kurstadt Bad Lobenstein lädt zum Kurkonzert. Die Moorprinzessin gibt sich die Ehre, die Remptendorfer Blasmusikanten spielen auf. Endlich ist wieder was los. Die Stadtverwaltung hat das Konzert organisiert; beim Gesundheitsamt des Saale-Orla-Kreises zuvor ein Hygienekonzept vorgelegt. Demnach dürfen 14 Tische aufgestellt werden mit jeweils vier Stühlen.

Innenstadt von Bad Lobenstein
Die Innestadt von Bad Lobenstein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Montag sind bei Facebook mehrere Fotos der Veranstaltung zu sehen. Sie zeigen gut gelaunte Besucher an vollen Tischen. Gleich auf dem ersten Foto sieht man auch Thomas Weigelt. Der Bürgermeister von Bad Lobenstein gibt sich volksnah, sitzt mit weiteren fünf Leuten an einem erlaubten Vierertisch. MDR THÜRINGEN fragt beim Landratsamt des Saale-Orla-Kreises nach.

Der Leiter des zuständigen Fachdienstes Gesundheit, Dr. Torsten Bossert, ermahnt die Stadtverwaltung: "Beim gestrigen Konzert vor der Ardesia-Therme wurde Ihr Infektionsschutzkonzept nicht eingehalten". Zudem kündigt er Kontrollen an. Ein Bußgeld wurde aber nicht verhängt. Um einen Verstoß gegen die gesetzlichen Vorschriften der Corona-Verordnung handelt es sich nach Auffassung des Landratsamtes nicht, da das Konzert unter freiem Himmel veranstaltet wurde.

Landkreis ist Corona-frei

Am Montagmittag teilte das Landratsamt mit, dass der Saale-Orla-Kreis mit dem Beginn der neuen Woche wieder Corona-frei ist. Die letzte Neuinfektion liegt über 14 Tage zurück. Insgesamt gab es nach der Zählung des Landratsamts seit dem 2. März 152 bestätigte Covid-19-Infektionen im Saale-Orla-Kreis. Zwölf Personen aus dem Landkreis sind an oder mit dem Virus gestorben.

Bürgermeister nach Skiurlaub nicht in Quarantäne

Der Bad Lobensteiner Bürgermeister war schon einmal wegen der Corona-Beschränkungen in die Kritik geraten. Er war im März in den Skiurlaub nach Tirol gefahren, obwohl ihm seine Mitarbeiter dringend davon abgeraten hatten. Am Tag nach der Rückkehr aus Tirol (am 16. März) hatte sich Thomas Weigelt nicht sofort in häusliche Quarantäne begeben. Einen Tag zuvor (15. März) sei das Urlaubsgebiet aber zum Corona-Risikogebiet erklärt worden.

Mit seinem Verhalten habe der Bürgermeister in Kauf genommen, dass zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung zwei Wochen lang nicht arbeitsfähig gewesen seien, weil auch sie in häusliche Quarantäne geschickt werden mussten. Der Stadtrat von Bad Lobenstein forderte deshalb einstimmig rechtliche Konsequenzen. Ein Disziplinarverfahren wurde von der Rechtsaufssichtsbehörde aber nicht eingeleitet.

Lobensteins Bürgermeister reagiert

Lobensteins Bürgermeister Thomas Weigelt sagte MDR THÜRINGEN, er verstehe die Ermahnung durch das Landratsamt nicht. Für das Konzert habe es ein Hygienekonzept gegeben: Abstandsregeln, Maskenpflicht und Händewaschen. Dies sei alles eingehalten worden. Mit dem Konzert sollte für die Therme geworben werden. Er sei froh, dass die Leute gekommen seien. Durch die Ermahnung habe sich der positive Ansatz ins Gegenteil verkehrt.

Die Fotos vom Konzert wurden auf der Lobensteiner Facebook-Seite inzwischen alle gelöscht.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Juli 2020 | 16:00 Uhr

4 Kommentare

Grooveman vor 4 Wochen

Oh Gott, ich muss mich korrigieren, es sind aktuell noch 65 aktiv Infizierte in Thüringen. Im SOK, in Saalfeld/Rudolstadt, im SHK NULL, und das seit vielen wochen, bzw. Schwankungen zwischen null und einem Infizierten.
Jens Spahn sprach von der Angst vor der zweiten Corona Welle. Frauke Petri stellte heute in einem Beitrag auf Facebook sehr treffend fest, in den allermeisten Regionen Ost u. Norddeutschlands hat es nicht einmal eine Erste Welle gegeben. Dem möchte ich nichts weiter hinzufügen!

Grooveman vor 4 Wochen

Wenn ich ehrlich bin, kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich glaube unsere, meine Region hat andere Probleme, als ob an einem Tisch nun vier oder fünf Leute sassen. Gerade ein BAD Lobenstein könnte etwas mehr Flair, mehr Kultur, mehr LEBEN vertragen, daß die Stadt einem Kurort wirklich gerecht wird.
Ich frage mich zudem immer noch, wo die von Herrn Ramelow versprochene stärkere Regionalisierung der Maßnahmen gegen Corona bleibt? Generell möchte ich wirklich von der Politik gern wissen, bei ca. 80 namentlich bekannten aktiven Infizierten Personen in Thüringen, wo die Perspektive ist, wo soll es mal hingehen, wann dürfen wir wieder zu unserem normalen gewohnten Leben zukehren? In Anbetracht dessen, daß es vielleicht nie einen Impfstoff geben wird, nie wieder, oder wie soll das werden ???
Was die Sache mit dem Urlaub des Bürgermeisters in einem Hoch- Pandemie- Hotspot betrifft, gebe ich meinem Vorredner Tim K. allerdings recht. Das war schon mehr als einfach nur dumm.

Ralf T. vor 4 Wochen

Allem Anschein nach hat sich das der Herr Bossert wohl nicht ausgedacht.

Und genau das ist sein Job... Darauf zu achten, das die Hygieneregeln eingehalten werden.

Wenn ein Bürgermeister, trotz Bedenken seiner Mitarbeiter, in ein Pandemie-Gebiet in den Urlaub fährt, fragt man sich allerdings auch, was da bei ihm so los ist.



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