Blauer Lkw der Marke DAF fährt bei Schneetreiben durch Gefell im Saale-Orla-Kreis
Einer der rund 1.300 Lkw, die täglich durch Gefell fahren. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Durchfahr- und Nachtfahrverbot gefordert Bürgerinitiative will Schwerverkehr in Gefell eindämmen

Rund 1.300 Lkw rollen im Schnitt pro Tag durch die kleine Stadt Gefell im Saale-Orla-Kreis. Das ist das Ergebnis einer Studie des Straßenbauamtes Ostthüringen. Um sich dagegen zu wehren, haben die Menschen in Gefell eine Bürgerinitiative gegründet. Ihre Hauptforderung haben die Anwohner am Montagabend auf einer Bürgerversammlung bestärkt: Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht sollen nicht mehr durch den Ort fahren dürfen.

von Stefanie Reinhardt

Blauer Lkw der Marke DAF fährt bei Schneetreiben durch Gefell im Saale-Orla-Kreis
Einer der rund 1.300 Lkw, die täglich durch Gefell fahren. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Sie rollen Tag und Nacht und kommen aus allen vier Himmelsrichtungen: von der Autobahn A9, Abfahrt Bad Lobenstein im Westen, über die Landesstraße L 3002 im Norden, vom sächsischen Plauen im Osten und Töpen in Bayern im Süden. Viele Lkw-Fahrer kürzen ab über Gefell, anstelle über die Autobahnen A9 und A72 zu fahren.

Viele Anwohner entlang der Durchfahrtsstraße in Gefell halten das kaum noch aus. Eine Frau, die an der Hauptstraße wohnt, sagt. "Uns stört die Lautstärke, der Dreck, nachts ist keine Ruhe, um drei Uhr geht es los, bis abends um 10 Uhr, Einer nach dem Anderen." Ein anderer Anwohner erzählt: "Ich wohne einen Meter neben der B2. Auch Schallschutzfenster helfen nicht gegen den Lärm." Der Verkehr durch Gefell sei in den vergangenen zehn Jahren extrem angestiegen.

Mit Beginn der Mautpflicht im Sommer 2018 sei die Zahl der Lkw noch gestiegen. Das zeige auch eine Verkehrsanalyse, die die Geovista GmbH aus Bayreuth im Jahr 2018 im Auftrag des Straßenverkehrsamtes Ostthüringen gemacht hat. Das Ergebnis: Im Vergleich zum Jahr 2015 fahren 54 Prozent mehr Fahrzeuge durch Gefell - gezählt wurden rund 5.400 Fahrzeuge am Tag, rund 1.300 davon waren Lkw.

Eine erste Reaktion darauf war ein Tempolimit von 30 Kilometer pro Stunde im Stadtkern, das im November in Kraft trat, sagt Bernd Hessel, einer der Mitbegründer der "Bürgerinitiative für eine sichere und lebenswerte Stadt Gefell". Doch das reiche nicht aus. "Die Gefahren sind noch da", sagt Hessel. "Und der Schwerlastverkehr hat deswegen nicht nachgelassen."

Schmale Gehwege und keine Überwege

Tempo 30 fordern die Bürger deshalb auch an den Ortseinfahrten. Aber um sich sicher zu fühlen, brauchen sie noch mehr, sagt Thomas Fischer, Mitbegründer der Bürgerinitiative. "Es gibt zum Beispiel keine Fußgängerüberwege im Ort. Kinder und ältere Menschen tun sich schwer, über die Straße zu kommen." Das Hauptproblem sei die Gefahr, die für Fußgänger von den Lkw ausgehe. Denn die Straße sei an vielen Stellen so schmal, dass die Lkw auf die Fußwege ausweichen müssten. Und die Gehwege seien häufig sehr schmal. Die Bürgerinitiative fordert deshalb das Fahrverbot für Lkw, die mehr als 7,5 Tonnen wiegen.

Der Bürgermeister von Gefell, Marcel Zapf (VUB) unterstützt das, allerdings nicht grenzenlos: "Wir müssen darauf achten, wo die Sperrung gemacht wird, denn wir wollen der hiesigen Wirtschaft so wenig wie möglich schaden", sagt Zapf. Das weitere Vorgehen sei Gemeinschaftsaufgabe von Straßenbauamt, Landkreis und Landesregierung. Bis zum Mai will Zapf gemeinsam mit den Behörden ein Konzept für ein Lkw-Durchfahrtsverbot erstellen. 

Idee der Ortsgehung soll wiederbelebt werden

Die Bürgerinitiative von Gefell hofft, im April vom Petitionsausschuss des Thüringer Landtags angehört zu werden. Sie hat mit den Bürgern noch weitere Ideen gesammelt, wie der Lkw-Verkehr auf den Straßen im Ort verringert werden kann. Dazu gehören, die Landesstraße 3002 mautpflichtig zu machen und die Pläne für eine Umgehungsstraße aus den 1990er-Jahren wieder hervorzuholen. Auch über Möglichkeiten, wie der Lkw-Verkehr in der Region auf die Schiene verlagert werden kann, würden Ideen gesammelt, so Norbert Briese von der Bürgerinitiative.

Briese fordert zudem, den Blick über die Landkreisgrenzen, um den Verkehr zu verringern. "Wir fordern die Landräte des Saale-Orla-Kreises, des Vogtlandkreises und des Landkreises Hof dazu auf, Gespräche zu beginnen", sagt Briese. Die drei Landräte sollen nun einen Katalog mit den Forderungen der Bürgerinitiative erhalten.

(Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass die Bürgerinitiative erst am Montagabend gegründet wurde. Die BI ist aber schon einige Monate aktiv.)

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 11. März 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 10:00 Uhr

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7 Kommentare

12.03.2019 21:16 martin 7

@5 paul: Den Hinweis auf die Brücke finde ich sehr berechtigt ....

12.03.2019 20:42 martin 6

@1 klaus: Das blöde an der LKW-Maut ist meiner Meinung nach eigentlich, dass sie zu niedrig ist. Sie sollte deutlich höher sein. Damit würde ein Teil auf die Schiene und auf das Wasser verlagert und das zusätzliche Geld könnte dann bspw. für Umgehungsstraßen und Neugestaltung der Ortsdurchfahrten eingesetzt werden.

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