Saale-Orla-Kreis Erster Coronavirus-Fall in Thüringen - Ministerium rät zu Hygienemaßnahmen

Nach und nach meldeten weitere Bundesländer ihre ersten Corona-Fälle, doch um Thüringen machte die Erkrankung bislang einen Bogen. Nun ist das Coronavirus auch im Freistaat angekommen. Das Gesundheitsheitsministerium rät zu bestimmten Vorsichtsmaßnahmen.

Modell des Corona-Virus
Das Corona-Virus: In Thüringen gibt es den ersten Corona-Fall. Bildrechte: imago images/Science Photo Library

In Thüringen gibt es den ersten Coronavirus-Fall. Wie das Landratsamt Saale-Orla-Kreis am Montagabend mitteilte, ist ein 57-Jähriger aus dem Orlatal erkrankt. Er wird im Krankenhaus in Saalfeld behandelt.

Coronavirus in Thüringen angekommen - Krisenstab

Das Landratsamt habe einen Krisenstab einberufen, hieß es. "Das Gesundheitsamt ermittelt zurzeit intensiv alle möglichen Kontaktpersonen des Infizierten", sagte eine Sprecherin des Landkreises. Der Patient werde klinisch behandelt. Ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums in Erfurt bestätigte am Abend den Fall. Der 57-Jährige sei mit einer Skigruppe in Italien gewesen. Genauere Angaben zum Gesundheitszustand des Mannes und seiner Begleiter gab es zunächst nicht.

Hygiene gegen Corona und Grippe

"Es war in den letzten Tagen zu erwarten, dass Covid-19 keinen Bogen um Thüringen machen wird", sagte die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Ines Feierabend. Sie rief die Bevölkerung dazu auf, "einer Ausbreitung von Covid-19 aber auch der Grippe durch grundlegende Hygienemaßnahmen vorzubeugen". Wichtig sei:

  • häufiges und gründliches Händewaschen mit warmem Wasser und Seife
  • Husten und Niesen nur ins Taschentuch oder in die Ellenbeuge
  • Verwendung von Einmaltaschentüchern

Bei Verdacht: Nicht direkt zum Arzt gehen

Bei einem konkreten Infektionsverdacht sollten sich die Thüringer über den Arztruf der Kassenärztlichen Vereinigung melden oder den Hausarzt anrufen. Wichtig sei es, keine Arztpraxis oder Notaufnahme aufsuchen, dadurch könnten im Zweifel andere Patientinnen und Patienten angesteckt werden. Wer mit Personen, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde, Kontakt hatte, sollte sich unmittelbar an das zuständige Gesundheitsamt in seinem Landkreis oder seiner kreisfreien Stadt wenden.

Corona-Hotlines
Arztruf der Kassenärztlichen Vereinigung 116 117
Landesamt für Verbraucherschutz 0361 - 573 815 099
Hotline der Stadt Weimar 03643 - 762 555
Hotline der Stadt Erfurt 0361 - 655 26 76 62

Corona-Sterblichkeit höher als bei Grippe

Bei den in Deutschland bekannt gewordenen Fällen äußerte sich die Erkrankung durch Erkältungssymptome. Die Erkrankten hatten Husten, Schnupfen, Halskratzen, Frösteln und Fieber, einige auch Durchfall oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Infizierten, weit mehr als bei der Grippe.

Corona-Fälle in fast allen Bundesländern

Zu Wochenbeginn waren auch erste Corona-Fälle aus Sachsen und Brandenburg gemeldet worden. Damit waren bis Montagabend in Deutschland lediglich aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern keine solcher Viruserkrankungen bekannt. Am Nachmittag hatte das Robert-Koch-Institut von bundesweit 157 bestätigten Corona-Infektionen gesprochen. Die meisten Fälle gibt es weiterhin in Nordrhein-Westfalen, wo 90 Erkrankte bekannt sind.

Wann spricht man von einem Corona-Verdachtsfall - und wann nicht? Für einen begründeten Verdachtsfall müssen laut Robert-Koch-Institut zwei Bedingungen erfüllt sein.

1.) Der Patient weist Krankheitssymptome auf.
2.) Der Patient war vor kurzem in einem Risikogebiet oder hatte Kontakt mit einer nachweislich erkrankten Person.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,nis,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. März 2020 | 21:00 Uhr

4 Kommentare

Knallerbse vor 32 Wochen

Und wenn ich nun was hätte. Was nun? Kämen alle Familienmitglieder in Sippenhaft. Wie und woher bekommt man Lebensmittel. Prepper lächeln bestimmt darüber.

Critica vor 33 Wochen

Nun ist also Frau Corona auch in Thüringen angekommen. Das ist schlimm und muss beachtet werden.
Ich gehe aber davon aus, dass sich nun viele melden, die vemeintlich Kontakt zu Infizierten hatten, um auf diese Weise zwei bis drei Wochen bezahlte Freizeit zu bekommen. Auch das wird es geben - und auf die Statistik Einfluss haben. Natürlich auch auf die Panik der Menschen.
Also, schaut genau...

Gandalf vor 33 Wochen

Der Virus wird sich mit hoher Sicherheit auch in Thüringen weiter verbreiten.
Beim MDR oder auf den Internetseiten des Robert-Koch-Institutes gibt es eine Menge hilfreiche Hinweise. Das halte ich aber nicht für ausreichend.
Ich weiß nicht, ob das in Thüringen schon gemacht wird. Sind in den Schulen, Kindergärten oder anderen öffentlichen Einrichtungen entsprechende Verhaltenshinweise angebracht? Wird über das jetzt notwendige soziale Verhalten gesprochen und dies auch praktiziert?

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