Thüringer Feuerwehrverband Freiwillige Feuerwehren: Jugendliche dürfen nicht mehr mit zum Einsatz

Bislang durften Jugendliche mit Feuerwehrausbildung bei manchen Einsätzen mit anpacken - und etwa die Ölspur von der Straße fegen. Damit ist es nun vorbei. Der Grund: Neue Regeln der Feuerwehr-Unfallkasse Mitte.

Ein Feuerwehrauto mit Martinshörnern und eingeschaltetem Blaulicht
Mit zum Einsatz dürfen künftig nur Erwachsene. Bildrechte: MDR/André Plaul

Freiwillige Feuerwehren in Thüringen dürfen Jugendliche endgültig nicht mehr zu Einsätzen mitnehmen. Darauf haben sich der Thüringer Feuerwehrverband und das Thüringer Innenministerium verständigt. Das Einsatzverbot gilt nun auch außerhalb des sogenannten Gefahrenbereichs.

Somit dürfen etwa 17-Jährige mit Feuerwehrausbildung nicht mehr die Ölspur von der Straße fegen oder den Wasserschlauch halten. Grund dafür sind neue Regeln der Feuerwehr Unfallkasse Mitte zum besseren Schutz vor Unfällen und Traumata.

Verband folgt Auffassung der Unfallkasse

Die Jugendfeuerwehr in Harra im Saale-Orla-Kreis hatte sich dagegen gewehrt. Denn Paragraf 13 des Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetzes ließ zu, dass sie Jugendliche aktiv einsetzen dürfen - außerhalb des Gefahrenbereichs und unter Aufsicht eines erfahrenen Betreuers.

Außerdem, so argumentierte man in Harra, werden die ausgebildeten Jugendlichen durch die Einsätze motiviert, bei der Feuerwehr weiterzumachen.

Nach einer Diskussion im Landtag Ende Januar haben sich das Thüringer Innenministerium und der Thüringer Feuerwehrverband nun verständigt, die Auffassung der Unfallkasse zu übernehmen - ohne das Landesgesetz zu ändern. Das wäre aber noch möglich, so ein Ministeriumssprecher, wenn die Feuerwehren das wollen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Februar 2020 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2020, 08:59 Uhr

24 Kommentare

wolfhase vor 7 Wochen

Ich mache seit 1973 Feuerwehr, bei mir gab es da noch die "Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer". Ich bin mit knapp 16 Jahren in die Einsatzabteilung übernommen worden, und ich war stolz drauf.
Wir haben lange geredet um das Eintrittsalter für die Jugendfeuerwehr zu senken. Wenn jetzt ein Kind mit 8 Jahren in die Jugendfeuerwehr eintritt, und dort mit Spass und Spiel ausgebildet wird, hat es mit 16 Jahren so viel Wissen und "Erfahrung" um an Einsätzen an geeigneter Stelle eingesetzt zu werden. Da will mann sich ja auch beweisen. Ich war mit 17 bei meiner ersten Leichenbergung dabei, und lebe noch. Wer so etwas nicht kann, kann das auch mit 18 oder 40 nicht. Ein 4 jähriges Kind als Fussballer wartet auch nicht bis es mit 18 auf den Platz darf.
Wenn ein Kind mit 4 Jahren lernt Fußball zu spielen, muss es auch nicht bis 18 warten um auf den Fussballplatz zu dürfen, und wenn ein Kind mit 4 Jahren Skispringer werden will? Es geht nur darum, wer bezahlt wenn was passsiert.

roschoen vor 7 Wochen

Auch zu dem Fakt Bundeswehr der hier rumwuselt.

Im Einsatz dürfen Führungskräfte auch zivile Bürger im Rahmen ihrer individuellen Verfassung verpflichten, den Einsatz zu unterstützen, sofern es Not tut.

Ebenso kann eine Gemeinde eine Pflichtfeuerwehr gründen, wenn die Freiwillige Feuerwehr nicht mehr leistungsfähig ist.

In beiden Fällen muss man dann mindestens 18 Jahre alt sein, ansonsten funktioniert es nicht.

Seht daher die bisherige Einbindung der u18-Jährigen in den Einsatzdienst als eine Art Entgegenkommen des Gesetzgebers.

roschoen vor 7 Wochen

Sicherlich könnten sie das. Aber mal ganz ehrlich gesprochen. Ich kenne kaum eine Institution, welche so konservativ und traditionell verankert ist, wie die Institution Feuerwehr. Der Apparat tut sich doch schon selbst schwer damit, etwas intern (bspw. Gesetze, Dienstvorschriften, zentrale Ausbildungsunterlagen) zu ändern. Das dauert alles Ewigkeiten. Die Kameraden sind doch in ihren Köpfen meist nicht anders eingestellt. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr sie begeistert aufnehmen würdet. Alles hat zwei Seiten.

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