vom Borkenkäfer befallene Fichten mit brauner bröckelnder Rinde auf dem Berg Bieleboh
Die Situation der Wälder ist nach wie vor dramatisch. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Forstwirtschaft Waldbauern fordern Fridays for Forest

Thüringer Waldbesitzer wollen Schüler und Klima-Aktivisten zum Bäume pflanzen gewinnen. Der Geschäftsführer der Waldbesitzer Service GmbH in Remptendorf im Saale-Orla-Kreis, Dirk Meisgeier, hat seine Idee MDR THÜRINGEN vorgestellt: Innerhalb des Biologieunterrichts könnten Schüler freitags beim Aufforsten mithelfen.

von Stefanie Reinhardt

vom Borkenkäfer befallene Fichten mit brauner bröckelnder Rinde auf dem Berg Bieleboh
Die Situation der Wälder ist nach wie vor dramatisch. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Fridays for Forest statt Fridays for Future - freitags in den Wald statt auf die Straße. Diese Idee versteht Forstwirt Dirk Meisgeier als gesellschaftliche Aufgabe für die kommenden Generationen. Er schlägt deshalb vor: "Schüler sollten freitags nicht auf die Marktplätze gehen, sondern in den Wald." Unter Anleitung von Lehrern und Förstern könnten sie Bäume neu pflanzen, Flächen begrünen und als Patenflächen weiter betreuen.

Großes Problem: Der Borkenkäfer

Hilfreich könnte das an vielen Stellen in den Wäldern Thüringens sein, sagt Meisgeier. Denn seit Anfang August sei die Situation durch die lange Trockenheit und den Borkenkäferbefall in vielen Waldgebieten noch dramatischer geworden.

"Der Regen, der fällt, kommt meistens nicht am Boden an, sondern bleibt in den Ästen hängen", sagt Meisgeier. In den vergangenen Wochen konnte sich der Borkenkäfer deshalb weiter ausbreiten. In Ostthüringen gebe es viele Beispiele dafür, sagt Meisgeier, der Chef einer Genossenschaft mit rund 5.000 Waldbesitzern in Ostthüringen ist. Stark betroffen sei auch ein etwa 2.000 Hektar großes Waldgebiet an der Bleilochtalsperre. An dem Hang mit Blick auf den Stausee mussten in den vergangenen Monaten viele Kiefern gefällt werden, erzählt Meisgeier. "Fallen für Borkenkäfer stellen wir hier nicht mehr auf, denn die locken die Käfer nur zusätzlich an", sagt er.

Schüler aus der Region pflanzen Bäume

Die Idee, dass Schüler freitags innerhalb des Schulunterrichts im Wald beim Aufforsten mithelfen, kommt bei Fridays-for-Future-Aktivisten in der Region gut an. So würde zum Beispiel die Save Nature Group aus Leutenberg, die bei den Klimademonstrationen in Saalfeld mitmacht, mit Schülern im Wald Bäume pflanzen. Das Fachwissen dafür bringen die Umweltschützer mit: Seit einigen Jahren pflanzen sie im Herbst mit Schülern alte Apfelsorten auf Wiesen an.

Nur kleine Zeitfenster zum Bäumepflanzen

Die Landesforstanstalt Thüringenforst unterstützt jede Initiative, um Waldstücke aufzuforsten, sagt Pressesprecher Horst Sproßmann. Allerdings gibt es bei den Förstern derzeit eigene Überlegungen, wie freiwillige Helfer mit aufforsten können. "Wie das im Herbst aussehen kann, wird zurzeit im Vorstand überlegt", sagt Sproßmann. Für das Pflanzen der Bäume gibt es nur zwei kleine Zeitfenster im Jahr: wenige Wochen im April und von Oktober bis November.

Die Helfer müssten außerdem wissen, wie sie Bäume richtig pflanzen, ohne die Wurzeln zu schädigen. Das könnte mithilfe von Broschüren oder Flyern passieren, sagt Sproßmann. Eine große Pflanzaktion wie die Idee des Einheitsbuddelns zum Tag der deutschen Einheit sei grundsätzlich in Thüringer Wäldern möglich.

Dass solche Aktionen erfolgreich sein können, zeige die Erfahrung, so Sproßmann. Zum Beispiel am Lindenberg in Ilmenau nach dem Sturm Kyrill. Dort hatten Einwohner mitgeholfen, den Wald neu zu bepflanzen. Ob die Setzlinge bei solch einer Aktion in diesem Herbst eine Chance haben, hänge vom Wetter ab. "Je nasser und kühler der Oktober, desto höher die Überlebenschancen."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 19:26 Uhr

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65 Kommentare

18.08.2019 22:29 Christoph 65

Keine Frage, es ist höchste Zeit für einen nachhaltigen Umbau der thüringischen Wälder ö. Aber erst wurden über Jahrzehnte Monokulturen mit Ausrichtung auf maximalen Ertrag/Gewinn angepflanzt und nun sollen Freiwillige -ganz gleich ob Schüler oder andere- einem Wirtschaftsunternehmen kostenfrei dabei helfen diese Fehler auszumerzen?! Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!

18.08.2019 16:58 Herr Schmidt 64

Komisch. Da meint ein gewinnorientiertes Unternehmen, jungen Menschen, die für ihre Zukunft demonstrieren, sagen zu müssen, wo und wie sie das tun sollen. Mal sehen, ob VW auf die Idee kommt, den Physik-, Sachkunde-, oder Werkunterricht in die Fabrikhallen nach Wolfsburg zu verlegen, um dort alte mit Diesel betriebene Pkw nachzurüsten. Werter Herr Meisgeier, haben Sie für die Fridays for Future – Bewegung Partei ergriffen, als die Schülerinnen und Schüler „nur“ unproduktiv streikten? Und was tun die Waldbesitzer selbst? Auf Ihrer Webseite steht nichts. Kein Aufruf an die Waldbesitzer, kein Aufruf an die (erwachsenen) Bewohner Ihrer Region. Wie wäre es, wenn Sie für jede streikenden Schülerin oder jeden streikenden Schüler aus Ihrer Region einen Baum zu pflanzen? Wie wäre es, wenn Sie für jede streikende Schülerin und jeden streikenden Schüler eine Spende von fünf Euro einwerben und damit Bäume pflanzen? Wie wäre es, wenn Sie andere Unternehmer Ihrer Region gewännen, mitzumachen?

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