Prozess um tödlichen Nachbarschaftsstreit in Pößneck Rentner muss für Mord an Nachbarn zehn Jahre ins Gefängnis

Zehn Jahre muss ein 78-Jähriger aus Pößneck ins Gefängnis. Wegen Mordes, sagte die Richter der Geraer Schwurgerichtskammer. Es gebe keine Zweifel, dass der Angeklagte einen schlafenden Nachbarn erstochen hat.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
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von Cornelia Hartmann

Es müsse ganz klar sein, wer hier Opfer und wer hier Täter sei, sagte der Vorsitzende Richter zu Beginn der Urteilsbegründung. Und Täter sei hier, ganz klar, der Angeklagte. Seine Tat trage Züge von Selbstjustiz.

Das spätere Opfer, ein 67-Jähriger, hatte durch sein Verhalten für Ärger unter den Nachbarn gesorgt. Die hatten sich an die Hausverwaltung gewandt - dem 67-Jährigen wurde die Wohnung gekündigt.

Angeklagter im Mordprozess wird in Gerichtssaal geführt
Der Angeklagte wird von Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Silvesternacht brannte die Gartenlaube des Angeklagten ab. Der vermutete, dass der 67-Jährige das Feuer gelegt hatte. Die Polizei sicherte Spuren, deren Auswertung dauerte. Darüber, so die Richter, ärgerte sich der Angeklagte. In der Nacht des 24. Februar wollte er seinen Nachbarn zur Rede stellen. Schreiend und mit einem Messer in der Hand betrat er die Wohnung des 67-Jährigen. Der schlief. In diesem Moment, sei der alkoholisierte Angeklagte von Wut und Zorn übermannt worden und habe zugestochen, hieß es im Urteil. Der Stich traf Herz und Leber. Das Opfer war sofort tot.

Der Angeklagte selbst rief die Rettung, sagte allerdings in diesem Telefonat auch, dass der Mann es verdient habe zu sterben.

"Das Recht in die eigene Hand genommen"

"Sie haben in dieser Nacht das Recht in die eigene Hand genommen", sagte der Vorsitzende zum Angeklagten. Der Staatsanwalt hatte im Vorgehen des Angeklagten das Mordmerkmal der niederen Beweggründe gesehen. Dem folgten die Richter nicht. Das Mordmerkmal der Heimtücke indes sei gegeben. Der Angeklagte habe das Opfer im Schlaf überrascht.

Der 78-Jährige hatte die Tat als eine Art Unfall dargestellt, der 67-Jährige sei erwacht, habe ihn getreten, dabei sei er gestürzt - und bei diesem Sturz sei er mit dem Messer auf das spätere Opfer gefallen. Eine Schutzbehauptung, sagten dazu die Richter. Eine Gutachterin hatte dem Angeklagten eine Anpassungsstörung attestiert, der Mann hätte schwer unter dem Verlust seiner Laube gelitten. Zudem sei er in der Tatnacht deutlich alkoholisiert gewesen - laut Gutachten hatte er deutlich mehr als zwei Promille im Blut. Diese beiden Faktoren zusammen führten zu einer verminderten Schuldfähigkeit, die den 78-Jährigen vor einer lebenslangen Freiheitsstrafe bewahrte.

Freunde, Nachbarn und Bekannte baten um milde Strafe

Der Teufel Alkohol bringe manchmal die dunkelsten Seiten eines Menschen hervor, sagte der Vorsitzende Richter. Trotz seines Zustandes habe der Angeklagte erkannt, dass sein Vorgehen gefährlich war. Noch vor Prozessbeginn war bei Gericht ein Brief eingegangen, der fast einhundert Unterschriften trug. Freunde, Bekannte und Nachbarn des Angeklagten baten darin um eine milde Strafe für den 78-Jährigen.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer gesagt, der Angeklagte habe sich zwar entschuldigt, aber keine Reue gezeigt. Er fühle sich noch immer unschuldig. In der Haftpost bedauere er, dass er seinen und den Lebensabend seiner Frau zerstört habe. Die Anwältin der Angehörigen schloss sich den Worten des Staatsanwalts an. Die Verteidiger hielten die Aussage ihres Mandanten, es habe einen Kampf gegeben, für glaubhaft und beantragten eine fünfjährige Haftstrafe wegen Totschlags. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 20:06 Uhr

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