Das gemauerte Portal der mittelalterlichen Burg Ranis.
Trutzige Mauern, aber schwankender finanzieller Untergrund Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Stadträte diskutieren auch Schließung Burg Ranis wird Stadt zu teuer

Das Museum auf Burg Ranis im Saale-Orla-Kreis ist in dieser Woche in die Sommersaison gestartet. Trotzdem ist die Zukunft des teilweise neu gestalteten Museums ungewiss. Denn für die 1700-Einwohner-Stadt Ranis am Fuße der Burg ist der Betrieb zu teuer. Nun steckt die Stadt erneut in der Haushaltskonsolidierung und der Stadtrat diskutiert darüber, das Museum zu schließen. Bürgermeister Andreas Gliesing setzt sich trotzdem für den Fortbestand des Museums ein.

von Stefanie Reinhardt

Das gemauerte Portal der mittelalterlichen Burg Ranis.
Trutzige Mauern, aber schwankender finanzieller Untergrund Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Wenn Andreas Gliesing von der kleinen Stadt Ranis zur Burg hochschaut, sagt er, hat er immer ein gutes Gefühl. "Die Stadt Ranis ist ohne die Burg nicht zu denken." Gliesing (Christliche Mitte/Gewerbeverein), der seit 1992 Bürgermeister ist, weiß aber auch, dass die Burg für die Kommune eine große Herausforderung ist. "Vor allem finanzieller Art."

An die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zahle die Stadt eine Kulturmiete in Höhe von 12.000 Euro pro Jahr. Dazu kommen die Löhne für vier Museumsmitarbeiter, sagt Gliesing, und die Nebenkosten. Die Einnahmen aus dem Museum hätten zuletzt bei etwa 20.000 Euro durch Eintrittsgebühren und 10.000 Euro aus dem Museumsshop gelegen. Ohne finanzielle Hilfe könnte die Stadt das Museum nicht betreiben. Bereits seit fünf Jahren erhält die Stadt deshalb vom Land eine Überbrückungshilfe für den Stadthaushalt und den Museumsbetrieb. "Der Freistaat unterstützt uns pro Jahr mit 50.000 Euro", sagt Gliesing.

Museumsbetrieb soll keine "freiwillige Leistung" mehr sein

Trotz der finanziellen Hilfe kommt Ranis seit 2013 nicht aus dem Haushaltsdefizit raus. "Die Stadt hat aufgrund ihrer geringen Größe kaum Möglichkeiten, Überschüsse zu erwirtschaften", sagt Gliesing. "Ein Museumsbetrieb wie man ihn heute erwartet, kann durch die Stadt allein nicht geschultert werden." Da sich der Haushalt für 2019 nun in der Konsolidierungsphase befindet, darf die Stadt eigentlich keine Gelder für sogenannte "freiwillige Leistungen" ausgeben, sagt Gliesing. Darunter würde auch der Betrieb des Museums fallen. Die Stadträte hatten deshalb seit Ende 2018 darüber diskutiert, das Museum zu schließen.

Die mittelalterliche Burg Ranis auf einem Höhenzug oberhalb der ländlich gelegenen Stadt Ranis in Ostthüringen.
Stadt hofft, die Schließung doch noch abwenden zu können Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Der Bürgermeister will das aber abwenden. "Die Verantwortung für das Objekt und damit für die Kulturgüter, das ist uns seit 1990 zugewachsen. Daran wollen wir festhalten, haben uns das aber auch nicht ausgesucht", sagt Gliesing. Nach Gesprächen im Innenministerium in Erfurt und mit der Rechtsaufsichtsbehörde in Schleiz habe er positive Signale dafür erhalten, dass der Betrieb des Museums nicht mehr als "freiwillige Leistung" zum Haushalt von Ranis hinzugerechnet werden müsse. Mit dieser Zusage gehe er davon aus, dass das Thema, das Museum zu schließen, für die nächsten Jahre vom Tisch ist. Am Donnerstag werde er mit den Stadtratsmitgliedern im Hauptausschuss darüber diskutieren. Bis zum 30. Juni werde die Kommune dann ihr Konzept für die Haushaltskonsolidierung bei der Rechtsaufsichtbehörde in Schleiz abgeben.

Eine Zukunft für das Museum auf Burg Ranis sieht Bürgermeister Gliesing in der Kooperation mit Museumsträgern und Kommunen in der Region – so wie das auch in der Museumskonzeption 2021 des Thüringer Kulturministers Hoff vorgesehen sei. "Damit eine kleine Kommune das nicht alleine stemmen muss und auf dem Haushaltsvolumen und dem großem Objekt sitzen bleibt."

Museum auf Burg Ranis Mit der Wende 1990 ist das damalige Kreisheimatmuseum des Kreises Pößneck der Stadt Ranis zugeordnet worden. Die dauerhafte Ausstellung des Museums ist zum Teil bis zu 60 Jahre alt. Ab Oktober 2015 hat die Stadt deshalb ein neues Museumskonzept erstellen lassen. Im März 2018 wurde der erste Bereich der neuen Ausstellung „Geologie des Orlatals“ eröffnet. Im Oktober 2018 folgte dann die Ausstellung „Blick in die Eiszeit“. Auch die Bereiche „Mittelalter“ und „Burggeschichte“ sollen erneuert werden. Die Konzepte für beide Ausstellungen stehen bereits – allerdings ist die Umsetzung gestoppt. Denn dafür müsse von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zuerst die Gebäudesubstanz des Querflügels erneuert werden. Von den neuen Ausstellungsräumen verspricht sich die Stadt steigende Besucherzahlen. Im Jahr 2018 wurden laut Gliesing etwa tausend Besucher mehr als 2017 gezählt: Insgesamt seien rund 12.000 Eintrittskarten verkauft worden. Das Museum hat ab April von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Stiftung saniert Vorburg

Nach Ostern 2018 will die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Vorburg von Burg Ranis teilweise sanieren. Geplant sei laut Stiftung, Dach und Tragwerk zu erneuern. Außerdem werde ein Konzept erarbeitet, wie die Vorburg künftig genutzt werden kann. Ein Teil der Fachwerkkonstruktion des Giebels zur Hofseite sei bereits gesichert worden. Die historische Burgküche und der Verließturm könnten deshalb vorübergehend nicht besichtigt werden, teilt die Stiftung mit. Der Museumsbetrieb sei davon aber unberührt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. April 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 08:30 Uhr

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4 Kommentare

05.04.2019 08:51 Stefan 4

In Rains leben etwa 1700 Menschen und es gibt dort die "Burgfreunde Ranis" und den "Förderkreis Burg Ranis". Bestimmt gibt es also dort Freiwillige, die die Museumsmitarbeiter und das Museum unentgeltlich unterstützen und die für ihre Burg brennen. Wenn alle Akteure mit Stadt und Land zusammen arbeiten findet sich bestimmt (schneller) eine Lösung.

04.04.2019 18:14 Agnostiker 3

Die Bundesrepublik in Deutschland - das weltweit einzige Land das Geld hat und kein Geld hat.
Vllt. sollte die Kommune einfach die ihr zugewiesene "Quote von Neubuergern" auf die Burg verlegen, um das Fuellhorn von "Bundesmitteln" zum Fliessen zu bringen?

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