Urteil in Gera Nimritz: Gericht kippt Beschäftigungsverbot für Erzieherin

Der Fall wirkte weit über die Grenzen von Nimritz hinaus: In einem Kindergarten sollen zwei Erzieherinnen Kinder angeschrien und bloßgestellt haben. Ein Gericht kippte nun das verhängte Beschäftigungsverbot gegen eine der beiden.

Demo gegen Entlassung von zwei Erzieherinnen in der Kita Nimritz
In Nimritz hatten Eltern, Kinder und Erzieher gegen das Beschäftigungsverbot demonstriert. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Im Rechtsstreit um rabiate Kindergarten-Praktiken in Nimritz (Saale-Orla-Kreis) hat das Geraer Verwaltungsgericht das Beschäftigungsverbot für eine der beiden Erzieherinnen gekippt. Das vom Bildungsministerium auferlegte Umgangsverbot mit Kindern sei in ihrem Fall rechtswidrig gewesen, urteilten die Richter am Freitag. Demnach sah das Gericht es als erwiesen an, dass die "Schwelle zur Kindswohlgefährdung" nicht überschritten wurde.

Die andere Kindergärtnerin erklärte vor der Urteilsverkündung, dass sie ihr Arbeitsverhältnis per Aufhebungsvertrag beendet habe. Sie hatte für sich nach eigenen Worten keine Zukunft mehr im "Zwergenland" in Nimritz gesehen. Nach Ansicht des Gerichts wäre in ihrem Fall das Tätigkeitsverbot eher rechtlich zu halten gewesen. Der Behörde gab das Gericht mit auf den Weg, künftig transparenter zu ermitteln und alle Beteiligten schnellstmöglich zu befragen.

Vorwurf: Angeschrien und bloßgestellt

Das Ministerium hatte den beiden Erzieherinnen den Umgang mit Kindern untersagt, da sie grob mit ihnen umgegangen seien, sie angeschrien und bloßgestellt haben sollen. Die beiden Frauen wiesen die Vorwürfe von sich. Auch die Leiterin des Kindergartens bestätigte die Vorwürfe an der Kita nicht. Zwei ehemalige Erzieherinnen hatten sie im Frühjahr 2019 öffentlich gemacht.

Das Justizzentrum in Gera (Thüringen)
Das Verwaltungsgericht in Gera urteilte am Freitag. Bildrechte: dpa

Viele Eltern bezeichneten die Vorwürfe als überspitzt und solidarisierten sich mit den Erzieherinnen. Sie vermuten als Ursache für die Vorwürfe einen Generationenkonflikt in den Betreuungsstilen. An allen acht Verhandlungstagen hatten zahlreiche Eltern die beiden beschuldigten Kindergärtnerinnen unterstützt.

In einem Eilverfahren im Juli hatte das Verwaltungsgericht Gera den Bescheid des Ministeriums teilweise aufgehoben. Eine der beiden Kindergärtnerinnen durfte so wieder arbeiten.

Quelle: dpa, MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Dezember 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 20:56 Uhr

2 Kommentare

Mario Hana vor 5 Wochen

Na hoffentlich wird jetzt gegen die Verantwortlichen im Ministerium vorgegangen. Auch der zuständige Minister ist untragbar und wäre diese Regierung nicht mittlerweile abgewählt, wäre ein Rücktritt fällig.

CAPITULUM vor 5 Wochen

Wo ist denn jetzt die Reaktion der Behörden. Sollte jetzt nicht ein Beschäftigungsverbot für die beiden Erzieherinnen erfolgen, die mit fragwürdigen Protokollen und rufmord Menschenleben zerstören wollten.
Solche Menschen dürfen weiter mit Kindern arbeiten? Selbst wenn die Vorwürfe sich komplett bestätigt hätten, wie kann ich als Erzieherin wochenlang zuschauen wie mit Kindern so umgegangen wird und anstatt einzuschreiten lieber Protokoll zu führen.
Sollte ein Jugendamt auch nich mal manche Eltern hinterfragen, die sahen und hörten wie mögliche Straftaten bei ihren Kindern begangen wurden, doch anstatt einzuschreiten lieber über Wochen schwiegen.
Welche Eltern würden so etwas machen?
Ich möchte nicht sagen, daß in der Einrichtung gar nichts vorgefallen ist, doch solch schwerwiegende Vorwürfe in den Raum zu stellen und als Erzieher und Eltern nicht sofort zu reagieren ist in meinen Augen klar eine Straftat.
Irgendwas stimmt hier nicht....

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