Bunte Strümpfe einer Kindergartengruppe
Kinder in einem Kindergarten (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Arbeit mit Kindern untersagt Nimritz: Gericht kritisiert Umgang mit Kindergärtnerinnen

Der Vorwurf wiegt schwer: In Nimritz sollen Erzieherinnen Kinder angeschrien, eingeschüchtert und bloßgestellt haben. Nach Beschwerden zog das Bildungsministerium sie aus dem Verkehr. Jetzt landet der Fall vor Gericht.

Bunte Strümpfe einer Kindergartengruppe
Kinder in einem Kindergarten (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

In einem Prozess um die Tätigkeitsuntersagung für zwei Erzieherinnen des Kindergartens "Zwergenland" in Nimritz (Saale-Orla-Kreis) hat das Verwaltungsgericht Gera noch keine Entscheidung gefällt. Der Vorsitzende Richter Siegfried Sobotta kritisierte am Donnerstag während der Verhandlung mehrfach die unzureichenden Ermittlungen des Bildungsministeriums.

So hätte die Behörde nicht gründlich genug ermittelt und die Kindergärtnerinnen anhören müssen, bevor sie ihnen wegen Kindswohlgefährdung die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagte. Die Erzieherinnen seien ohne hinreichende Beweise stigmatisiert worden, sagte Sobotta. Erst am Mittwoch und damit einen Tag vor der mündlichen Hauptverhandlung hatte das Ministerium mit den Erzieherinnen gesprochen.

Gericht will Zeugen hören

Das Gebäude des Justizzentrums in Gera.
Das Justizzentrum Gera mit Verwaltungsgericht. Bildrechte: dpa

Die Vorwürfe waren im Frühjahr durch zwei andere Erzieherinnen bekannt geworden, die mittlerweile nicht mehr im "Zwergenland" arbeiten. In weiteren Terminen im September und Oktober will nun das Gericht selbst Zeugen befragen, darunter auch Eltern. Das Thüringer Bildungsministerium als Aufsichtsbehörde äußert sich aufgrund des laufenden juristischen Verfahrens nicht zu dem Fall.

Die Gemeinde und die beiden Kindergärtnerinnen hatten im Juni Klagen gegen das Bildungsministerium eingereicht. Die Erzieherinnen wehren sich gegen die Anordnung des Ministeriums, wonach ihnen der Umgang mit Kindern verwehrt wird. Den Frauen wird vorgeworfen, ihre Schützlinge grob behandelt, sie angeschrien, eingeschüchtert und bloßgestellt zu haben.

Vorwürfe: Toilettengang verwehrt und in den Bauch gestoßen

Nach den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sowie des Bildungsministeriums sollen die Kindergärtnerinnen ihren Schützlingen unter anderem den Toilettengang während der Mittagspause oder den Nachtisch verwehrt haben. Vorgeworfen wird den beiden auch, dass Kindern die Arme mit den Bodyärmeln hinter dem Rücken festgebunden wurden, während sie auf dem Töpfchen saßen.

Eine Erzieherin soll einem Kind mit dem Knie in den Bauch gestoßen oder ein Kind über die Straße gezerrt haben. Die Rechtsanwältin der Gemeinde sagte vor Gericht, die Fälle seien nur einseitig betrachtet und Aussagen nicht hinterfragt worden.

Viele Eltern unterstützen die zwei Erzieherinnen

Demo gegen Entlassung von zwei Erzieherinnen in der Kita Nimritz
In Nimritz demonstrierten Einwohner für die Erzieherinnen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Die meisten Eltern stehen hinter den Erzieherinnen. So besuchten rund 20 Mütter und Väter den Prozessauftakt. Sie kritisieren die Vorwürfe als überspitzt und sehen einen Generationenkonflikt in den Erziehungsstilen.

In einem ersten Eilverfahren im Juli hatte das Verwaltungsgericht Gera den Bescheid des Ministeriums teilweise aufgehoben. Eine der beiden Kindergärtnerinnen darf seit ein paar Wochen auf Anordnung des Gerichts vorübergehend wieder arbeiten, bis der Prozess endgültig abgeschlossen ist.

Quelle: MDR THÜRINGEN/hey

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. August 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 14:45 Uhr

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9 Kommentare

17.08.2019 00:56 part 9

Vorverurteilung geht gar nicht, wenn auch beim SGB II in der BRD erlaubt. Es muß immer ein Gericht entscheiden ob ein Mißbrauchsfall vorlag oder nicht. In diesen Fall hätte das Bildungsministerium Anzeige erstatten müssen oder alle Betroffenen anhören müssen vor einer eigenen Entscheidungsfindung. Unangepasste Personalschlüssel bei der Betreuung oder fehlende Erzieher können aber auch als ursächlich betrachtet werden, wenn manche kleinen Persönlichkeiten die Integration in normale Tagesabläufe der Gruppe ablehnen und plötzlich Freiräume entdecken, die ihnen die Eltern vorleben. Die Vernachlässigung von Erziehung ist die Klage der IHK später bei den Azubis, die bereits schon heute besteht.

16.08.2019 16:32 martin 8

Ich finde, dass wir Kommentatoren uns in diesem Fall mit Bewertungen zurückhalten sollten. Ich kann mir (in Unkenntnis der konkreten Kita) beide Varianten grundsätzlich gut vorstellen:

Erzieherinnen, die der Meinung sind, dass "ein Klaps noch niemanden geschadet habe" nebst Eltern die ebenfalls dieses Erziehungsmodell für angemessen halten.

Aber auch übersensible Eltern, die der Meinung sind, dass alle Welt / die Erzieherinnen / ... böse zu ihren Goldschätzchen sind.

So ein Vorwurf ist schnell erhoben und schwer zu widerlegen. Einfacher ist die Arbeit in den Kitas mit Sicherheit nicht geworden. Und dass es kaum Männer in dem Beruf gibt, ist für die Entwicklung der Zwerge schade.

Aber wenn man als Erzieher schon beim Wickeln eines Kindes mit dem Vorwurf "sexueller Missbrauch" konfrontiert werden kann oder der "These", dass man den Beruf ja nur aus pädophilen Neigungen heraus gewählt habe, braucht sich doch niemand zu wundern, dass es kaum Erzieher gibt.

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