Das Gebäude des Justizzentrums in Gera.
Das Verwaltungsgericht Gera versucht den Fall zu klären. Bildrechte: dpa

Verwaltungsgericht Gera Nimritz: Beschuldigte Erzieherinnen weisen Vorwürfe zurück

Das Verwaltungsgericht Gera versucht zu klären, ob es richtig war, zwei Erzieherinnen in Nimritz ihre Arbeit zu untersagen. Das Thüringer Bildungsministerium hatte ein Berufsverbot verhängt, weil die Frauen Kindergartenkinder zu hart behandelt haben sollen. Am Dienstag wurden die betroffenen Erzieherinnen als Zeuginnen gehört und haben die Vorwürfe klar zurückgewiesen.

Das Gebäude des Justizzentrums in Gera.
Das Verwaltungsgericht Gera versucht den Fall zu klären. Bildrechte: dpa

Im Prozess um die angeblichen Misshandlungen im Kindergarten "Zwergenland" in Nimritz (Saale-Orla-Kreis) sind am Dienstag die beiden beschuldigten Erzieherinnen als Zeuginnen gehört worden. Sie haben die Vorwürfe vor Gericht klar zurückgewiesen. Sie hätten sich nichts zu Schulden kommen lassen, sagten beide Frauen am zweiten Prozesstag am Verwaltungsgericht Gera. Beide erklärten, dass sie die Kinder nicht wie vorgeworfen mit Kleidung auf dem Töpfchen gefesselt, ihnen das Mittagessen verweigert oder sie hinter sich hergezerrt, geschlagen, getreten oder ihnen den Toilettengang verweigert hätten. Auch die Leiterin der Einrichtung konnte die angeblichen Übergriffe vor Gericht nicht bestätigen.

Gummistiefel für Kinder
Das Bildungsministerium hatte den Erzieherinnen nach den Vorwürfen untersagt, weiter im Kindergarten zu arbeiten (Foto: Archiv). Bildrechte: dpa

Zwei ehemalige Erzieherinnen hatten die Vorwürfe im Frühjahr publik gemacht. Eine von ihnen wurde am Dienstag über drei Stunden vor Gericht befragt. Unklar blieb dabei trotz mehrfacher Nachfragen von Richter und Anwälten, warum die 26-Jährige erst nach sechs Wochen die Behörden eingeschaltet hatte, obwohl ihr nach eigener Aussage insbesondere das Kindeswohl am Herzen liegt.

Den Erzieherinnen wird vorgeworfen, ihre Schützlinge grob behandelt, sie angeschrien, eingeschüchtert und bloßgestellt zu haben. Das Thüringer Bildungsministerium hatte daraufhin den Erzieherinnen den Umgang mit Kindern untersagt. Im Gegenzug reichten die Gemeinde Nimritz und die beschuldigten Kindergärtnerinnen beim Verwaltungsgericht Klage gegen das Bildungsministerium ein. Die meisten Eltern kritisierten die Vorwürfe als überspitzt und stehen größtenteils hinter den beschuldigten Erzieherinnen. Sie vermuten als Ursache für die Vorwürfe einen Generationenkonflikt in den Betreuungsstilen.

Richterschelte gegen Ministerium

In einem Eilverfahren im Juli hob das Verwaltungsgericht Gera den Bescheid des Ministeriums teilweise auf. Eine der beiden Kindergärtnerinnen darf wieder arbeiten, bis ein abschließendes Urteil gefällt ist. Im August begann das Verfahren am Verwaltungsgericht Gera. Zum Prozessauftakt hatte der Vorsitzende Richter das Ministerium mehrfach kritisiert. Die Behörde hätte angesichts der schweren Tatvorwürfe nicht gründlich genug ermittelt und die Kindergärtnerinnen anhören müssen. Die Erzieherinnen seien ohne hinreichende Beweise stigmatisiert worden, sagte Richter Siegfried Sobotta.

Das Ministerium hatte erst einen Tag vor Prozessauftakt mit den betroffenen Erzieherinnen das Gespräch gesucht. Am Dienstag tauchte außerdem ein Protokollfehler in den Unterlagen auf: So hatte das Ministerium die Aussage einer Erzieherin falsch protokolliert und den Fehler trotz des Hinweises durch die Erzieherin nicht in den Unterlagen für das Gericht korrigiert. Aufgrund des laufenden Verfahrens äußert sich das Bildungsminister zu dem Fall nicht.

Staatsanwaltschaft stellt Strafverfahren ein

Am Rande der Verhandlung am Verwaltungsgericht wurde zudem bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Gera beabsichtigt, das Verfahren gegen die Erzieherinnen unter Auflagen einzustellen. Das sagte ein Pressesprecher MDR THÜRINGEN. Details wollte er vorerst nicht bekannt geben. Laut der Anwältin der Gemeinde, Sabine Kraft-Zörcher, ist die Staatsanwaltschaft der Ansicht, dass die Erzieherinnen durch die voreiligen und überzogenen Bescheide des Bildungsministeriums bereits genug bestraft wurden. Kinder wollte die Staatsanwaltschaft nicht befragen, da das bei Zweijährigen nichts bringen würde. Nach Aussagen der Eltern wurde außerdem offensichtlich, dass die Kinder nicht geschädigt wurden. Die Frauen sollen nun jeweils einen niedrigen dreistelligen Betrag für soziale Zwecke zahlen. Wenn das Amtsgericht der Staatsanwaltschaft zustimmt, haben die beiden beschuldigten Kindergärtnerinnen keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten.

Quelle: MDR THÜRINGEN, mis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 17. September 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 05:00 Uhr

6 Kommentare

Lucas vor 4 Wochen

siehe auch Kommentar von J. Heder.
Da kann man nur hoffen, daß das Richtergremium Licht ins Dunkel bringt.
Da stimmt doch éh etwas nicht - ausgebildete Fachkräfte, sicher auch mit dem entsprechendem Studium, sollen Kleinkinder vom Stuhlgang abgehalten haben, etc., … - Alleine derartige Handlungsweisen sind in so einem Beruf (eigentlich) unvorstellbar.
Man kann den 2 betroffenen Erzieherinnen nur den Daumen drücken für die entsprechende Gerechtigkeit.
Und das Ministerium...

Ralf vor 4 Wochen

Wenn sich die Vorwürfe als falsch herausstellen sollten, dürfte die Zeugin, die demnach dann gelogen hat, ein Problem haben. Zivilrechtliche Ansprüche der Beschuldigten, als auch strafrechtliche Konsequenzen.

Beim Ministerium ist das so eine Sache, das ist nämlich keine Ermittlungsbehörde. Das unterliegt Polizei und Staatsanwaltschaft.

J.Heder vor 4 Wochen

Sollte sich im Zug der Ermittlung und hoffentlich tiefgründig und fachlich kompetenten Untersuchungen die Unschuld und Unhaltbarkeit der Vorwürfe herausstellen, WER rehabilitiert die Betroffenen Personen so ÖFFENTLICH wie hier jetzt berichtet wird? Es ist leider nicht das erste mal, das sich solcher Art Vorwürfe als ungerechtfertigt und Falsch herausgestellt haben! Ist man sich dessen bewusst was man mit und bei den Beschuldigten und für deren Zukunft anrichten kann und/oder wird? WER steht im Falle der Unschuld für diese Schäden und Folgen u. a. auch MATERIELL EIN? Wer ersetzt Imageschäden und entstehenden Verlust an Einkommen und ggf. Renten?
Ich befürchte das man sich den Tragweiten einiger Vorwürfe überhaupt nicht bewusst ist! Wenn ich das Behördenverhalten und die offene Kritik durch Richter daran lese, ahne ich nichts gutes......

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