Mehrere Personen stehen nebeneinander auf einer Wiese. In der Mitte der Gruppe sitzt ein Mann in einem Rollstuhl.
Sven Hornig (M.) mit seiner Familie und Vertretern des Bundes Deutscher Einsatzveteranen Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Peuschen | Saale-Orla-Kreis Baustart für barrierefreies Wohnhaus von Afghanistan-Veteran

2010 wurde der Bundeswehrsoldat Sven Hornig bei einem Taliban-Angriff auf einen Konvoi in Afghanistan schwer verletzt. Seitdem kämpft er sich ins Leben zurück. Jetzt wurde in Peuschen im Saale-Orla-Kreis der erste Spaten für sein barrierefreies Haus gesetzt.

von Dirk Reinhardt

Mehrere Personen stehen nebeneinander auf einer Wiese. In der Mitte der Gruppe sitzt ein Mann in einem Rollstuhl.
Sven Hornig (M.) mit seiner Familie und Vertretern des Bundes Deutscher Einsatzveteranen Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Peuschen im Saale-Orla-Kreis. Auf der Wiese neben dem Wohnhaus von Familie Hornig steht ein kleines Zelt, davor sind zwei Spaten in die Erde gerammt. Daneben zwei kleine Bagger. Freunde und Bekannte sind am heutigen Sonnabend zum symbolischen Spatenstich gekommen. Ein großer Tag vor allem für Sven Hornig.

Da ich seit 2010 leider nur in Bundeswehr-Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen umhergereist bin, freue ich mich, jetzt endlich mal nach Hause zu kommen.

Sven Hornig

Der große, kräftige Mann sitzt in einem Rollstuhl. Seine Augen blicken wach, langes Sprechen fällt ihm sichtlich schwer. Vor acht Jahren, am 15. April 2010, wurde der Berufssoldat in Afghanistan schwer verletzt. Sein ISAF-Konvoi wurde in der Provinz Baghlan von Taliban mit einem Sprengsatz angegriffen. Die Bundeswehr spricht später von einem Hinterhalt. Das Fahrzeug, in dem Hornig saß, wurde zerstört. Der Hauptfeldwebel erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und Verletzungen in den Beinen, einige seiner Kameraden starben, weitere wurden ebenfalls verletzt.

Kampf zurück ins Leben

Operationen, Reha-Aufenthalte: Seit Jahren kämpft sich der Mittdreißiger nun mit Hilfe seiner Mutter ins Leben zurück. Die kleine Feier heute ist ein Höhepunkt dieses Kampfes. Auf der Wiese soll ein behindertengerechtes Wohnhaus für ihn entstehen. Finanziert wird es von der Familie, aber auch aus einer Spendenaktion des Bundes Deutscher Einsatzveteranen. Denn die Leistungen, die der schwerbehinderte Soldat von der Bundeswehr erhält, reichen für das Haus nicht.

Der vor acht Jahren gegründete Veteranenverband hatte die Aktion vor einigen Monaten im Internet gestartet. Seitdem seien 21.500 Euro zusammengekommen, erzählt Jobst Viehweger. Er ist einer der Fallmanager des Verbandes. Das sind ehemalige Soldaten, die als Ansprechpartner für Veteranen fungieren, ihnen bei kleinen und großen Problemen des Alltags helfen.

Und es gibt viele Betroffene und viele Probleme, sagt Verbandssprecher Jan Philipp Krüger. Das gehe bei kleineren Angelegenheiten wie Behördengängen los und reiche bis zu Fragen finanzieller Absicherung oder medizinischer Behandlung. Hier versuche der Verband zu helfen. Dabei arbeite er völlig ehrenamtlich.

"Veteranen sind Teil der Gesellschaft"

Die Veteranen der Bundeswehr und ihre Probleme würden in der Bundesrepublik immer noch zu wenig beachtet, kritisieren Vertreter des Verbandes während der kleinen Zeremonie im Garten der Familie Hornig in Peuschen.

Auch wenn von der Politik und dem höheren Militär immer so getan wird, als wenn wir alle nicht existieren würden, sind wir doch alle real und Teil dieser Gesellschaft.

Jan Philipp Krüger, Veteranenverband

Seit 1992 hat der Bundestag zehntausende Männer und Frauen in Uniform in Auslandseinsätze geschickt - unter anderem nach Bosnien, Kosovo, Afghanistan, Mali, ins Mittelmeer, in den Indischen Ozean. 108 von ihnen kamen dabei bislang ums Leben - bei Anschlägen oder Gefechten, aber auch bei Unfällen. Vertreter des Veteranenverbandes kritisieren, sowohl die Bundeswehr als auch Politik und Gesellschaft täten sich aber bis heute schwer, mit diesen Aspekten der Auslandseinsätze umzugehen. Das betrifft vor allem auch diejenigen, die mit körperlichen oder seelischen Verletzungen heimkehren. Sie haben vor allem dann Probleme beispielsweise mit der Übernahme von Behandlungskosten durch die Bundeswehr, wenn diese erst nach dem Ausscheiden aus der Truppe entstehen. Ihre Zahl geht mittlerweile in die Tausende.

"Politik ist gefordert"

Die Politik sei hier gefordert, wenn es um die Wahrnehmung der Veteranen und ihrer Probleme gehe, betont der Ostthüringer CDU-Landtagsabgeordnete Christian Herrgott. Zwar sind Einsatzmandate und die Versorgung und Betreuung von Soldatinnen und Soldaten vor allem Sache des Bundes. Doch auch die Politik in Thüringen habe die Aufgabe, immer wieder auf das Thema hinzuweisen und indem "wir Veteranen als das wahrnehmen, was sie sind, nämlich als normalen Teil der Gesellschaft", sagt er.

In Peuschen bei Familie Hornig soll es nun bald losgehen mit dem Bau des Hauses. Dabei bekommt Sven Hornig auch Hilfe von Freunden und Kameraden der Bundeswehr. Auch Firmen hätten kostenlose Hilfe zugesagt, betont Jobst Viehweger vom Veteranenverband. Die Spendenaktion werde ebenfalls weitergehen. Sven Hornig selbst sagt, er hoffe, bald in sein neues Heim einziehen zu können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. April 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. April 2018, 21:37 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

28 Kommentare

10.04.2018 20:45 martin 28

@27 DoM: Gegen diese Formulierung habe ich keine Einwände.

Mir ist es wichtig, dass die Bundeswehr weder des Kaiser's noch Mutti's (noch martin's oder DoM's) Truppe sondern eine Parlamentsarmee ist. Und der Bundestag entscheidet (mit allen Mängeln und Schwächen einer parlamentarischen Demokratie), wohin er die Bundeswehr schickt oder auch nicht.

Ob man die Entscheidungen des Bundestags für richtig hält, ist eine andere Frage ....

10.04.2018 16:36 D.o.M. 27

@Martin25, Sie haben recht, ich habe mich nicht korrekt ausgedrückt. Daher hier die hoffentlich korrekte Antwort, die aus zwei Sätzen besteht:
Ob deutsche Soldaten etwas in Afghanistan zu suchen haben, entscheiden die Regierenden, deren Befehlen die Soldaten unterliegen.
Nach meinem Empfinden, dass für den Gang der Dinge allerdings keine Rolle spielt, hat kein deutscher Soldat etwas in Afghanistan zu suchen.
So besser?

Mehr aus der Region Saalfeld - Pößneck - Schleiz - Eisenberg