Tourismus Mit Rückenwind vom Akku: Ostthüringen mit einem E-Bike entdecken

Er kennt sie alle: Die verschiedenen Akkutypen, die Fahrradfahrern helfen, sogar steile oder lang ansteigende Strecken ohne Schweißausbrüche zu schaffen. Hannes Neupert von ExtraEnergy Services aus Tanna hat mehrere Hundert Akkus getestet - und allein deshalb ist er ein guter Ratgeber für den Tourismusverbund Rennsteig-Saaleland, der noch mehr Angebote für den Urlaub mit dem E-Bike in Thüringen machen will.

Fahrradfahren steht bei immer mehr Erholungssuchenden ganz oben. Aber die Region zwischen Rennsteig, Schiefergebirge und Orla-Senke hat es ins sich: Berg auf, Berg ab führen die Wege. Und das hält dann doch manchen Urlauber davon ab, in den Sattel zu steigen, sagt Cornelia Mitsching, die Geschäftsführerin beim Tourismusverbund.

Schon vor zehn Jahren hat der den 3. Platz beim Wettbewerb um den Thüringer Marketingpreis gewonnen: Für die Idee "Fahr Rad am Thüringer Meer". Dort, rund um Bleiloch- und Hohenwarte-Stausee, ging es damals darum, zunächst einmal einen Verleih zu organisieren - von Pedelecs. Das Wort steht für Pedal Electric Cycles, also Elektrofahrrad, kurz E-Bike.

Cornelia Mitsching zeigt eine Karte mit den E-Bike-Ladestationen
Cornelia Mitsching zeigt eine Karte mit den E-Bike-Ladestationen Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Tourismuspartner wollen E-Biker mobil halten

Inzwischen gibt es ein paar Vermiet-Stationen. Und es gibt aus den letzten zehn Jahren jede Menge Erfahrungen mit dieser Form des Aktivurlaubs. Unumstritten ist: Pedelecs sind zuverlässig, einfach in der Bedienung und schaffen mit einer Akku-Ladung zwischen 40 und 70 Kilometern Strecke, je nach Höhenprofil. Irgendwann aber ist es soweit: Der E-Biker muss die Akkus aufladen, damit er mobil bleibt am nächsten Berg.

E-Bike-Lade-Netz für Touristen und Einheimische

Hinzu kommt: Die E-Bikes sind immer gefragter - allein im vorigen Jahr seien deutschlandweit 2,5 Millionen verkauft worden, erzählt Hannes Neupert. Aber je mehr Menschen ein E-Bike benutzen, umso mehr Ladestellen werden gebraucht. Für Tourismusverbunds-Chefin Mitsching liegt es deshalb auf der Hand: Beim Projekt Pedelec kommt es nun darauf an, die Qualität des Angebots zu verbessern. Jetzt soll ein ganzes Netz geknüpft werden - mit Lade-Säulen entlang der beliebten Radwege. Den Anfang gibt es jetzt an Gräfenwarth und Saalburg. Dort hat der Tourismusverbund Test-Säulen aufstellen lassen, die ab sofort genutzt werden können.

Bodo Ramelow lässt sich eine E-Bike-Ladestation in Saalburg erklären
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow lässt sich von Hannes Neupert die Funktionsweise einer E-Bike-Ladestation erklären. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Förderprogramme angezapft, um Strom-Zapfstellen zu ermöglichen

Geht es nach Cornelia Mitsching, dann werden 2021 an 21 Orten in der Region 105 Ladesäulen aufgestellt. Für diesen Plan werden jetzt mit den Test-Stationen die nötigen praktischen Erfahrungen gesammelt: Wie oft werden da Akkus einzeln aufgeladen? Wie oft wird dafür das komplette E-Bike abgestellt? Wie funktioniert das Laden für Nutzer verschiedener Generationen möglichst einfach? Kommt das Angebot nur bei Touristen gut an oder wächst auch die Zahl der Einheimischen, die sich fürs E-Bike entscheiden?

Der Tourismusverbund als Träger des Projektes nutzt für die Umsetzung der Idee gleich zwei Förder-Möglichkeiten. Sowohl über das Leader-Programm als auch über das EU-Programm zur Verbesserung der Infrastruktur können die Kosten für Ladesäulen zu 75 Prozent bezahlt werden. Beide Förderanträge sind schon gestellt, einer ist schon erfolgreich verteidigt worden, sagt Cornelia Mitsching.

Test-Säulen auch eine Einladung, sich vor Ort umzusehen

Die Test-Säulen hat der Tourismusverbund bei einem Hersteller in Baden-Württemberg gemietet. Sie erlauben, das E-Bike an einem Ständer zu parken und per Kabel aufzuladen. Aber es gibt auch die Möglichkeit, Akkus in einem abschließbaren Schrank zu laden. Dort ist auch Platz, den Fahrradhelm einzuschließen. Das schafft Bewegungsfreiheit, die Gegend ringsum zu Fuß zu erkunden. In Saalburg steht die Testsäule gleich neben der Schiffsanlegestelle - warum also nicht vor der nächsten E-Bike-Etappe mal kurz in See stechen?

Fakt ist: Ein bisschen Zeit brauchen die Akkus der Pedelecs an den Lade-Stationen. Pedelec-Tester Hannes Neupert sagt, je nach Akku-Typ dauert das mehrere Stunden oder auch nur ein paar Minuten. Stolz ist er auf die von ihm im Verbund EnergyBus Organisations mitentwickelte Ladestation, die mit einem speziellen Lade-Schloss-Kabel ausgestattet ist. Das Kabel ist in einem die Diebstahlsicherung an der Ladesäule und der Übertragungsweg für die Stromaufladung innerhalb von wenigen Minuten. Eine Weltneuheit sei das, sagt Neupert. Und die kann nun in Saalburg getestet werden.

Radtour 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 12.06.2020 19:00Uhr 02:47 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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