Saale-Orla-Kreis Ermittlungen gegen Landrat Fügmann wegen umstrittener Posaunenandacht

Die Meldung ließ zu Ostern aufmerken: Die Polizei hat Anzeige gegen Saale-Orla-Landrat Thomas Fügmann erstattet. Der habe gegen die Coronavirus-Auflagen verstoßen. Stein des Anstoßes: eine Posaunenandacht in Möschlitz.

Es sollte eine musikalische Andacht zum Ostersonntag werden. Ein Posaunenchor wollte das kleine Örtchen Möschlitz und seine 550 Einwohner im Saale-Orla-Kreis von einer Anhöhe aus mit festlichen Klängen beschallen. Doch die friedliche Osterstimmung nahm mit dem Auftritt der Polizei ein jähes Ende. Die löste die Veranstaltung nämlich auf und erstattete Anzeige gegen Landrat Thomas Fügmann (CDU). Der spricht von einer "spontanen Zusammenkunft".

Der Posaunenchor Möschlitz musiziert am Ostersonntag auf einer Wiese.
Der Posaunenchor beim Musizieren am Ostersonntag Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Recherchen von MDR THÜRINGEN lassen Zweifel an dieser Darstellung zu. Denn die musikalische Darbietung war in gewisser Weise illegal. Eine Genehmigung dafür gab es nämlich nicht. Und weil es sich daher um eine nicht genehmigte Ansammlung handelte, der Fügmann ebenso wie etwa 20 andere Zuhörer auch bedächtig lauschte, erstattete die Polizei kurzerhand Anzeige gegen ihn.

Doch Fügmann gibt sich damit nicht zufrieden und widerspricht der Darstellung der Polizei. Die Zuschauer hätten, ebenso wie die fünf Musiker und der Dirigent, in ausreichendem Abstand zueinander gestanden. Er selbst sei als Vertreter des Pandemiestabes des Landratsamtes Saale-Orla vor Ort gewesen, nicht als Privatperson, verteidigt der Landrat ausdrücklich sein Vorgehen.

Auftritt nicht genehmigt

Doch von Anfang  an: Am Karfreitag erteilt der Landrat dem Posaunenchor mündlich die Genehmigung zum Auftritt. Die Polizei wird über die geplante Andacht informiert. Die Beamten setzen daraufhin das Thüringer Landesverwaltungsamt (TLVWA) und das Innenministerium von dem Vorhaben in Kenntnis. Denn: Laut der Verordnung der Thüringer Landesregierung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus vom 26. März sind Versammlungen, Ansammlungen und sonstige Zusammenkünfte aktuell untersagt.

Fügmann: TLVWA habe Duldung erlaubt

Der Krisenstab des Landesverwaltungsamtes interveniert auch prompt. Das Landratsamt zieht daraufhin am Samstag die Genehmigung für diese und weitere geplante Andachten im Saale-Orla-Kreis zurück. Fügmann soll jedoch nach MDR-Informationen den "Veranstalter" auf die Möglichkeit einer "spontanen Andacht" hingewiesen haben. Ein Sprecher der Kreisverwaltung sagte MDR THÜRINGEN, das Landesverwaltungsamt habe zugesichert, die Andachten zu dulden, wenn Fügmann seine Genehmigung zurückzieht. Der Landrat selbst solle als Vertreter des Pandemiestabs im SOK die Einhaltung der Abstandsregeln überprüfen.

Kein Gespräch zwischen Landrat und TLVWA-Präsident

Das dementiert das TLVWA jedoch. Stattdessen teilte der stellvertretende Leiter des Krisenstabs, Sandy Kehler, MDR THÜRINGEN mit, es habe weder eine Duldung noch die Anweisung gegeben, dass Fügmann vor Ort sein solle. Der Landrat selbst will im Nachhinein nichts davon wissen, dass es sich um eine nicht genehmigte und somit illegale Veranstaltung gehandelt haben soll. Er ließ mitteilen, dass es sich um "eine Form einer spontanen Zusammenkunft gehandelt habe, es keine Veranstaltung gab und somit auch keinen Veranstalter, der eine Genehmigung hätte einholen können". Laut den aktuell geltenden Verordnungen sind spontane Zusammenkünfte nur eben auch nicht gestattet - es sei denn, die Mitglieder des Posaunenchores wohnen rein zufällig im selben Haushalt, ebenso wie die etwa 20 Zuhörer, die den Klängen auf die Anhöhe in Möschlitz gefolgt waren.

Augenzeugen berichten zudem, dass sich der Landrat dort zu keiner Zeit als Vertreter der Ordnungsbehörde zu erkennen gegeben hat. Auf MDR-Nachfrage heißt es im Landratsamt, so oder so sei alles mit dem Präsidenten des TLVWA, Frank Roßner, abgestimmt gewesen. Ein dementsprechendes Gespräch sei zwischen beiden am Ostersamstag geführt worden  Doch auch hier dementiert das Landesverwaltungsamt. Es habe in dieser Angelegenheit kein Gespräch zwischen Roßner und Fügmann gegeben, teilte der persönliche Referent des Präsidenten auf Anfrage mit.

Schichtleiter der Polizei muss intervenieren

Der Landrat des Saale-Orla-Kreises, Thomas Fügmann, im Gespräch mit einer Polizeibeamtin am Ostersonntag in Möschlitz.
Landrat Thomas Fügmann im Gespräch mit einer Polizeibeamtin Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Ostersonntag fuhr dann die Polizei vor - ob nun aufgrund eines Hinweises oder einer Anzeige, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Beamten trafen vor Ort die Musiker inklusive Zuschauer und dem Landrat an. Trotz zurückgezogener Ausnahmegenehmigung. Fügmann soll sich zunächst sehr widerwillig gezeigt haben. Erst nachdem der Schichtleiter der Polizeiinspektion Saale-Orla telefonisch intervenierte, verkündete Fügmann laut Polizeibericht, dass jetzt noch ein Lied gespielt werde, "weil die Polizei Aufstand macht".

Neben der Andacht in Möschlitz soll es weitere im Saale-Orla-Kreis, etwa in Heberndorf, Ebersdorf und Bad Lobenstein, gegeben haben. Noch ist unklar, welches juristische Nachspiel die Angelegenheit für Thomas Fügmann hat. Die Staatsanwaltschaft Gera hat jetzt die Ermittlungen übernommen und prüft den Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 18. April 2020 | 18:00 Uhr

16 Kommentare

Gerbser vor 5 Wochen

Wenn sich Herr Ramelow gegen die eigene beschlossene Thüringer Verordnung stellt, die keine Ausnahmen hinsichtlich von Zusammenkünften kennt, sollte das nicht minder zu denken geben, als des Gerbsers kurze Beine, ob der immer neuen spontanen Ausreden. Die Politik ist ein Schauspiel der eitlen Parteikader.

Lobedaer vor 5 Wochen

@ Grosser, Klaus
Haben Sie überhaupt einen Beleg für Ihre Behauptungen? Ich habe bisher noch keinen einzigen sachlichen Beitrag gelesen, nur Beleidigungen, und das auch nur, wenn es gegen Jenas Stadtspitze ging. Die große Klappe schwingen Sie mit Ihrer Überheblichkeit selber. Und sie widersprechen sich selber: "... die keine Grundsätze haben. Gesundheitspolitik macht man eben nicht, mit den drei großen Jenaer Grundsätzen: ..." Erst keine Grundsätze, dann drei Grundsätze. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass Sie nur Hass antreibt, eine sachliche Diskussion mit Ihnen nicht möglich ist. Eine Gesundheitspolitik, bei der es seit 10 Tagen keine Neuinfektionen gibt, die meisten wohl wieder gesund sind, deren Methoden nun auch in anderen Bundesländern eingeführt werden sollen, ist erfolgreich. Ihre Behauptung, die Jenaer Stadtregierung hätte hier nichts geleistet, ist hingegen eine glatte Lüge, wie die im Artikel berichteten Fakten zeigen. Oder haben Sie Argumente, die das widerlegen?

Grosser Klaus vor 5 Wochen

Das kommt davon, wenn man in Jena, einen Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche (FDP), einen Finanzdezernenten Benjamin Koppe (CDU), Eberhard Hertzsch einen Sozialdezernenten und einen Dezernenten für Stadtentwicklung und Umwelt Christian Gerlitz (SPD) hat, die keine Grundsätze haben.
Gesundheitspolitik macht man eben nicht, mit den drei großen Jenaer Grundsätzen:
1. Größenwahn,
2. Überheblichkeit,
3. Größe Klappe und nichts dahinter.
Außer Potemkinsche Dörfer aufzubauen hat die Jenaer Stadtregierung hier noch nichts geleistet!

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