Erneuerbare Energien Diskussion um Wasserkraftwerk in Hirschberg

Christian Dötsch will am alten Steinmühlenwehr in Hirschberg ein Wasserkraftwerk errichten. Das Landratsamt in Schleiz sieht das Vorhaben positiv, die Entscheidung wird aber das Landesamt für Umwelt in Erfurt fällen. Dort sieht man das Vorhaben kritisch.

Steinwehr in Hirschberg
Noch steht hinter den Plänen für eine "gläserne" Wasserkraftanlage an der Saale in Hirschberg ein großes Fragezeichen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Christian Dötsch versteht die Welt nicht mehr. Er plant an der Saale bei Hirschberg eine Wasserkraftanlage, die gut 100 Haushalte mit Strom versorgen könnte. Doch sein Projekt am alten Steinwehr stößt bei den Behörden in Bayern und Thüringen auf wenig Gegenliebe. Die Saale liegt in Hirschberg genau auf der Landesgrenze, das Wehr gehört zu Bayern.

Alle sprechen über dezentrale Energiegewinnung. Hier haben wir die Möglichkeit, für etwa 100 Haushalte nachhaltig Strom zu produzieren, und bekommen Steine in den Weg gelegt.

Christian Dötsch, Investor

Der Grund: die Wasserrahmen-Richtlinie. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit will damit die Qualität der Gewässer in Deutschland dauerhaft verbessern. Dazu gehört auch, dass solche Querbauwerke wie das Hirschberger Wehr nach Möglichkeit zurückgebaut werden, damit Lebewesen wie Fische frei wandern können.

Investor Christian Dötsch steht mit Menschen in der Natur im Kreis und spricht.
Investor Christian Dötsch (2.v.r.) im Gespräch mit Verantwortlichen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Flachere Wehrstufe für Fische

Das Wehr in Hirschberg soll laut Wasserwirtschaftsamt in Hof umgebaut werden. Die Wehrstufe soll in Zukunft flacher verlaufen, zugunsten der Fische. Das hätte aber auch ein Absinken des Wasserstandes vor dem Wehr zur Folge. Christian Dötsch sieht die Pläne kritisch. "Ich erwarte bei einem Rückbau des Wehrs das Austrocknen von Randbereichen der Saale, da, wo jetzt noch Amphibien leben. Außerdem könnte sich beim Abbau aller Wehre der nordamerikanische Signalkrebs ungehindert zulasten anderer Arten ausbreiten", sagte Dötsch.

"Gläserne" Anlage als Besuchermagnet

Für ihn ist eine Fischtreppe die bessere Lösung. Die könnte auch gemeinsam mit der geplanten Wasserkraftanlage entstehen. Er sieht in der geplanten Anlage nur Vorteile für Hirschberg. Der Saale-Abschnitt in Hirschberg könnte weiter touristisch genutzt werden. Dort befinden sich jetzt schon ein Hängesteg und eine Anlagestelle für Boote. Beim Rückbau des Wehres würde der Bereich verschlammen.

Christian Dötsch schwebt dagegen eine "gläserne" Wasserkraftanlage für die Besucher vor. Dort könnten sich Schulklassen und Touristen zum Thema "Wasserkraft" informieren. Auch eine E-Bike-Ladestation soll entstehen. Doch nach wie vor steht hinter den Plänen ein großes Fragezeichen.

Für uns hat zunächst die Durchlässigkeit der Saale Priorität. Wenn sich an dieser Stelle Energie aus Wasserkraft gewinnen lässt, umso besser. Allerdings ist fraglich, ob der Durchfluss der Saale für eine wirtschaftliche Betreibung ausreichen wird

Christian Weiß, Wasserwirtschaftsamt Hof

Steinwehr in Hirschberg
Das alte Steinwehr in Hirschberg. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Noch laufen die Abstimmungen mit dem Thüringer Landesamt für Umwelt. Doch auch dort machen die Mitarbeiter Christian Dötsch wenig Hoffnung. Die Erfolgsaussichten einer Antragstellung werden aktuell als äußerst gering angesehen, heißt es von dort. Dötsch hofft trotzdem auf einen positiven Ausgang. Die Hirschberger weiß er auf jeden Fall hinter sich.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | THÜRINGEN JOURNAL | 22. Januar 2021 | 19:00 Uhr

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