Irritierende Schilder in Thüringen Wegweiser in Thüringen: meist hilfreich, manchmal kurios, immer teuer

Wo geht’s lang? Und wie weit ist es noch? Auf diese Fragen suchen Reisende gern Antwort mit einem Blick auf die Wegweiser am Straßenrand. Aber Vorsicht, sagt Radwanderer Dieter Postler, der in Thüringen einige Schilder entdeckte, die an Schildbürgerstreiche erinnern…

Ein älterer Mann mit grauen Haaren, blauem Basecap und blauer Jacke steht an einer Straßenkreuzung.
Dieter Postler am Abzweig der B 282 nach Tanna Bildrechte: MDR / Marian Riedel

Dieter Postler kennt sich aus auf Straßen und Wegen durch Deutschland. "Von Flensburg bis Füssen", sagt der 75jährige. Früher sei er wochenlang mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, jetzt mache er nur noch Tagestouren. Die führen ihn oft nach Thüringen. Sein Startpunkt ist Plauen. Und dort in Sachsen soll ja schon 1682 ein Kurfürst angewiesen haben: Reisenden über Land solle der Weg gewiesen werden – mit hölzernen Säulen, an denen bis zu fünf Arme die Richtung zu den nächsten Orten wiesen. Später, auf den Postmeilensäulen kamen noch Entfernungsangaben dazu.

Vom Wissen über Wege und Entfernungen

Neben einer Straße steht ein Verkehrsschild, das die Richtungen und Kilometerzahlen nach Plauen, Tanna und Mielesdorf anzeigt.
Aus einer Richtung sind es 8 km bis Tanna ... Bildrechte: MDR / Marian Riedel

Früher musste ein Weg von A nach B erst abgelaufen oder abgefahren werden, ehe man eine Entfernung in Stein meißeln oder als Reisezeit auf ein Schild malen konnte. Heute nutze man die Vorzüge der modernen Technik, heißt es aus dem Landesamt für Bau und Verkehr in Thüringen. Satelliten-Bilder lassen Wegführungen erkennen. Entfernungen können aus Karten gemessen werden, die online zur Verfügung stehen. Eigentlich sollte jetzt alles viel genauer sein, wenn Wegweiser aufgestellt werden. Doch Dieter Postler sagt, er fühle sich von den Angaben auf manchen Schildern schlicht verschaukelt.

Schilder wie von Schildbürgern

Neben einer Straße steht ein Verkehrsschild, das die Richtungen und Kilometerzahlen nach Schleiz, Tanna und Mielesdorf anzeigt.
... und aus der anderen Richtung sind es nur 5 km bis Tanna. Bildrechte: MDR / Marian Riedel

Wenn Dieter Postler durch den Saale-Orla-Kreis radelt, staunt er immer wieder: In Rothenacker steht auf dem Wegweiser, es wären sechs Kilometer bis nach Tanna. In Tanna aber, am anderen Ende der Straße, stehen neun Kilometer als Entfernung bis Rothenacker. Ein bisschen mutet das an, als wären die Schilder kleine Schildbürgerstreiche. 
Noch einen Zacken schärfer findet Radler Postler die Situation an der Bundesstraße 282. An einem Abzweig gibt es aus der einen Fahrtrichtung gleich zwei Schilder, die den Weg nach Tanna mit acht Kilometern angeben. Aus der anderen Fahrtrichtung aber verspricht ein Wegweiser nur fünf Kilometer. Wie kann das passieren, rätselt wohl nicht nur Dieter Postler

Auf den Spuren eines Rätsels

Eine Erklärung gibt Klaus Mäder vom Landratsamt in Schleiz. Die Verkehrsbehörde des Landkreises legt fest, wo Wegweiser und Verkehrszeichen stehen müssen. Wie die dann ausgeführt und beschriftet werden - das liegt nicht in der Zuständigkeit seiner Behörde. Dafür ist das Straßenbauamt des Landes verantwortlich. Das wirkte sich auch am Abzweig der B 282 aus: Bei einem Unfall war ein Wegweiser zerstört worden. Das Landratsamt beantragte dafür einen Ersatz. Dann ließ das Landes-Straßenbauamt ein neues Schild bauen – mit der Aufschrift "Tanna 5 km". Denn so kurz ist es, wenn man kurz nach dem Abzweig von der B282 eine Ortsverbindungsstraße benutzt. Man kann aber auch weiter auf der Kreisstraße nach Tanna fahren – dann bleibt es bei acht Kilometern.

Korrektur von Schildern ist kostspielig

Für Dieter Postler ist trotzdem unverständlich, dass die beiden älteren Schilder etwas anderes ankündigen als das neuere. Warum werden die Angaben nicht angeglichen, fragt er sich? Auch darauf hat Klaus Mäder im Landratsamt eine Antwort: Neue Schilder sind teuer - für den Steuerzahler.

Ein älterer Mann mit grauen Haaren, blauem Basecap, blauer Jacke und Warnweste in neon-orange zeigt auf ein Verkehrsschild, auf dem die Entfernungen nach Tanna und Willersdorf angegeben sind.
Auch in Rothenacker Verwirrung: Von hier nach Tanna 6 km, aber am anderen Ende in Tanna stehen 9 km bis Rothenacker auf dem Wegweiser! Bildrechte: MDR / Marian Riedel

"Natürlich müssen die Behörden handeln, wenn die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gefährdet ist", sagt Klaus Mäder. Aber eine nicht ganz korrekte Entfernungsangabe mache die Straße wirklich nicht unsicherer. Trotzdem will sich der Fachdienstleiter aus dem Landratsamt beim Landesstraßenbauamt dafür einsetzen, das Ärgernis mit den unterschiedlichen Angaben am Abzweig nach Tanna aus der Welt zu schaffen. Vielleicht hilft es ja schon, auf beiden alten Schildern die 8 mit einer 5 zu überdecken? Ganz billig ist selbst das nicht, heißt es aus dem Landesstraßenbauamt. Bis zu 150 Euro koste so ein Abdecker aus Blech. Noch kostspieliger wäre es natürlich, die Wegweiser komplett zu erneuern. Denn schon ein kleines Verkehrsschild schläge mit 250 bis 400 Euro zu Buche.

Irritierende Wegweiser nicht nur in Thüringen

Dieter Postler hat übrigens nicht nur rund um Tanna irritierende Schilder entdeckt. Ähnliches gibt es zwischen Greiz und Zoghaus im thüringischen Vogtland. Im benachbarten sächsischen Vogtlandkreis hatte Postler schon vor Jahren auf Schildbürger-Schilder hingewiesen. Und auch anderswo in Deutschland sei ihm so etwas schon aufgefallen. Postler sagt: "Ich finde das einfach ärgerlich."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 15. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Burgfalke vor 24 Wochen

Das ist mehr oder weniger gängige Alltagspraxis. Fehler können passieren. Meist jedoch dem Desinteresse der handelnden Personen geschuldet. Aber das wird eher beschönigt.

So werden auf Vorwegweiser statt konkrete Ortsnamen ein Gemeindename (Flurgebiet) verwendet. Dieser alte Gemeindename existiert seit 5 oder 6 Jahren nicht mehr, er wurde durch einen anderen Kunstnamen - zusammengesetzt durch 2 kleine Bachläufe ersetzt. Auf einem anderen Vorwegweiser steht ein konkreter (bekannter) Ortsname, aber auf dem zum Ort gehörenden Ortseingangsschild steht dessen Name nicht, sondern der Name des Nachbarortes und unnötig der Gemeindesname (eines weiteren anderen Ortes).
Noch schlimmer ist die Situation bezogen auf irrsinnige "Adressgestaltung" als völlig unnötige Auswirkung entsprechender Gebietsreformen. Dort fragt keiner nach den Kosten für tausende Straßennamenanpassungen. Man muß über den Straßennamen den Ort finden. Medien und Co interessieren da weder Kosten noch die Folgen!

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