Saale-Orla-Kreis Warnbaken sollen Lkw in Zollgrün ausbremsen

Abgase und Motorengeräusche fast rund um die Uhr: Der Lkw-Durchfahrtsverkehr macht den Menschen in Zollgrün im Saale-Orla-Kreis das Leben schwer. Viele Fahrer halten sich laut Anwohnern nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Jetzt hat das Landratsamt auf der Landesstraße Warnbaken am Ortseingang aufgestellt.

von Stefanie Reinhardt

Warnbaken am Ortseingang Zollgrün aus Richtung Schleiz
Bis zu 700 Lastwagen rollen am Tag durch den kleinen Ort. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Sie waren am Montag schnell da: die drei rot-weiß gestreiften Warnbaken. Zusammen mit einem Hinweisschild mit Pfeil engen sie seitdem die Fahrspur in den Ort hinein ein. Für Auto- und Lkw-Fahrer wirken sie wie ein Hindernis: sie müssen links um die Baken herumfahren.

Aufgestellt wurden die Baken im Auftrag des Landratsamtes, in Absprache mit dem Thüringer Landesamt für Bau- und Verkehr, das für die Landesstraße zuständig ist. Der zuständige Fachbereichsleiter für Bau und Bildung im Landratsamt in Schleiz, Jens Heynisch, sagt, was die Baken bringen sollen: "Brummis zum Abbremsen zwingen und dafür sorgen, dass sie langsamer in den Ort hineinfahren."

Mit 93 km/h durch den Ort

Für Bürgermeister Marco Seidel sind die Warnbaken ein erster und richtiger Schritt, die Anwohner vom Durchfahrtsverkehr zu entlasten, sagt er. "Es ist gut, dass etwas getan wird, um die Geschwindigkeit runter zu nehmen", sagt er. Stark belaste die Anwohner die Geschwindigkeit, mit der die Lkw-Fahrer in den Ort hinein fahren. Viele Brummis würden sich nicht an das Tempolimit halten. "Wir haben mal selbst mit unserer Messtafel, die im Ort an der Straße steht, gemessen", sagt Seidel. "Spitzenreiter war ein Lkw, der nachts mit 93 Kilometer pro Stunde durchgefahren ist."

Warnbaken am Ortseingang Zollgrün aus Richtung Gefell
Ob die drei Baken den Ort entlasten? Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Seidel hat aber auch Zweifel, ob die Warnbaken langfristig tatsächlich wirken - "oder ob nicht vielleicht doch ein stationärer Blitzer sinnvoll ist." Grundsätzlich sei es aber gut, dass endlich etwas vorwärts geht, so Seidel. Schließlich hätten sich die Anwohner schon seit gut zehn Jahren über den zunehmenden Lkw-Verkehr beschwert. Ein Gutachten im Auftrag des Straßenbauamtes hatte das im vergangenen Jahr bestätigt. Danach hat der Lkw-Verkehr in den vergangenen Jahren zugenommen. Bis zu 700 Lastwagen rollen am Tag durch den kleinen Ort. Das seien fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren, sagt Seidel.

Begünstigt wegfallende Mautpflicht den Verkehr?

Dass der Verkehr in den vergangenen Jahren so stark gestiegen ist, erklären sich die Bürger mit der Abstufung der früheren Bundesstraße zur Landesstraße, die seitdem nicht mehr mautpflichtig ist. "Viele Lkw-Fahrer fahren über diese Strecke, um Maut zu sparen", meint zum Beispiel Christian Hellfritsch, der an der Landesstraße in Zollgrün wohnt. "Und das obwohl die Autobahn A9 nur wenige Kilometer parallel verläuft." Gemeinsam mit Bürgern des Nachbarortes Gefell fordert er deshalb nicht nur Tempolimits, sondern auch ein Durchfahrtsverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen. Bürgermeister Marco Seidel hält auch Mautsäulen an der Landesstraße für sinnvoll.

Laut Jens Heynisch, Fachbereichsleiter für Bau und Bildung im Landratsamt, soll nach dem Aufstellen der Baken geprüft werden, ob die LKW-Fahrer ihr Fahrtempo tatsächlich verlangsamen. "Im Frühjahr werden außerdem Abgas- und Lärmwerte gemessen", kündigt Heynisch. Danach werde entschieden, ob die Fahrbahn in Zollgrün an bestimmten Stellen dauerhaft verengt wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 20:57 Uhr

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