Diskussion um Personalpolitik Eltern bemängeln häufige Erzieherwechsel in Saalfelder Awo-Kindergarten

Bei den Eltern eines Awo-Kindergartens in Saalfeld herrscht Unmut. Häufige Wechsel der Erzieher machen Kindern und Eltern zu schaffen. Jetzt wollen sie mit einer Unterschriftensammlung und einer Initiative "für eine bessere Awo" dagegen vorgehen.

Es war der Tropfen, der das Fass bei den Eltern zum Überlaufen gebracht hat: Ein beliebter Erzieher des Kindergartens Sonnenland wird von der Awo kurzfristig und überraschend versetzt. "Er war sehr beliebt und hat seine Arbeit gut gemacht", sagt eine Mutter. "Deshalb können wir das nicht nachvollziehen." Für sie ist die Versetzung willkürlich, sagt sie. So wie ihr geht es auch anderen Eltern. Sie haben jetzt 150 Unterschriften gesammelt. Das Ziel: Der Erzieher soll bleiben.

16 Erzieherwechsel im Kindergarten

Viele Eltern erleben nicht zum ersten Mal, dass ein Erzieher des Awo-Kindergartens überraschend versetzt wird. "Wir haben mit unseren beiden Kindern in dem Kindergarten mittlerweile 16 Erzieherwechsel mitgemacht", sagt ein Vater. Kinder und auch Eltern belaste das sehr. "Die Kinder sind verunsichert." Manche Eltern sehen dahinter mittlerweile sogar ein System.

"Wir wollen kein Team, damit keine Routine entsteht", habe eine Führungskraft der Awo in Saalfeld einmal zu einer Mitarbeitern gesagt, erzählt eine ehemalige Erzieherin des Kindergartens. "Mitarbeiter und Eltern, die sich kritisch zu den Personalwechseln äußern, werden eingeschüchtert", sagt sie. Sie selbst sei nach Kritik in einen von ihrem Wohnort weiter entfernten Kindergarten versetzt worden.

Awo bestreitet häufige Wechsel in Saalfeld

Die Geschäftsstelle der Awo in Saalfeld weist die Kritik der Eltern zurück. Auf Anfrage von MDR THÜRINGEN sagte eine Sprecherin: "Es gibt keine übermäßige Fluktuation in den Awo-Kindergärten." Vielmehr liege die Fluktuation mit rund drei Prozent im üblichen Bereich, so die Sprecherin. Die Erzieherwechsel führt die Awo vor allem auf die Tatsache zurück, dass unter den Mitarbeitern vor allem junge Frauen sind. "So kommt es zu familienbedingten Veränderungen der Arbeitszeiten."

Der Personalschlüssel schwanke zudem je nach Zahl der Kinder, deren Altersstruktur und der Kinder mit besonderem Förderbedarf. Die Gründe für den jüngsten Erzieherwechsel im Kindergarten Sonnenland will die Awo nicht nennen: "Grundsätzlich sind Personalentscheidungen Trägerhoheit", heißt es aus der Geschäftsstelle in Saalfeld.

Gespräch zwischen Eltern und Kindergarten

Zwischen den Eltern des Kindergartens und dem Geschäftsführer der Awo in Saalfeld, Andreas Krauße (CDU), hat es inzwischen ein Gespräch gegeben. Danach räumt die Awo ein, dass es dort Kommunikationsdefizite gab. Um die Kommunikation mit den Eltern zu verbessern, will die Awo nun die Elternbeiräte der 19 Awo-Kindergärten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt einladen.

Außerdem will sie eine unabhängige Beschwerdestelle einrichten. Eltern können ihre Fragen und Beschwerden dann per E-Mail an die Awo richten. Für neue Mitarbeiter wird es laut der Sprecherin künftig die von den Eltern geforderten längeren Einarbeitungszeiten geben.

Bei den Eltern im Kindergarten Sonnenland ist auch nach dem Treffen mit dem Geschäftsführer der Awo Saalfeld, Andreas Krauße, der Gesprächsbedarf groß. Ihr Wunsch, dass der beliebte Erzieher bleibt, geht nicht in Erfüllung. Er wird ab Montag in einem anderen Awo-Kindergarten in Saalfeld arbeiten. Mit ihrer Initiative "für eine bessere Awo für unsere Kinder" wollen die Eltern aber weiter machen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 11. Oktober 2020 | 17:40 Uhr

4 Kommentare

Reiner Wahnsinn vor 7 Wochen

Das scheint bei AWO nicht nur in Saalfeld zur Gewohnheit verkommen zu sein. Ich kenne 2 Fälle aus dem familiären Umfeld im Altenburger Land, die sich kurz nach der Einstellung lieber haben kündigen lassen(selber kündigen bringt Nachteile), als Ihre Fähigkeiten weiter einzubringen. Hier ging es nicht nur um Kita, sondern auch um Altenpflege. Die Einkommen der beiden Damen sind nach Neubewerbung um jeweils 1TS €/M gestiegen bei gleichzeitig übersichtlicheren Arbeitszeiten.

MrsHolland vor 7 Wochen

Das Problem existiert schon seit Jahren. Unsere große Tochter ging ins sonnenland. Wir haben uns mit der kitaleitung an einen Tisch gesetzt, weil eine Erzieherin von Freitag auf Montag die Gruppe wechseln musste und wir das nicht hinnehmen wollten. Ergebnis war, dass die kitaleitung eine weitere Erzieherin mitbrachte und uns so darstellte, als würden wir den anderen Erzieherinnen aus unserer Gruppe nicht trauen und ihnen eine schlechte Arbeit nachsagen. Was absolut nicht der Fall ist und war.
Kinder brauchen ein stabiles Umfeld. Was aber nicht klappt, wenn alle 6 Monate die Erzieher die Gruppe wechseln müssen oder komplett die Einrichtung. Für sensible Kinder stellt das eine ungeheure Belastung dar

Euphemismus vor 8 Wochen

Wie jetzt, verstößt die AWO etwa gegen das Gute KITA Gesetz ?
Oder wurden die Tollen Pläne mal wieder gemacht ohne die notwendigen Ressourcen überhaupt zu besitzen?

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