Gera | Rudolstadt Mann nach fingiertem Autokauf gestorben - Mord-Prozess hat begonnen

In Gera stehen zwei junge Männer vor Gericht, die arglose Autokäufer um Tausende von Euro bringen wollten. Als ihre Opfer in Rudolstadt den Betrug bemerkten, lief die Situation aus dem Ruder: Die heute 20 und 24 Jahre alten Männer überfuhren einen der Kaufinteressenten, der später seinen schweren Verletzungen erlag.

Nach dem gewaltsamen Tod eines beim Autokauf betrogenen Mannes in Thüringen müssen sich zwei Brüder aus Nürnberg seit Donnerstag vor Gericht verantworten. Allerdings hüllten sich beide zum Prozessauftakt in Gera zu den Vorwürfen in Schweigen. Die Anklage wirft dem Jüngeren Mord vor. Als Motiv nannte Oberstaatsanwalt Ralf Mohrmann Habgier sowie die Verdeckung einer anderen Straftat. Zusammen mit seinem älteren Bruder wird dem 20-Jährigen zudem gemeinschaftlicher Betrug angelastet.

Dramatische Szenen vor Autohaus in Rudolstadt

Im Mai 2017 sollen sie einem Mann und seinem Sohn ihre Vermittlung beim Kauf eines Pick-ups angeboten haben. Sie gaben laut Anklage vor, bei einem Autohaus in Rudolstadt einen günstigeren Preis aushandeln zu können. Doch hatten sie es nur auf den fünfstelligen Geldbetrag abgesehen. Als die arglosen Kaufinteressenten 14.500 Euro übergeben hatten, wollten die Brüder in einem Auto flüchten, so die Staatsanwaltschaft.

Daraufhin sollen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Als den Käufern klar wurde, dass sie Betrügern aufgesessen waren, versuchten sie, deren Flucht zu verhindern und hielten sich an der Motorhaube des Wagens fest. Der 20 Jahre alte Angeklagte soll daraufhin Gas gegeben und mit ruckartigen Lenkmanövern versucht haben, die Männer abzuschütteln, was ihm gelang. In einer Linkskurve stürzte der Senior zu Boden, schlug mit dem Kopf auf Beton und erlitt einen schweren Schädelbruch. An dessen Folgen starb er wenige Tage später im Krankenhaus. Auch sein Sohn wurde verletzt. Statt zu helfen sollen die Brüder ihre Flucht fortgesetzt haben.

Zielfahnder finden Mordverdächtigen in Prag

Die beiden heute 20 und 24 Jahre alten Männer sind in Untersuchungshaft und saßen am Donnerstag in Handschellen im Gerichtssaal. Der Jüngere war erst im vergangenen Jahr von Zielfahndern in Prag aufgespürt worden. Für den Prozess hat die 9. Strafkammer hohe Sicherheitsauflagen erlassen. So mussten sich Zuschauer und Rechtsanwälte beim Betreten des Gerichtssaals einer intensiven Kontrolle unterziehen und Handys abgeben.

Das sorgte bei den Anwälten für heftige Kritik. Einer sprach von einer "Unverschämtheit" und einem "Signal des Misstrauens gegen die Verteidiger". Der Vorsitzende Richter Harald Tscherner begründete den Schritt damit, dass die Kammer mit Auflagen wie dem Handyverbot eine Einflussnahme durch das Umfeld der Angeklagten verhindern wolle. Außerdem rügte die Verteidigung die Gerichtsbesetzung: Die Auswechslung des Vorsitzenden Richters und einer Schöffin sei rechtswidrig, da tatsächliche Gründe hierfür nicht mitgeteilt und die Auswahl willkürlich erfolgt sei. Darüber muss nun entschieden werden.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag (14. Januar) fortgesetzt. Dann soll unter anderem der Sohn des Verstorbenen als Zeuge aussagen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Januar 2020 | 14:30 Uhr

5 Kommentare

Klaus Ansorge vor 26 Wochen

Warum werden Alter und Geschlecht der Mordverdächtigen überhaupt genannt? Beides steht genau wie die Herkunft nicht notwendigerweise im Zusammenhang mit der Tat.

MDR-Team vor 26 Wochen

Hallo mattotaupa,
Anfangs festgenommen wurden ein 40-Jähriger und ein 22-Jähriger, nach einem Dritten damals 18-Jährigen wurde zunächst noch gefahndet. Er wurde dann in Prag festgenommen. Was aus dem heute dann 42-Jährigen wurde, können wir im Moment nicht sagen. Mutmaßlich reichte die Tatbeteiligung für den Mordvorwurf nicht aus, und es wird in einem separaten Verfahren gegen den Erwachsenen verhandelt.

mattotaupa vor 26 Wochen

im artikel von 2017 waren die täter 40 und 22 jahre alt. damals wurden die betrogenen vom auto erfaßt und einer überrollt. nach einem dritten wurde noch gefahndet. im obigen artikel erscheinen die altersangaben unstimmig, der geschilderte tathergang ist abgesehen vom betrug und ausgang komplett anders und der dritte mann ist in den letzten 2 jahren wohl verloren gegangen. kursieren vor gericht auch mehrere versionen der vorgänge wie beim mdr?

Mehr aus der Region Saalfeld - Pößneck - Schleiz - Eisenberg

Mehr aus Thüringen

Kundein und Verkäuferinn in Dorfladen 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Die Bewohner von Berka haben endlich wieder in einen eigenen Dorfladen. Neben Waren des täglichen Bedarfs, gibt es hier auch einen Imbissbereich. Der Laden liegt am Rande des Unstrut-Werra-Radweges.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 15.07.2020 16:20Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/thueringen/nord-thueringen/kyffhaeuser/video-427994.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video