Ein Autoschlüssel wird vor ein Türschloss gehalten.
Nach dem Vorfall bei einem Partnerunternehmen in Thüringen prüft Sixt laut einem Twitterpost des Unternehmens rechtliche Schritte. Bildrechte: dpa

Comedy-Künstler beleidigt Rassismus-Vorfall: Sixt trennt sich von Thüringer Partner

Nach einem Auftritt im Landkreis Sonneberg mussten die Comedians Nizar und Amjad ihre Fahrt aufgrund einer Autopanne unterbrechen. In Bad Blankenburg wollten sie einen Leihwagen abholen. Dort kam es zum Streit, es fielen rassistische Beleidigungen, die Polizei wurde gerufen.

von Ludwig Kendzia

Ein Autoschlüssel wird vor ein Türschloss gehalten.
Nach dem Vorfall bei einem Partnerunternehmen in Thüringen prüft Sixt laut einem Twitterpost des Unternehmens rechtliche Schritte. Bildrechte: dpa

Nach einem Rassismus-Vorfall hat der Münchner Autovermieter Sixt die Zusammenarbeit mit einem Thüringer Partner beendet. Das bestätigte eine Unternehmenssprecherin MDR THÜRINGEN auf Anfrage.

Der Comedian Nizar.
Comedian Nizar trat beim Obenauf-Comedy-Preis in Neuhaus am Rennweg auf. Bildrechte: MDR/hb/Robert Maschke

Ein Mitarbeiter des Subunternehmens in Bad Blankenburg (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) habe sich gegenüber den deutschen Comedy-Künstlern Nizar und Amjad rassistisch geäußert. Beide waren am Freitag, 1. November, beim Sonneberger Obenauf-Comedy-Preis aufgetreten. Auf der Weiterfahrt hatten sie eine Autopanne und bekamen von dem Autovermieter einen Leihwagen vermittelt. Als die beiden das Auto in Bad Blankenburg holen wollten, wurden sie von einem Mitarbeiter mehrfach rassistisch beleidigt.

Beleidigungen auf Video festgehalten

Der Künstler Amjad hatte die Auseinandersetzung auf einem Video festgehalten und über seine Facebook-Seite am Wochenende öffentlich gemacht. Demnach bezeichnete der Mitarbeiter die beiden Künstler als "Türkennasen" und "Affen". Er fordert sie auf, "dort hinzugehen, wo sie herkommen" und verweigerte die Herausgabe des Ersatzwagens.

Sixt bestätigte MDR THÜRINGEN, dass man das Video kenne. Das Unternehmen habe umgehend mit dem Künstler Nizar als Automieter und dem Unternehmen in Bad Blankenburg Kontakt aufgenommen. "Wir bedauern, was unserem Kunden Nizar widerfahren ist und haben uns sofort bei ihm persönlich entschuldigt."

Viele herzliche Leute in Thüringen kennengelernt

Die Zusammenarbeit mit dem betroffenen Subunternehmen in Bad Blankenburg werde Sixt aufgrund der Äußerungen in dem Video umgehend beenden, heißt es. Die beiden aus Deutschland stammenden Künstler Nizar und Amjad zählen zu den Nachwuchsstars der deutschen Comedy-Szene. Amjad teilte auf seiner Facebook-Seite mit, der Vorfall sei traurig, weil er viele Leute in Thüringen kennengelernt habe, die herzlich und offen waren. Comedian Nizar appellierte im Netz an seine Fans, auf den Vorfall zu reagieren. Dabei sagte er auch, der Streit sei verbal eskaliert, auch von seiner Seite.

Polizeibeamte vor Ort

Über den Vorfall in dem Autoverleih war in der Nacht auch die Thüringer Polizei informiert. Zwei Beamte waren vor Ort und sprachen dabei von einem zivilrechtlichem Problem zwischen Sixt und den Comedians. Sie klärten jedoch nicht, ob jemand beleidigt oder rassistisch tituliert wurde. Im Netz warf Comedian Nizar den Beamten vor, ihm nicht zugehört, dem Autovermieter aber geglaubt zu haben.

Nach Reaktionen im Netz setzte die Thüringer Polizei am 3. November einen eigenen Post ab. Darin wehrt sie sich gegen Rassismus-Vorwürfe gegenüber den Beamten. Falls Nizar den Verdacht einer Straftat habe oder Geschädigter sei, solle er nachträglich Anzeige erstatten.

Blaue Tafel mit weißer Schrift unter anderem mit der Bereitschaft, Anzeige der Comedians aufzunehmen
Der Post der Thüringer Polizei, nachdem Beamten im Netz Vorwürfe gemacht werden. Bildrechte: Polizei Thüringen

Thüringer Autoverleih meldet sich

Am Dienstagnachmittag meldete sich ein Mitarbeiter des Thüringer Autoverleihers bei MDR THÜRINGEN. Er warf den Comedians vor, nachts hupend auf das Firmengelände gefahren zu sein und auf seine Kritik hin mit Beleidigungen reagiert zu haben. Das Unternehmen erlebe "seit Tagen" einen Shitstorm in den sozialen Medien. Darunter seien auch Morddrohungen. Am Samstag sei bei der Polizei Saalfeld Anzeige gegen die Comedians gestellt worden, unter anderem wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch.

Unbeantwortet blieb die Frage, warum das Unternehmen den Comedians den Leihwagen in der Nacht nicht aushändigte.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm,mis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. November 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2019, 19:04 Uhr

52 Kommentare

Ernst678 vor 4 Wochen

Woher wollen sie wissen das in dem Vorgang ein Rassist beteiligt war wenn der auch noch nicht bildlich dargestellt ist? Wo genau ist definiert das Türkennase und Affe rassistische Ausdrücke sind? Stehen die schon auf der schwarzen Liste als verbotene Wörter wie Neger? Was ist bloß los in diesem Land wo etliche Bewohner sich wegen eines Worts bis zur Unkenntlichkeit verbiegen und aufeinander losschlagen , wo man inzwischen sich jedes Wort trotz angeblicher Meinungsfreiheit sehr genau überlegen muss um bei den Gutmenschen nicht anzuecken, wohingegen die Antifa jeden nach belieben diffamieren und beschimpfen darf. Und selbst die Asylanten haben erkannt sich Vorteile zu beschaffen wenn man Deutsche als Nazis beschimpft, doch das wird tunlichst verschwiegen, denn gegen angeblich Rääächts ist ja alles erlaubt. Deutschland zerfleischt sich selbst wegen irgendwelcher Kleinigkeiten und hat deshalb keine Kraft mehr für die Lösung wirklicher, die Zukunft der Nation betreffenden Probleme!

Ernst678 vor 4 Wochen

Erst wenn man die ganze Geschichte kennt, kennt man sie wirklich, sie aber offenbar nicht. Und es ist durchaus verständlich aus der Situation heraus mal ungehalten zu sein und unfreundlich geforderte Leistungen zu verweigern. Und meinen Sie mit "Ärger" gar das die Antifa mit roten Farbtöpfen und Streichhölzern anrücken soll? Das Vorgefallene muß schon geduldet werden, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat mit freier Meinungsäußerung und NICHT in einer Diktatur die nach belieben Andersdenkende diffamieren und aburteilen darf. Gegebenenfalls entscheiden Gerichte und NICHT grün-rot-linke Befindlichkeiten. Im Übrigen haben die sogenannten Künstler illegal Videoaufnahmen gemacht und damit eine Straftat begangen, doch das kümmert MyNizzle, den Gutmenschen, nun garnicht, aber genau das darf NICHT geduldet werden!

Jan vor 4 Wochen

Richtige und konsequente Entscheidung. Solch eine Reaktion und Standpunkt würde ich mir viel öffter wünschen.
Die Reaktion einiger hier im Kommentarbereich zeigt mir leider, dass es für einige in Ordnung ist, dass die Menschen beleidigt werden. Sonst würden sie nicht nicht so oft das Wort ABER benutzen und vom Thema ablenken. Um so wichtiger ist es, dass Rassismus und Beleidigungen nicht runtergespielt werden dürfen!

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