Naturschutz Mensch und Biber: Konflikt-Management an der Saale

Bei Uhlstädt-Kirchhasel im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ist der Biber seit einigen Jahren wieder heimisch geworden. Natur- und Artenschützer sind begeistert, denn seltene Tier- und Pflanzenarten sind zurückgekehrt. Doch der Nager hat nicht nur Freunde.

Ein von einem Biber angelegter Damm.
Hier hat der Biber einen Damm angelegt, der das Wasser zurückhält. Das sorgt auf den umliegenden Wiesen und Feldern für mehr Feuchtigkeit. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Am Etzelbach, einem kleinen Seitenarm der Saale, haben die Biber ganze Arbeit geleistet: Staudämme gebaut und Biberburgen angelegt. Das beeindruckt Naturschützer, zum Beispiel den Rudolstädter Naturfilmer Wilfried Matz, der eine Dokumentation über die Tiere hier gedreht hat. "Die bauen nicht irgendwo einen Damm, nein, die suchen sich immer strategisch interessante Ecken, um mit geringstem Kraftaufwand optimale Wirkung zu erzielen", sagt er. "Das sind Baumeister, das ist erstaunlich."

Schilf in einem Biber-Schutzgebiet.
Seit seiner Rückkehr 2012 kam mit dem Biber um das Gebiet am Etzelbach auch die Natur- und Artenvielfalt zurück. Zuvor waren dort nur Beton und Acker. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Bis zum Jahr 2012 war der Etzelbach nur eine Abflussrinne, die dazu diente, die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen zu entwässern. Durch die Biber ist der Bach heute dicht bewachsen und zu einem Biotop für seltene Pflanzen- und Tierarten geworden, sagt Dirk Rappmann, Artenschützer des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. "Wir haben Schilf, wir hören Frösche quaken, die Rohrsänger, hier fliegt der Eisvogel", zählt er einige auf. "Das alles sind Tierarten, die es hier nicht mehr gab, bevor der Biber kam. Nun sind sie wieder zurückgekehrt."

"Übergriffe auf Biber gibt es immer wieder"

Aber: Der Nager hat nicht nur Freunde. Sein Arbeitsdrang hat manchen wohl geärgert. Übergriffe auf die Tiere gebe es hier immer wieder, sagt Dirk Rappmann. Einige Biber seien in den vergangenen Jahren durch Schüsse getötet worden. Andere seien vergiftet worden. Auch Biberdämme und Biberburgen, die Bauten, in denen die Biber leben, seien zerstört worden, erzählt er. In einigen Fällen habe er Anzeige bei der Polizei erstattet. "Die Täter wurden aber nicht ermittelt", sagt er. Für ihn bleibt deshalb nur das Gespräch. "Wir versuchen natürlich zu entschärfen, versuchen zu helfen und Tipps zu geben", sagt Dirk Rappmann. Zum Beispiel könnten Grundstücksbesitzer nahe Biber-Revieren ihre Bäume mit sogenannten Drahthosen schützen.

Für Landwirte, die wegen der Tiere gewässernahe Flächen nicht mehr bewirtschaften können oder Ernteausfälle haben, gebe es Förderprogramme. "Das entlastet den Landwirt auf jeden Fall ein wenig", sagt Rappmann. Um Konflikte zu lösen, hat das Land Thüringen gemeinsam mit dem Naturschutzbund Thüringen Biberberater ausgebildet. Dirk Rappmann empfiehlt Betroffenen das Gespräch mit ihnen. "Die Konflikte sind lösbar", sagt er. "Man muss nur miteinander reden und darf nicht immer sagen, es geht nicht."

Ein Biberbau in einem Seitenarm der Saale.
Hier war der Biber fleißig: Ein Biberbau an einem Seitenarm der Saale bei Uhlstädt-Kirchhasel. Dort hat sich der Biber 2012 wieder angesiedelt. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 02. August 2020 | 18:45 Uhr

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