Geschlossen Wie Friseure in Thüringen durch den Lockdown kommen

Friseure trifft der Corona-Lockdown hart: Vom Außer-Haus-Verkauf von Haarkosmetik lässt sich nicht leben, und bei den Hilfsgeldern klemmt es. Wie zwei Thüringer Friseure mit der Zwangspause umgehen.

Friseurmeisterin Constanze Stroehl aus Volkstedt
Constanze Stroehl in ihrem Salon. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Seit dem 16. Dezember ist der Salon zu. So geht es auch Constanze Stroehl in Volkstedt. Die Friseurmeisterin betreibt ihren Salon in dem Rudolstädter Ortsteil ganz allein. Eigentlich kommen Stammkunden aus der Umgebung in das kleine Geschäft direkt an der Kirche oder Constanze Stroehl macht Hausbesuche. Seit Wochen gibt es nichts davon. Das Schild mit dem Datum, wann der Salon wieder öffnet, ist zweimal geändert. Die letzte Änderung sind zwei Fragezeichen.

So aussichtslos, wie es das Schild vermuten lässt, sieht es die Friseurin allerdings nicht. Der Salon im eigenen Haus, keine Angestellten - und der Rückhalt aus der Familie lässt sie durchhalten, sagt sie. Aber vom Verkauf einiger Flaschen Haarspray an Stammkundinnen oder mal einer Tönung ist kein Geschäft zu halten - der Ausweg heißt Hartz IV. Sie hofft, dass ihr Salon Mitte Februar wieder öffnen kann, auch wenn die hohen Corona-Infektionszahlen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt anderes vermuten lassen.

Kurzarbeit in Eisenach und Saalfeld

Anders läuft es bei Jens Wagner. Der Chef von zwei Salons musste seine sieben Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Jetzt renoviert er seine beiden Läden in Eisenach und in Saalfeld. Die Investitionen in den Eisenacher Barbershop und seinen klassischen Friseursalon in der Saalfelder Fußgängerzone findet er jetzt richtig. Wenn es wieder losgeht, dann soll alles stimmen, auch wenn Jens Wagner bis dahin mehr Maler und Klempner ist als Chef von zwei Friseursalons.

Beim Thema Corona-Hilfen sprechen beide Friseure von Schwierigkeiten. Einmal der Weg über den Steuerberater, der die Anträge schreiben muss. Oder wenn die Friseure selbst die Hilfe beantragen und sich dazu durch viele Bestimmungen ackern müssen - lieber wäre beiden, die Geschäfte möglichst bald wieder zu öffnen. Auch wenn wegen der Hygieniekonzepte in der selben Zeit deutlich weniger Kunden als früher - vor Corona - bedient werden können.

Handwerkskammer fordert Öffnung Mitte Februar

Unterdessen hat die Handwerkskammer Südthüringen gefordert, die Friseure und Kosmetiksalons Mitte Februar wieder zu öffnen. Kammerpräsident Manfred Scharfenberger sagte, die Betriebe hätten die Hygienestandards in den vergangenen Monaten auf ein sehr hohes Niveau gebracht und viel investiert.

Die Innungsmeisterin des Frisörhandwerks in Thüringen Sybille Hain beklagt, dass Hilfen noch nicht bei den Betrieben angekommen sind. Sie geht davon aus, dass 20 Prozent der Friseurläden infolge der Corona-Pandemie pleitegehen. Das zuständige Gesundheitsministerium reagiert zurückhaltend auf die Forderung. Zum 14. Februar solle abhängig von den Infektionszahlen neu entschieden werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 27. Januar 2021 | 18:00 Uhr

18 Kommentare

Martin Buechner vor 5 Wochen

Der ganze Lockdown ist einfach nur schwachsinnig und schadet nur der Wirtschaft. Wenn irgendwann wieder die Frieseure und der Einzekhandel öffnen wird der Menschenandrang so groß werden, dass die Infektionszahlen wieder nach oben schießen. Wo ist dabei der Sinn? Da kann doch eigentlich auch alles einfach offen bleiben mit weiniger Menschanandrang und gleichbleibender Kundenanzahl.

Tpass vor 5 Wochen

Alles auf ??? Vernünftige Konzepte und Möglichkeiten schaffen und dann aber bitte nicht alle auf einmal in die Stadt rennen!!! Oder was glauben sie was passiert? Es ist doch wichtiger Freiraum zu schaffen für Demonstranten und bald ist Wahlkampf!!! Selbst in Erfurt wundern sich Menschen also Bürgermeister oder so das es nicht in ihr Konzept passt das bestimmte Zielgruppen über das Ziel hinausschießen. Globus und andere Großmärkte haben offen ohne das offensichtlich 🙄 eine große Sicherheitskontrolle stattfindet. Also das kann ein kleines Geschäft und Laden genau so und auch Fitness 💪🏼 Studios hatten und haben gute Regeln geschaffen. In Schulen 🏫 und Öffentlichen Einrichtungen ist es leider schief gelaufen da ja keiner wußte das wir eine zweite Welle bekommen würden. Diese Verantwortlich en sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden und nicht die armen Verkäuferinnen oder Gewerbetreibenden. Überall andere Variationen der Verordnungen und Einschränkungen. Warum nicht mal zusammen.

Critica vor 5 Wochen

Spiegel-online meldet, dass das Bundesland Bremen erlaubt, dass Friseure die Kunden zu Hause besuchen und frisieren.
Wieder solch eine Unlogik im Zusammenhang mit Corona. Ob sich Kunden im Salon anstecken (was nicht passiert, weil alles clean ist) oder ob der Friseur das Virus von Haus zu Haus (Kunde zu Kunde) trägt, ist doch völlig wurscht. Oder?

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