Rudolstadt Historische Röntgenröhre nachgebaut

Vor 125 Jahren veränderten sie die Welt: die Röntgenstrahlen. Conrad Röntgen entdeckte sie 1895 in einem Labor in der Universität Würzburg. Seine Entdeckung war eine weltweite Revolution für die Diagnose in der Medizin: Zum ersten Mal konnten Ärzte damit in den menschlichen Körper hineinschauen. Im Röntgenwerk von Siemens in Rudolstadt haben Mitarbeiter zu diesem Jubiläum die historische Röntgenröhre nachgebaut.

von Stefanie Reinhardt

Ein Mann hält die Röntgen-Röhre in seinen Händen, dabei trägt er Handschuhe.
Ein Wunder der Technik - Jörg Linke, Glasbläsermeister im Siemens Röntgenwerk in Rudolstadt, mit der originalgetreu nachgebauten historischen Röntgenröhre der Welt. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Das Wunder der Technik wirkt zerbrechlich und ist doch stabil: Die Röntgenröhre von 1896 ist eine filigrane Glaskugel, von der drei kurze Glasröhren abgehen. In ihr befinden sich zwei Metallpole - die Anode und die Kathode - die unter Strom die Röntgenstrahlen erzeugen.

Glasbläsermeister Jörg Linke hat der Nachbau so manche schlaflose Nacht bereitet. "Ich brauchte Fakten", sagt er. "Aber diese Fakten hatte ich nicht."

Röntgen-Röhre wird von einer Person mit beiden Händen gehalten. Dabei trägt diese Person weiße Handschuhe.
Die Röhre wird nur mit "Samthandschuhen" angefasst. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Deshalb machte er sich auf die Suche nach Informationen, wie die historische Röhre vor 125 Jahren gebaut worden sein könnte. Er recherchierte im Internet, reiste zum Glasmuseum nach Gehlberg und nahm dort ähnliche historische Röntgenröhren unter die Lupe. Über einen Sammler aus Nordrhein-Westfahlen konnte er schließlich eine Original-Röntgenröhre von 1896 ausfindig machen. Die Röhre kam ins Werk nach Rudolstadt und wurde sozusagen erst einmal selbst durchleuchtet: mit moderner Technik wurde sie gescannt und eine technische Zeichnung von ihr erstellt.

Dann machte sich Jörg Linke an die Arbeit, fertigte Skizzen an, tastete sich heran. Größte Herausforderung für den Glasbläser mit 40 Jahren Berufserfahrung: die Röntgenröhre in Handarbeit nachzubauen.

Das Prinzip heute ist zwar noch das gleiche, aber natürlich hat sich viel verändert in der Produktion der Röhren.

Jörg Linke Glasbläsermeister

Denn seit damals hat sich viel verändert. Zum Beispiel das Glas. "Das war damals viel weicher“, sagt er. Linke testete immer wieder, bis ihm die richtige Mischung gelang. Danach musste das richtige Material für die Glas-Metallverbindungen in der Röhre gefunden werden. Die Mechaniker des Röntgenwerks in Rudolstadt bauten schließlich die Technik ein, mit der die Röntgenstrahlen erzeugt werden.

Röntgen-Röhre in Vitrine.
So sehen die Röhren heute aus. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Inzwischen hat er gemeinsam mit den Mechanikern zehn historische Röhren angefertigt. Die sollen nun auf Reisen gehen, sagt Martin Andris, der die Siemens Healthcare GmbH mit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Rudolstadt leitet. Zum Beispiel zur Universität Würzburg, ins Siemenseigene Museum in Erlangen, nach China oder zu einem Röntgenkongress auf den Philippinnen. "Eine Röhre wird natürlich in unserem Museum hier im Werk in Rudolstadt bleiben."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Februar 2020 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 15:31 Uhr

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