Mühlenfähre
Die Mühlenfähre bringt Pendler über den Hohenwarte-Stausee. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Eine Fahrt mit der Mühlenfähre In fünf Minuten über den Hohenwarte-Stausee

In dieser Woche ist Thüringens einzige Autofähre in die Sommersaison gestartet. Jeden Tag von neun bis 17 Uhr pendelt die Fähre zwischen Linkenmühle und Altenbeuthen. Für Urlauber und Pendler am See ist die Fähre die einzige Möglichkeit, den Stausee mit dem Auto zu überqueren. Mit dem Wiederaufbau der Linkenmühlebrücke könnte sich das ändern. Einen ersten Schritt dazu gab es am Gründonnerstag.

von Stefanie Reinhardt

Mühlenfähre
Die Mühlenfähre bringt Pendler über den Hohenwarte-Stausee. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Jeden Morgen ab neun Uhr steht Fährmann Jörg Schein bereit: Mit der Mühlenfähre pendelt er von der Anlegestelle unterhalb des Gasthauses Linkenmühle rüber auf die andere Seite des Hohenwarte-Stausees. 400 Meter lang ist die Strecke, fünf Minuten dauert die Fahrt nach Altenbeuthen. Bis zu drei Autos passen drauf. Vor allem Urlauber fahren mit. Aber auch Anwohner nehmen die Fähre über den See. "In der Woche ist das meist überschaubar", sagt der Fährmann. "Am Wochenende zähle ich nicht mehr mit, wie oft wir hin und her fahren, es geht ständig hin und her." Meistens stehe die Fähre ab den Mittagsstunden bis zum Abend nicht mehr still.

Leinen los heißt es bei fast jedem Wetter. "Außer bei Gewitter und Sturm", sagt Jörg Schein. "Das lassen wir lieber vorbeiziehen." Denn viel Tiefgang habe die Fähre nicht. "Gerade mal 70 Zentimeter reicht der Bug ins Wasser", sagt Schein. Seit zehn Jahren steuert er die Fähre, von April bis Oktober geht es über den See. In der kalten Jahreszeit wechselt er das Steuerrad der Fähre gegen das Lenkrad eines Busses des Busunternehmens Kombus. Das betreibt auch die Fähre seit 1995 auf dem See.

Linkenmühlebrücke soll wieder aufgebaut werden

Luftbild von der Brücke Linkenmühle vom 08.04.1945. Die Brücke über die Saale ist unbeschädigt.
Luftbild von der unbeschädigten Brücke Linkenmühle vom 08.04.1945. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Auf der 400 Meter langen Fahrt gibt es außer dem Blick auf die Berge noch etwas zu sehen: Die steinernen Widerlager der Linkenmühlebrücke, die hier bis 1945 stand. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke zerstört. Schon seit Jahren gibt es politische Bestrebungen, sie wieder aufzubauen. Allen voran der ehemalige Landrat von Saalfeld-Rudolstadt und Fuhrunternehmer Hartmut Holzhey. Mit Hochseilartisten lenkte er den Blick der Öffentlichkeit im April 2018 auf den Bau einer Brücke über den See. Für viele Anwohner am Ufer in Altenbeuthen wäre die Brücke ein Gewinn, so Holzhey. Die beiden Landkreise sehen mit dem Bau auch Chancen, den Tourismus am Thüringer Meer anzukurbeln.

Kritik kommt dagegen von einigen Gastgebern am Stausee. Zum Beispiel von Dörte Fröhlich, die den Campingplatz oberhalb der Linkenmühle betreibt. "Ich sehe in der Brücke keinen großen touristischen Gewinn", sagt sie. "Unsere Gäste kommen ja gerade wegen der Unberührtheit und der Ruhe am Rande des Naturschutzgebietes hierher", sagt sie. Das Geld für die Brücke wäre besser in den Ausbau von Straßen, Rad- und Wanderwegen investiert, meint sie.

Was wird aus der Mühlenfähre?

Währenddessen werden die Pläne für die Brücke langsam konkret. Am Gründonnerstag trafen sich die beteiligten Politiker in Altenbeuthen. Die beiden Landräte von Saalfeld-Rudolstadt und dem Saale-Orla-Kreis, die Bürgermeister der Gemeinden Gössitz und Altenbeuthen sowie der Staatssekretär des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur setzten ihre Unterschrift unter eine gemeinsame Absichtserklärung, die Brücke bauen zu wollen.

Wie der Landrat von Saalfeld-Rudolstadt, Marko Wolfram (SPD), MDR Thüringen sagte, werden damit die ersten beiden Planungsphasen für den Bau gestartet. "Dabei sollen mögliche Varianten für eine Brücke geprüft werden", sagt Wolfram. Außerdem solle ein Planungsbüro beauftragt und die voraussichtlichen Baukosten berechnet werden. "Mit den Ergebnissen wird im Herbst 2019 entschieden, ob die Brücke zwischen Linkenmühle und Altenbeuthen gebaut wird“, sagt Wolfram. Für die Mühlenfähre geht die Fahrt also erstmal weiter. Dietmar Wurmb, Betriebsleiter von Kombus in Saalfeld, sagte MDR Thüringen: "Auch wenn die Brücke einmal da ist, wird es die Fähre noch geben. Möglicherweise aber an einer anderen Stelle."

Hohenwarte-Stausee Mühlenfähre startet in die Saison

Die Mühlenfähre startet in die neue Saison. Thüringens einzige Autofähre fährt wieder täglich von neun bis 18 Uhr zwischen den Anlegestellen in Altenbeuthen und Linkenmühle am Hohenwarte-Stausee.

Mühlenfähre
Gerade mal fünf Minuten dauert die Fahrt über den Stausee von Linkenmühle nach Altenbeuthen. Bis zu drei Autos passen auf die Mühlenfähre - die zugleich Thüringens einzige Autofähre ist. Außerdem fahren auch Wanderer und Fahrradfahrer mit. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt
Mühlenfähre
Gerade mal fünf Minuten dauert die Fahrt über den Stausee von Linkenmühle nach Altenbeuthen. Bis zu drei Autos passen auf die Mühlenfähre - die zugleich Thüringens einzige Autofähre ist. Außerdem fahren auch Wanderer und Fahrradfahrer mit. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt
Fährmann Jörg Schein
Fährmann Jörg Schein steuert seit zehn Jahren die Mühlenfähre über den Hohenwartestausee. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt
Mühlenfähre Hohenwartestausee
Von der Anlegestelle unterhalb des Gasthauses Linkenmühle am Hohenwartestausee geht es für die Mühlenfähre auf große Fahrt - Richtung Anlegestelle Altenbeuthen. Rund 400 Meter geht es quer über den See. Seit 1994 fährt die Fähre jeden Tag über den See - immer von April bis Oktober. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt
Blick zum Widerlager Altenbeuthen
Der Blick vom Widerlager der einstigen Brücke (Seite Linkenmühle), die im Zweiten Weltkrieg 1945 zerstört wurde. Gegenüber sieht man das Widerlager bei Altenbeuthen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt
Widerlager Linkenmühle
Blick auf das Widerlager an der Linkenmühle. Oben sieht man das Gasthaus. Der Bau einer Brücke zwischen Linkenmühle und Altenroth ist schon lange Thema in der Region. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 18. April 2019 | 18:26 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2019, 15:43 Uhr

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8 Kommentare

20.04.2019 16:12 Marko Fischer 8

Endlich tut sich was, nur leider vieeel zu langsam. Ich hoffe, dass das Projekt auch umgesetzt wird. Ich gehe auch davon aus, dass es unser Landrat Marko Wolfram ehrlich meint, etwas anderes würde ich ihm nicht zutrauen. Er unterstützt auch unsere Initiative für den Bau eines Radwege von der Staumauer zur Lothramühle. Ärgerlich empfinde ich nur das auch hier wieder hochkommen Dagegensein. Daran krankt Deutschland und so lassen sich kaum noch Großprojekte in akzeptabler Zeit oder überhaupt umsetzen, schrecklich. Da braucht sich niemand zu wundern, dass wir links und rechts überholt werden. Aber Meckern ist gerade schick und auch viel einfacher, als an Lösungen mitzuarbeiten.

20.04.2019 13:30 Marko Wolfram 7

Leider ist mit Ergebnissen der Planung noch nicht im Herbst zu rechnen. Wir versuchen den Planungsauftrag bis Herbst zu vergeben. Es muss europaweit ausgeschrieben werden. Die Planung dauert ca. 1 bis eineinhalb Jahre.

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