Rudolstadt | Gera Drogenhändler-Bande muss sich vor Gericht verantworten

Zehn Jahre lang soll in Rudolstadt eine Drogenhändlerbande aktiv gewesen sein. Laut Anklage besorgten und verkauften die Mitglieder Marihuana und Crystal Meth. Seit Dienstag müssen sich drei von ihnen vor dem Landgericht Gera verantworten.

Drogen Dealer (Symbolbild)
Der Dealer im Schrebergarten: Eine Drogenhändler-Bande muss sich vor Gericht verantworten. Bildrechte: Colourbox

Es dauert fast eineinhalb Stunden bis alle Anklagepunkte verlesen sind. Bei den allermeisten geht es um illegalen Drogenhandel, aber auch gefährliche Körperverletzung, Anstiftung zum Raub, unerlaubter Waffenbesitz und sogar Beihilfe zu versuchtem Totschlag sind angeklagt.

Auf der Anklagebank sitzen Vater (49) und Sohn (27), beide in Georgien geboren, daneben ein 35-Jähriger Deutscher. Andere Bandenmitglieder sind inzwischen zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Einer von ihnen hat umfassend ausgesagt.

Drogenboss und Sozialleistungsempfänger

Den 49-Jährigen Angeklagten aus dem aktuellen Verfahren nennt der Staatsanwalt den Kopf der Bande. In den etwa zehn Jahren, in denen die Bande den Ermittlungen zufolge tätig war, soll der Chef mehr als 200.000 Euro verdient haben. Nebenbei kassierte er auch Sozialleistungen. Sein Sohn sei als Strohmann und Urlaubsvertretung tätig gewesen, heißt es in der Anklage. Dem 27-Jährigen werden nur drei Taten zur Last gelegt.

Der 49-Jährige soll den Drogenhandel organisiert haben. Er habe den Stoff besorgt und an Zwischenhändler weitergegeben, sagt der Staatsanwalt. Über Jahre hinweg sei ein Kleingarten in Rudolstadt-Schwarza so etwas wie das Ladengeschäft gewesen, geöffnet täglich zwischen 15 und 18 Uhr.

Anfangs soll der Haupangeklagte die Drogen in 100-Gramm-Päckchen zur Verfügung gestellt haben. Offenbar liefen die Geschäfte gut, im Sommer 2018 kamen die Drogen dann in 500-Gramm-Paketen.

Auch Schutzgeld-Erpressung und Gewalttaten angeklagt

Die Mitglieder der Bande seien einschüchternd und gewalttätig gegenüber anderen aufgetreten. So hätten Dealer, die ihre Ware nicht von dem 49-Jährigen bezogen, Schutzgeld zahlen müssen.

In einem Fall hätten die Angeklagten einem Bekannten bei einer schweren Straftat Beihilfe geleistet. Der Bekannte wollte sich am Geliebten seiner Ehefrau rächen - er hatte kurz zuvor von der Affäre erfahren. Die Angeklagten sollen den Mann zum Wohnort des späteren Opfers gefahren und nicht eingegriffen haben, als der Bekannte seinen Nebenbuhler mit einem Messer schwer verletzte. Das Opfer überlebte nur durch eine sofortige Notoperation.

Zu all diesen Vorwürfen schweigen die Angeklagten. Es müssen also zu allen Anklagepunkten Zeugen gehört werden. Es wird also ein langer und aufwendiger Prozess. Fast 60 Verhandlungstage hat das Geraer Landgericht für das Verfahren vorgesehen. Mit einem Urteil wird nicht vor Ende Mai 2020 gerechnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | THÜRINGEN JOURNAL | 01. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

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