Wegen "Mobbing und Heuchelei" Ex-Landeschef der Thüringer Grünen Wernicke verlässt Partei

Der frühere Landeschef der Thüringer Grünen, Rainer Wernicke, ist aus der Partei ausgetreten. Demnach wirft der 55-Jährige der Parteispitze "Mobbing und Heuchelei" vor. Politische Überzeugungen, fachliche oder soziale Kompetenz spielten nur eine untergeordnete Rolle, so Wernicke.

Vierseitige Abrechnung per Mail

Stephanie Erben und Rainer Wernicke, 2015
Rainer Wernicke im Jahr 2015 mit der Landesvorsitzenden der Thüringer Grünen Stephanie Erben Bildrechte: dpa

Die Entscheidung sei seit Langem in ihm gereift. Seinen nun erfolgten Austritt verband Wernicke mit einer Abrechnung mit der Landesspitze der Grünen. "Es geht leider stets um den Machterhalt beziehungsweise die Machterlangung einzelner Personen", erklärte in einem Schreiben an die Partei. "Grüne Bigotterie - oder eine schmerzhafte Trennung", so lautet der Titel einer vierseitigen Mail, in der Wernicke mit der Parteispitze abrechnet. Da ist von Mobbing und Heuchelei die Rede, von Verlogenheit und vorsätzlichem Gesetzesbruch. "Im Kampf um die persönliche Existenz werden auch Grüne zu Hyänen", heißt es in der Mail.

Besonders scharf geht Wernicke mit der Co-Vorsitzenden Stephanie Erben ins Gericht. So soll Erben ohne Baugenehmigung eine zum Einfamilienhaus umgebaute Datsche bewohnen. Den Co-Vorsitzenden Denis Peisker nennt Wernicke einen "ehrenamtlichen Teilzeit-Landessprecher", der nur an seiner weiteren Karriere nach einem möglichen Ende als Baudzernent bastelt. Wernicke selbst sieht sich als Opfer von Rufmord, dem sogar strafbare Handlungen unterstellt wurden, um ihn auszuschalten.

Parteispitze reagiert gelassen

Die Parteispitze der Thüringer Grünen reagierte gelassen auf Wernickes Entscheidung. Die beiden Co-Vorsitzenden Erben und Peisker sagten MDR THÜRINGEN, der Austritt sei zwar bedauerlich, komme aber wenig überraschend. Während Wernickes Amtszeit sei es parteiintern häufig zu schwierigen Auseinandersetzungen gekommen. Die Partei sei damit immer vertrauensvoll umgegangen. Kritik, wie es sie von Wernicke an der Arbeit der Partei gab, aber auch Kritik, wie es sie aus der Partei in großem Maße an der Arbeit von Rainer Wernicke gab, sei stets in den zuständigen Gremien sachlich diskutiert worden. Der Austritt von Rainer Wernicke werde respektiert. Die Parteispitze erwarte, dass Wernicke von in der Sache haltlosen persönlichen und öffentlichen Angriffen absehe.

An den Vorwürfen die Reiner Wernicke aufgemacht hat, ist nichts dran. Sie sind substanzlos.

Stephanie Erben, Landessprecherin Bündnis 90/Die Grünen

Frustration über "Führungselite"

Der 55-jährige Wernicke war im Oktober 2015 überraschend an die Spitze der Landespartei gewählt worden. Bei der Neuwahl des Landesvorstandes im November 2017 zog er seine erneute Kandidatur kurzfristig zurück. Schon damals hatte Wernicke erklärt, nicht mehr an der Seite der wiedergewählten Co-Vorsitzenden Erben arbeiten zu wollen, weil sie nicht offen für neue Ansätze sei.

Wernicke war nach eigenen Angaben sieben Jahre Mitglied der Grünen. Er sei nicht der Einzige, der die Partei verlassen wolle, erklärte er. Aus Gesprächen mit Basismitgliedern wisse er "von der Frustration mit der grünen Führungselite in Thüringen". Einige seien bereits ausgetreten, andere haderten noch. Die Grünen in Thüringen zählen aktuell rund 720 Mitglieder und stellen mit Anja Siegesmund und Dieter Lauinger die Umweltministerin und den Justizminister.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 22. März 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2018, 19:29 Uhr

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26 Kommentare

24.03.2018 09:59 Steuerzahler 26

@24: Jedermensch hat das Recht zur Umkehr. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum jüngere Menschen tendenziell linker wählen. Kurzum: Lebenserfahrung.

24.03.2018 07:07 D.o.M. 25

Nein, das glaube ich jetzt alles nicht. Die Grünen sind nämlich die moralischen Übermenschen, nahezu elfengleich in ihrem Selbstanspruch auf ideologische Vormundschaft. Da kann so etwas nicht passieren.

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