Ostthüringen LKA zieht Ermittlungen zu Sprengstoff-Fund an sich

Das Thüringer Landeskriminalamt hat die Federführung bei den Ermittlungen gegen zwei mutmaßliche Bombenbauer aus Ostthüringen übernommen. Das teilte die Behörde am Sonnabend mit. Zwar sei das LKA schon von Anfang an in die Ermittlungen einbezogen gewesen. Jedoch habe es nun nach Abstimmung mit dem Innenministerium und der Landespolizeiinspektion Saalfeld die Führung des Verfahrens an sich gezogen. Bislang habe diese bei der Polizei in Saalfeld gelegen.

Neubau des Landeskriminalamtes in Erfurt
Das Landeskriminalamt in Erfurt Bildrechte: IMAGO

Die Polizei hatte am 13. März zwei Männer im Alter von 25 und 31 Jahren festgenommen und mehrere Wohnungen in Rudolstadt und Uhlstädt-Kirchhasel untersucht. Dabei wurden mehrere Kilogramm Chemikalien sichergestellt, die zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden können. Laut Staatsanwaltschaft Gera wurden sowohl Buttersäure als auch Magnesium- und Schwefelpulver in erheblichen Mengen gefunden, außerdem Calciumcarbid. Auch bereits fertiger Sprengstoff wurde entdeckt. Bei der Durchsuchung fanden die Polizisten zudem eine Schreckschusswaffe und eine Cannabis-Aufzuchtanlage.

Die Ermittler waren durch einen Zeugenhinweis auf die Tatverdächtigen aufmerksam geworden. Die beiden Männer sind auf freiem Fuß. Ihnen wird vorgeworfen, ein Explosions- und Strahlungsverbrechen vorbereitet zu haben. Laut einem Bericht der Zeitung Welt am Sonntag bestreiten sie mögliche Anschlagspläne, bestätigten aber die Herstellung von Bombenmaterial und die Lagerung von Chemikalien.

Thema im Landtag

Politische Brisanz erhält der Fall auch dadurch, dass der 31-Jährige früher Sprecher des regionalen "Bündnisses für Zivilcourage und Menschenrechte" war. Das Bündnis war 2016 von der damaligen Bildungsministerin Birgit Klaubert mit einem Anerkennungspreis zum Thüringer Demokratiepreis ausgezeichnet worden. Es hatte sich am Dienstag nach Bekanntwerden des Vorfalls von seinem ehemaligen Mitglied distanziert. Der Landtag wird sich in der kommenden Woche mit dem Sprengstoff-Fund beschäftigen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring sagte der Zeitung Welt am Sonntag, das "tagelange, geradezu dröhnende Schweigen der kompletten Landesregierung dazu ist mehr als befremdlich. Innenminister Georg Maier widersprach. "Wir nehmen diesen Vorfall ausgesprochen ernst", sagte er der Zeitung. Er sei nach dem ihm vorgelegten ersten Berichten dazu "sehr alarmiert" gewesen, weil die Dimension der sichergestellten Chemikalien gewaltig sei. Einen politisch motivierten Hintergrund will der SPD-Politiker nicht ausschließen. "Wir haben es in Thüringen sehr viel mit rechtsextremer Gewalt zu tun, aber die Eskalation linksextremer Gewalt beim G20-Gipfel in Hamburg hat gezeigt, dass es auch auf dieser Seite des Spektrums ein gefährliches Potenzial gibt." Er halte es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass die Ermittlungen in ein kleinkriminelles Milieu führen könnten.

Grünen-Fraktionschef Dirk Adams sagte der Welt am Sonntag, man wolle die Ermittlungen der Polizei zunächst abwarten. Man erwarte aber, dass die Landesregierung in der nächsten Sitzung des Innenausschusses über den Fall berichte. Die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss sagte der Zeitung, der Fall habe sie entsetzt. Anwendung von Gewalt widerspreche völlig ihren Vorstellungn vom Zusammenleben. Sie bedauere es sehr, dass nun auch die Arbeit des Bürgerbündnisses diskreditiert werde. Dieses habe große Verdienste im Kampf gegen den Rechtsextremismus.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2018, 17:39 Uhr

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52 Kommentare

19.03.2018 14:52 Eulenspiegel 52

Die Frage ist doch: Was weiß man nun eigentlich wirklich? Da sind zwei junge Männer die offensichtlich sich ein großen Berg an Chemikalien angelegt haben. Ein Großteil davon sind frei verkäuflich. Da sind sicher auch einige Sachen bei die sie so nicht haben dürften. Alles Andere ist bis jetzt Spekulation. Aufgefallen sind sie weil sie eben dies frei verkäuflichen Chemikalien in auffällig großen Mengen bezogen haben. Ein Vorstrafenregister haben dies jungen Männer offensichtlich nicht. Außerdem waren sie offensichtlich nur in friedliche Gruppen aktiv wie z.B. das Bündnisses für Zivilcourage und Menschenrechte. Also da bin ich wirklich gespannt was das LKA da herausfindet.

19.03.2018 11:02 Wo geht es hin? 51

@Steuerzahler - Zitat von Ihnen: "Was bezweckt der mdr?" Zitat Ende. Ich fasse Ihre Frage mal so auf, dass sie nur rein rethorischer Natur ist...

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