Kultur-Baustelle Theater Rudolstadt bereitet Spielbetrieb für September vor

Das Landestheater in Rudolstadt will im Herbst neu starten. Dafür wurde der gesamte Spielplan neu geschrieben. Schon ab Mitte Juni soll es die ersten Konzerte und Aufführungen unter freiem Himmel geben.

Betonplatte auf Kellerniveau.
Die Bodenplatte muss nun trocknen. In wenigen Wochen soll dann auch die Fassade des Theatergebäudes - auf Höhe des Kellers - mit Betonteilen umfasst werden. Bildrechte: MDR/Friederike Lüdde/Theater Rudolstadt

Wenn der Intendant des Theaters Rudolstadt an den nächsten Herbst denkt, dann rechnet er vor allem mit einer Zeit, die anders sein wird. "Wir werden im September in eine andere Republik zurückkehren", sagt Steffen Mensching.

Logo MDR 9 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es wird die Frage gestellt werden, wie soll diese Gesellschaft funktionieren?" Viele Fragen würden anstehen, meint Mensching. Zum Beispiel: Wird die Gesellschaft demokratischer, gerechter oder solidarischer? Oder: autoritärer und geprägt von deutlicher staatlicher Kontrolle? "Diese Fragen werden uns als Theater neu und anders provozieren und von uns Antworten und Gesprächsangebote verlangen", sagt Mensching.

Der für den September eigentlich schon lange vorbereitete Spielplan sei deshalb neu geschrieben worden. Einige Stücke wurden aus dem Programm genommen, weil sie inhaltlich nicht mehr in die Zeit der Corona-Epidemie passten. Sie wurden ersetzt durch neue Themen. "Das sind vor allem Themen, die die Menschen beschäftigen", sagt Mensching. So wird es als erste Premiere im September das Stück "Ellenbogen Ellenbogen" geben, in dem es um das Zusammenleben in unserer Gesellschaft geht.

350.000 Euro Einnahmeverluste durch Corona-Krise

Einige Stücke aus dieser Spielzeit werden nachgeholt. Zum Beispiel die große Musik-Produktion der Dreigroschenoper von Berthold Brecht und das Dschungelbuch von Rudyard Kipling, ein Theaterstück für Kinder und Jugendliche. Insgesamt stehen ab September 21 Premieren auf dem Programm. Ob alles so wie geplant stattfinden kann, hängt davon ab, wie sich die Corona-Epidemie entwickelt, weiß Mensching. "Vieles was wir jetzt planen, wird sich vielleicht als vorläufig herausstellen." Da seien alle Theater in einer ähnlichen Situation.

Szenenfoto: "Hase Hase" am Theater Rudolstadt
Szenenfoto: "Hase Hase" am Theater Rudolstadt. Bildrechte: Lisa Stern

Infolge der Corona-Krise rechnet das Theater Rudolstadt mit etwa 350.000 Euro weniger Einnahmen, sagt der Verwaltungsdirektor des Theaters, Mathias Moersch. Im April seien viele Mitarbeiter vorübergehend in Kurzarbeit geschickt worden. "Allerdings ist unklar, wie sich die Verluste langfristig auf den Betrieb des Theaters auswirken", sagt er. Denn: Für die abgesagten Aufführungen seien im Umkehrschluss auch keine Gelder ausgegeben worden. Ab Juni könnte sich die Lücke außerdem bereits etwas schließen. Dann soll es anstelle des Sommertheaters erste Konzerte und Aufführungen unter freiem Himmel auf mehreren Bühnen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt geben.

Bauarbeiten für Hochwasserschutz des Großen Hauses begonnen

Während die Bühnen des Theater noch leer bleiben, ist in den vergangenen Wochen wieder Leben auf die Baustelle des Großen Theaterhauses gezogen. Mitte Mai wurde eine 50 Zentimeter dicke Betonschicht zum Schutz vor dem Grund- und Hochwasser aus der Saale um das Gebäude herumgegossen. In einigen Wochen sollen weitere Betonteile auf Höhe des Kellers an der Fassade des Theatergebäudes angebracht werden. Das Gebäude war zuvor bis in eine Tiefe von rund fünf Metern unter der Erdoberfläche freigelegt worden.

Mit einer Betonpumpe wird eine 50 Zentimeter dicke Bodenplatte neben das Fundament des Theaters gegossen.
Mit einer Betonpumpe wird eine 50 Zentimeter dicke Bodenplatte neben das Fundament des Theaters gegossen. Bildrechte: MDR/Friederike Lüdde/Theater Rudolstadt

Die Bauarbeiten zum Schutz vor Hochwassern und zur Beseitigung von Schäden durch das Hochwasser 2013 hatten Anfang 2017 begonnen. Eigentlich war geplant, das Theatergebäude zur Spielzeit im Herbst 2019 wieder zu eröffnen. Wegen Unstimmigkeiten mit dem beauftragten Generalplaner hatten sich die Bauarbeiten aber deutlich verzögert. Nach den Arbeiten zum Hochwasserschutz soll das Theaterhaus außerdem einen Anbau erhalten, in dem das Foyer untergebracht wird. Außerdem wird die Bühnentechnik erneuert.

Verwaltungsdirektor Moersch hofft, dass das Theaterhaus ab der Spielzeit 2021/2022 wieder genutzt werden kann. Solange müssen die Theatermitarbeiter noch auf das Theater im Stadthaus und den Meininger Hof in Saalfeld ausweichen. Ob im Theater im Stadthaus oder draußen auf der Schlossterrasse der Heidecksburg: Für Intendant Steffen Mensching ist der Neustart des Theaterbetriebs umso entscheidender, damit das Theater seine Existenzberechtigung nicht verliere: "Theater hat eine wichtige Funktion für die Gesellschaft, Konflikte aufzuzeigen und Menschen zu ermuntern", sagt er. "Und in solchen Zeiten, in denen wir jetzt stecken, umso mehr."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 29. Mai 2020 | 18:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Saalfeld - Pößneck - Schleiz - Eisenberg

Mehr aus Thüringen