Ehrenamt Hans-Jürgen Mortag aus Rottenbach ist "Thüringer des Monats" September

Die landschaftsprägenden Streuobstwiesen und die Vielfalt der alten Apfelsorten sind ein wichtiges Kulturgut. Dieses zu pflegen und zu erhalten, dafür setzt sich Hans-Jürgen Mortag seit vielen Jahren mit sehr viel Leidenschaft und Herzblut ein. Deshalb haben wir ihn im Apfelmonat September gemeinsam mit der Thüringer Ehrenamtsstiftung für sein außerordentliches Engagement ausgezeichnet.

Hans Jürgen Mortag ist Thüringer des Monats
Der Apfel fällt nicht weit von Stamm: Die Liebe zu den verschieden Apfelsorten hat Hans-Jürgen Mortag von seinen Großvätern geerbt. Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

In Deutschland gibt es schätzungsweise noch zwischen 2.000 und 3.000 Apfelsorten. Es sei wichtig, diese Gene zu erhalten, sagt Hans-Jürgen Mortag. Denn in den Einkaufsmärkten hätte jedes Geschäft meist nur noch fünf Sorten und diesen fehlten meist die gesundheitsfördernden Polyphenole als Inhaltsstoffe. Diese sorgen dafür, dass manche alte Apfelsorte sogar für Allergiker geeignet ist. "Das soll ja alles nur noch knacken - schmecken müssen die ja nicht mehr", sagt der 73-jährige Pomologe aus Leidenschaft über die Braeburns, Elstars, Topaz-Äpfel und Co. im Supermarktregal.

Faszinierendes Hobby seit der Kindheit

Sein Opa schwärmte vom "Gloria mundi", dem "Ruhm der Welt", erzählt Hans-Jürgen Mortag. Das ist ein ganz großer schöner Kuchenapfel. "Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden und hatte das Glück, dass sich beide meiner Großväter intensiv mit Obst beschäftigt haben." Sie haben damals schon Bäume veredelt und ihre Nachbarn unterstützt. Noch heute kann man die Früchte ihres Wirkens zum Beispiel in Pfarr- oder Schulgärten der Umgebung finden. Schon die Namen wie Gravensteiner, Finkenwerder Herbstprinz oder Dülmener Rosenapfel verraten die alt-ehrwürdige Herkunft dieser Sorten.

verschiedene alte Apfelsorten
Wer zu einer Apfelschau von Hans-Jürgen Mortag kommt, wird überrascht sein, wie viele wohlschmeckende alte Apfelsorten es gibt, von denen wir im Supermarkt noch nie gehört haben. Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

Für unseren Thüringer des Monats war die Beschäftigung mit der Vielfalt der Arten immer ein Hobby, ein Ausgleich zu seinem Beruf als Anlagenbauer. Und in den inzwischen zehn Jahren seines "Unruhestandes" ist es ein echter Vollzeit-Job für ihn geworden. Er ist als Experte gefragt und es wird immer mehr Arbeit.

Obstbäume wollen das ganze Jahr Pflege

Auf der Streuobstwiese von Hans Jürgen Montag
Auf der Streuobstwiese verbringt Hans-Jürgen Mortag den größten Teil seines Ruhestandes. Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

Mit dem Baumschnitt beginnt Hans-Jürgen Mortag im Januar. Danach kommt das Veredeln dran - und zwar sortenspezifisch, das ist ganz wichtig. Ab dem Sommer sammelt er Äpfel für seine umfangreichen Sortenschauen, und die Früchte können jedes Jahr etwas anders aussehen, weiß er: Das komme vom unterschiedlichen Zusammenspiel von Hitze und Kälte. So war im vergangenen Jahr die Sorte Gala hauptsächlich gelb und kaum rot gefärbt, weil die Nächte nicht kalt genug waren.

"Ich bin mit dem Obst verbandelt. Die Natur und ich, wir sind eins. Man muss die Natur jeden Tag erleben. Man muss dabei sein und muss erleben: Was macht denn die Natur jedes Mal?", sagt er. Und so kennt er auch zwei gefährliche Feinde der Obstbäume allzu gut: die Trockenheit und den Käfer. Besonders wichtig sei es, die Obstbäume vor Weihnachten noch einmal richtig zu wässern. Und er warnt davor, dass Splintkäfer und Holzbohrer in den Obstbaumbeständen ähnlich große Schäden anrichten können wie ihr Bruder, der Borkenkäfer, im Wald. Deshalb müssten die Bäume immer gut beobachtet und befallenes Holz sofort verbrannt werden.

Veredeln von Obstgehölze 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Guter Rat als Investition in die Zukunft

Gerade hat Hans-Jürgen Mortag sein erstes Buch über Apfelsorten - die Pillnitzer - herausgebracht, zusammen mit Enkeltochter Luise, die für die Fotos verantwortlich ist. Seine Kurse zur Baumpflege und seine Vorträge bekommen immer mehr Zulauf. Besonders bei Frauen wächst das Interesse, erzählt er. Sie wollen etwas über die alten Sorten wissen, den Schnitt und das Veredeln lernen. Denn sie sagen: "Wir wollen diese Äpfel, die uns zum Teil krank machen, aus den Supermärkten nicht mehr kaufen. Wir wollen ordentliches Obst essen und auch Gemüse." Auch Großeltern kommen mit ihren Enkeln, weil diese die Tradition weiterführen wollen. Oder Menschen, die neu mit dem Garten beginnen und sagen: "Zeigen Sie uns das mal."

Eine gute Adresse für diese Kontakte und den Wissenstransfer ist der Streuobst-Stammtisch des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, den Hans-Jürgen Mortag mit ins Leben gerufen hat. Etwa 30 bis 40 Teilnehmer kommen zu den Treffen - so wie auch zur Auszeichnung unseres Thüringers des Monats in der Domäne Groschwitz bei Rudolstadt. Zwei Stammtischmitglieder, Wilfried Heinze aus Rudolstadt-Schwarza und Burkhardt Kolbmüller aus Bechstedt, hatten den Pomologen aus Leidenschaft für die Auszeichnung vorgeschlagen. Weil er mit seinem großen Fachwissen und seiner Bekanntheit über Thüringen hinaus viel bewegen könne für den Erhalt der alten Apfelsorten als Kulturgut.

Aktion: Thüringer des Monats "Thüringer des Monats" ist eine Aktion von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit 1994 wird die Auszeichnung vergeben. Das Engagement von Menschen, die in ehrenamtlicher Arbeit Außergewöhnliches geleistet oder sich in besonderer Weise für Mitmenschen in Thüringen eingesetzt haben, wird hiermit besonders gewürdigt.

Eine Jury aus Hörfunk- und Fernsehjournalisten von MDR THÜRINGEN sowie der Thüringer Ehrenamtsstiftung hat die Qual der Wahl: Jeden Monat gehen viele Bewerbungen ein - per Mail oder per Post. Aber nur eine oder einer kann mit dem Titel "Thüringer des Monats" ausgezeichnet werden. Die Jury macht es sich mit der Entscheidung nicht leicht, denn eigentlich hat jede(r) Kandidat(in) diese Auszeichnung verdient.

Im Dezember wird dann aus den 12 Thüringern des Monats von den Hörern von MDR THÜRINGEN, den Zuschauern des MDR THÜRINGEN JOURNAL sowie den Nutzern von MDR.DE der "Thüringer des Jahres" gewählt und im festlichen Rahmen im MDR LANDESFUNKHAUS THÜRINGEN in Erfurt ausgezeichnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. September 2020 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Saalfeld - Pößneck - Schleiz - Eisenberg

Mehr aus Thüringen