Amtsgericht stellte Strafbefehle aus Bombenbastler von Rudolstadt und Kirchhasel verurteilt

Der Fall sorgte deutschlandweit für Aufsehen: Im März 2018 wurden bei zwei Männern im Kreis Saalfeld-Rudolstadt große Mengen Chemikalien beschlagnahmt, mit denen sich Bomben bauen lassen. Jetzt wurden beide verurteilt.

Die Bombenbastler von Rudolstadt und Kirchhasel sind zu Geldstrafen verurteilt worden. Das Amtsgericht Rudolstadt hat in dieser Woche auf Antrag der Staatsanwaltschaft Gera Strafbefehle erlassen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN wurden die beiden Bastler wegen des unerlaubten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen in je zwei Fällen bestraft.

Sollten die Beschuldigten das Urteil akzeptieren, geht damit ein Verfahren relativ glimpflich zu Ende, das in den vergangenen Monaten deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte. Im März vergangenen Jahres hatte die Polizei einen Hinweis erhalten. Es ging um eine große Menge Chemikalien, mit denen eine Bombe gebaut werden könnte. Kurz darauf durchsuchte die alarmierte Polizei mehrere Wohnungen in Rudolstadt und Uhlstädt-Kirchhasel.

Chemikalien und Knallkörper

Gefunden wurden 100 Kilogramm Chemikalien, mit denen sich Sprengstoff herstellen lässt. Außerdem entdeckten die Fahnder einige Gramm des explosiven Erythritoltetranitrat (ETN) und rund 150 selbstgebaute Knallkörper. Bald kursierten Berichte über Ermittlungsfehler und Kompetenzrangeleien innerhalb der Polizei. Einzelheiten über die Beschuldigten drangen nach außen.

Einer der beiden, Jan R., war jahrelang als Sprecher des linken Saalfelder Bündnisses Zivilcourage und Menschenrechte gewesen. Für sein Engagement hatte das Bündnis einen Demokratiepreis der Landesregierung erhalten. Jan R. hatte den Scheck in Erfurt stellvertretend überreicht bekommen.

Vorwürfe der Opposition im Thüringer Landtag

Die Opposition im Thüringer Landtag vermutete daraufhin Verbindungen der Beschuldigten in die linksextreme Szene. Es gab zahlreiche Sondersitzungen des Innenausschusses und der Parlamentarischen Kontrollkommission. CDU und AfD warfen der rot-rot-grünen Landesregierung "Verharmlosung des Linksextremismus" vor. Im Internet mehrten sich Verschwörungstheorien über die Bastler und deren Ziele.

Im August 2018 entschärfte sich die Lage. Recherchen von MDR THÜRINGEN ergaben, dass ein politisches Motiv den beiden Bastlern nicht nachzuweisen ist. Ermittlern des Landeskriminalamts zufolge ging es den beiden Beschuldigten um Spaß beim Herstellen und Zünden von Sprengkörpern. Das LKA sah keine Hinweise, dass die Männer "die sichergestellten Sprengmittel und Chemikalien in der Absicht verwenden wollten, Menschen zu verletzen oder erhebliche Sachschäden herbeizuführen".

Auch ohne ein politisches Motiv drohte den beiden Männern eine Anklage. Die Staatsanwaltschaft Gera verkürzte das Verfahren und beantragte nun Strafbefehle. Der Hauptbeschuldigte soll 160 Tagessätze zu je 20 Euro zahlen. Der zweite Beschuldigte, dem zusätzlich unerlaubter Drogenbesitz zur Last gelegt wurde, soll 90 Tagessätze zu je 30 Euro zahlen. Beide Männer können gegen den Strafbefehl Einspruch einlegen. Dann würde der Fall vermutlich öffentlich vor Gericht verhandelt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. Februar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 09:05 Uhr

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41 Kommentare

04.02.2019 08:39 Oberlausitzer 41

Ich sage ja: erstaunlich wie auf einmal differenziert wird.
Gut das die Staatsanwaltschaft uns durch Erlaß eines Strafbefehls das Gerichtsverfahren erspart hat, in dem man die Hintergründe und Motive hätte erörtern müssen. Ich bin mir sicher die Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaft, und das Interesse der regierenden SED-Nachfolger, solche Geschichten ihrer politischen Anhänger nicht zu sehr breitzutreten, haben damit nichts zu tun.

04.02.2019 07:16 Fakt 40

>>Leepzscher, #39:
"Hier gibt es bei 100 kg Sprengstoff..."<<

Bleiben Sie doch bei den Tatsachen: 100 Kilo Chemikalien, nicht 100 Kilo Sprengstoff! Ist schon ein kleiner Unterschied.

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