Thüringer Wald Wie Saalfeld den Wander-Tourismus ankurbeln will

380 Millionen Wanderungen machen die Deutschen laut dem Deutschen Wanderverband jedes Jahr. Wegen der Corona-Pandemie rechnet der Verband damit, dass es noch mehr werden. Viele Regionen in Thüringen hoffen auf mehr Besucher. Im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wollen Gastgeber und Wanderfreunde die Infrastruktur für Wanderer verbessern - mit Schutzhütten und neuen Wanderwegen.

Wandern im Frühling im Tiefthal, Orphalgrund
Wandern ist beliebt - in Corona-Zeiten noch mehr. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

In ein paar Tagen soll die kleine Schutzhütte im Stadtwald bei Saalfeld wieder Unterschlupf bei Wind und Wetter sein. Im Auftrag der Stadt haben Emmanuel Schlegel und sein Großvater Gert Fuchs das Dach erneuert. Schutzhütten erneuern - seit einigen Jahren machen die beiden das ehrenamtlich. "Das ist mein Ausgleich neben dem Büro", sagt Emmanuel Schlegel, der eigentlich Industriekaufmann ist. Das Handwerkszeug hat er von seinem Großvater gelernt. Das neue Holz für die Schutzhütte hat die Stadt Saalfeld gezahlt.

Die Hütte ist eine von etwa zehn Schutzhütten, die im Saalfelder Stadtwald stehen, sagt Stadtförster Alexander Krieg. Gebaut wurden sie in den 1990er Jahren. "Viele wurden nach der Wende auch über ABM-Projekte gebaut und kommen jetzt in die Jahre, wo die ersten Reparaturen gemacht werden müssen", sagt er. Damals sei viel gebaut worden. Die Pflege der Schutzhütten sei aber oft zu kurz gekommen. Stück für Stück will die Stadt nun die Schutzhütten erneuern. Außerdem sollen neue Schutzhütten gebaut werden. Zum Beispiel in Schmiedefeld, sagt Krieck.

Schutzhütte im Wald
Emmanuel Schlegel erneuert in seiner Freizeit im Auftrag der Stadt Saalfeld eine Schutzhütte im Stadtwald von Saalfeld. Die Hütte war in den 1990er Jahren gebaut worden - als ABM-Projekt. Jetzt ist sie renovierungsbedürftig. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

"Die verschlafenen Bergdörfer aufwecken"

Einige Kilometer weiter auf der Saalfelder Höhe, die mit ihren Orten seit 2018 zur Stadt Saalfeld, gehört, haben Gastgeber, Unternehmer und Wanderfreunde die Initiative ergriffen. Auf dem Drachenfelsen, zwischen den Dörfern Hoheneiche und Lositz-Jehmichen, haben sie eine komplett neue Schutzhütte für Wanderer aufgestellt. Einer von ihnen: Lutz Matthäus. Er ist Sprecher der Interessengemeinschaft Saalfelder Höhe und betreibt in Jehmichen einen Ferienhof. "Es war höchste Zeit für eine Schutzhütte", sagt er. Einmal zum Schutz der Wanderer vor Unwettern. Aber auch, um den Tourismus anzukurbeln.

Die Interessengemeinschaft Saalfelder Höhe hat deshalb einen neuen Wanderweg entwickelt. Es ist 15 Kilometer lang und führt Wanderer nicht nur an der neuen Schutzhütte vorbei, sondern auch zu den Gasthäusern und Ferienhöfen auf der Saalfelder Höhe. "So wollen wir unsere verschlafenen Bergdörfer in den Vordergrund bringen", sagt Matthäus. Ehrenamtlich haben sie Hütte und Wegweiser aufgestellt. Die Stadt Saalfeld hat die Materialkosten in Höhe von rund 6.000 Euro übernommen. Die Stadt will den Aktivtourismus bis zum Jahr 2024 ausbauen.

Wanderer in einer Schutzhütte im Wald
Mitglieder der Interessengemeinschaft Saalfelder Höhe in der neuen Schutzhütte auf dem Drachenfelsen bei Lositz-Jehmichen. Gemeinsam wollen Gastgeber, Unternehmer und Wanderfreunde den Tourismus in den Bergdörfern ankurbeln. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Saalfeld will sich als Reiseziel etablieren

Laut der Geschäftsführerin der Saalfelder Tourismus GmbH, Yvonne Wagner, sollen mehr Wanderer, Radfahrer und Wasserwanderer nach Saalfeld gelockt werden. So bietet die Stadt zum Beispiel seit Kurzem Rundfahrten für Mountainbiker an. Ende 2017 hatte die Stadt vom Land Thüringen den Titel "Ort mit Heilstollenkurbetrieb" erhalten. Seitdem hat sie auch Anspruch auf finanzielle Unterstützung vom Land.

2018 zum Beispiel waren es laut Thüringer Innenministerium rund 374.000 Euro. Mit dem Geld werden zurzeit die Stadttore in der Innenstadt zu Tourismuszielen ausgebaut. Laut Yvonne Wagner, die auch die Saalfelder Feengrotten leitet, soll sich die Kurstadt Saalfeld in den nächsten Jahren als Reiseziel für Gesundheits- und Aktivurlauber etablieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. August 2020 | 18:45 Uhr

2 Kommentare

Lothar Thomas vor 3 Tagen

SAALFELD EINE SCHÖNE STADT

Es muss aber noch ein bisschen mehr geschehen, als nur ein paar Schutzhütten zu renovieren.

Um den Tourismus anzukurbeln bedarf es noch vieler weiterer Anstrengungen.

Touristen wollen auch übernachten können und etwas zu Essen haben.

Die Wanderwege müssen ausgebaut und der Nahverkehr angepasst werden.

So lange der ÖPNV nicht in ausreichendem Sinne die herrliche Landschaft mit erschließt, wird es sicher nur ein Strohfeuer sein.

Heutzutage machen viele Touristen dort Urlaub, wo sie in Etappen Wanderungen unternehmen können.

Ausgebaute und gut beschilderte Wanderwege laden dazu ein auch mal eine größere Strecke zu gehen, wenn dann nicht das Problem mit der Rückkehr wäre.

Es wird viel über die DDR geschimpft, aber in meiner Erinnerung an meine Kindheitstage, waren die Bemühungen um Wanderer schon mal Besser.
Meine Eltern waren mit uns Kindern viel unterwegs.
Wie oft hatte ich dabei schwere Füße.

Trotzdem eine schöne Gegend das Schiefergebirge.👍

Grosser Klaus vor 4 Tagen

Ich fahre lieber nach Franken, da habe ich neben dem Wandern noch Kultur und Genuss und das Preisleistungsverhältnis stimmt auch.
In Thüringen ist der Tourismus eine Mischung aus Kleinstaaterei und DDR-Nostalgie und überteuert ist er auch!

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