Weinberg und Heidecksbug
Der Weinberg am Fuß der Heidecksburg ist eines von vielen Projekten der Aktionsgemeinschaft "Rudolstadt blüht auf". Bildrechte: MDR/Steffi Reinhardt

Ermittlungen Diebstahl von Weinblättern in Rudolstadt

Unter den ehrenamtlichen Helfern des Vereins "Rudolstadt blüht auf!" herrscht Aufregung: Unbekannte haben junge Blätter von rund hundert Weinreben gestohlen, die am Fuße der Heidecksburg wachsen. Die Polizei ermittelt.

von Stefanie Reinhardt

Weinberg und Heidecksbug
Der Weinberg am Fuß der Heidecksburg ist eines von vielen Projekten der Aktionsgemeinschaft "Rudolstadt blüht auf". Bildrechte: MDR/Steffi Reinhardt

Die Diebe kamen am Abend und wollten offenbar nur eins: die jungen Blätter, die über den Trauben wachsen, sagt Ingo Herlitze vom Verein "Rudolstadt blüht auf!". Im oberen Bereich der Trauben war kein Blatt mehr dran", sagt der Weinbauexperte. Bei etwa hundert von insgesamt 160 Reben wurden die Blätter abgezupft oder abgeschnitten.

Dadurch sind die Reben jetzt geschwächt und müssen erst wieder Seitentriebe bilden“, sagt Herlitze. Besonders ärgerlich sei, dass die Blätter in der entscheidenden Wachstumszeit abgeschnitten wurden. Jetzt müssen erst wieder genug Blätter nachwachsen, damit die Trauben wieder ernährt werden können.

Ingo Herlitze vom Verein "Rudolstadt blüht auf! "

Erster Weinblatt-Diebstahl in Thüringen

Der Verein hat Anzeige erstattet. Die Polizei in Saalfeld ermittelt wegen Diebstahls und geht von einem Einzelfall aus, sagt der Pressesprecher der Landespolizeiinspektion Saalfeld, Eddy Krannich. "Es ist der erste Fall dieser Art, der in Thüringen zur Anzeige gebracht wurde", sagt Krannich. Es gebe derzeit keine Anhaltspunkte, dass der Diebstahl im Zusammenhang mit organisierten Weinblatt-Dieben steht.

Ingo Herlitze vom Weinberg in Rudolstadt dagegen ist überzeugt: die Täter kannten sich aus. "Die Diebe haben gezielt die Blätter abgezupft, die zur Zubereitung von gefüllten Weinblättern verwendet werden können", sagt er. "Und das sind vor allem die jungen, frischen Blätter im oberen Bereich der Reben." Die Blätter weiter unten seien oft schon zu zäh, um sie essen.

Winzer vermuten organisierten Weinblätter-Diebstahl

Gefüllte Weinblätter in einer Auflaufform
Gefüllte Weinblätter gibt es mittlerweile in fast jeden Supermarkt zu kaufen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Fachmann vermutet deshalb, dass hinter dem Diebstahl Profis stecken, die die Blätter für eine kulinarische Delikatesse verwenden oder weiterverkaufen: gefüllte Weinblätter. "Die gibt es inzwischen in fast jedem besseren Supermarkt", sagt Herlitze. "Außerdem habe ich mit Winzern aus der Pfalz gesprochen", sagt er. "Die haben das gleiche Problem." Für die ehrenamtlichen Rudolstädter, die den Weinberg seit etwa 2012 in ihrer Freizeit hegen und pflegen, stehe zwar nicht der wirtschaftliche Schaden im Vordergrund, aber: "Die beschädigten Reben sind geschwächt". Den Trauben fehle gerade jetzt der Schutz vor der Sonne. Und, so schätzt Herlitze, die Traubenernte wird in diesem Herbst wohl kleiner ausfallen.

Trotzdem wollen die Ehrenamtlichen nicht aufgeben und machen weiter. Alle zwei Wochen treffen sie sich zur Pflege am Weinberg. Und dabei, sagt Herlitze, müssen wir auch immer fachmännisch Blätter abschneiden. "Wer also Blätter für die Küche braucht, der soll einfach bei uns nachfragen."

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Juli 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2019, 15:50 Uhr

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27 Kommentare

23.07.2019 16:55 K. 27

@martin, mit nichten unterstelle ich irgend einem Personenkreis etwas. Denn ich habe bei der täglichen Political correctness Dosis gelernt, dass die Gefahr immer von bösen weissen Männern und Rechten ausgeht. Ich glaube nämliche ich habe in Rudolstadt nämlich an der Heidecksburg gesehen. Ob ich meine Beobachtung besser der Polizei melden sollte?

23.07.2019 13:38 Grosser, Klaus 26

[MDR THÜRINGEN: Hallo großer Klaus. Wir haben Ihnen eine Nachfrage zu einem bisher nicht freigegebenen Kommentar per Email gesendet. Bitte beantworten Sie erst unsere Email. Dann entscheiden wir, ob wir Ihren Kommentar freigeben. MfG]

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