Herausforderin: Regine Kanis: "Es ist an der Zeit, dass eine Frau das Ruder übernimmt"

Fügmanns Herausforderin Regine Kanis sieht die Pläne ihres Kontrahenten nicht unbedingt als bürgerfreundlich an. Die verlängerten Öffnungszeiten würden auf dem Rücken der Mitarbeiter des Landratsamtes ausgetragen werden. "Das bringt für mich keine Bürgernähe", meint sie. "Viel wichtiger finde ich es, als Landrat in die Region zu gehen und die Leuten zu einem Gespräch einzuladen". Und: Mithilfe digitaler Technik könnten die Bürgerbüros wieder raus aufs Land geholt werden.

Regine Kanis
Die Herausforderin: Regine Kanis Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Mit Regine Kanis bewirbt sich zum ersten Mal eine Frau um den höchsten Posten im Landratsamt in Schleiz. Die 55-Jährige saß bisher im Kreistag, das dortige rot-rot-grüne Bündnis trägt ihre Kandidatur. Kanis Fügmann vor, mehr Verwalter als Landrat zu sein. "Es ist an der Zeit, dass eine Frau mal das Ruder übernimmt und im Landratsamt für frischen Wind sorgt", sagt sie.

Verändern will sie vor allem die Zusammenarbeit in den Gremien und mit den Mitarbeitern in der Verwaltung. "Ich wünsche mir eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe", sagt sie. Sie will neue Akzente setzen. Dazu gehöre, das Leben auf dem Land zu stärken. "Das ist ein Spagat, und wir müssen immer wieder nach Wegen suchen, damit wir von anderen Regionen nicht abgehängt werden". Dafür will Kanis die Mittelzentren Bad Lobenstein und Pößneck stärken mit besseren Busverbindungen und Bildungsangeboten in Kindergärten und Schulen. "Außerdem brauchen wir eine Infrastruktur zum attraktiven Wohnen", sagt sie. "Also Ärzte, Berufschancen und Wohnformen für alle Generationen."

Finanzielle Nachteile für Landbewohner - wie Ausbaubeiträge oder Kosten für vollbiologische Kleinkläranlagen - sollten abgebaut werden. Kanis: "Bürger dürfen nicht zusätzlich zur Kasse gebeten werden, weil sie auf dem Land leben." Für Windkraft spricht sich Kanis grundsätzlich aus, allerdings nur dort "wo es keine Konflikte mit Anwohnern und dem Naturschutz gibt." Als Landrätin würde sie Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden fördern, um damit Geld für Schulen und Verwaltung zu verdienen. "Nicht nur die Betreiber von Windparks in unserer Region, sondern auch die Menschen sollen davon profitieren."

Der Landkreis Mit einer Fläche von mehr als 1.150 Quadratkilometern gehört der Saale-Orla-Kreis zu den größten in Thüringen. Seine Einwohnerzahl ist mit rund 93.000 Menschen dagegen gering. Geprägt ist der Saale-Orla-Kreis vor allem vom ländlichen Raum und von der Autobahn 9, die den Kreis von Norden nach Süden durchschneidet. Zum Kreis gehören drei wirtschaftliche Mittelzentren: Schleiz, Pößneck und Bad Lobenstein, mehrere Naturschutzgebiete und die Saale-Kaskade mit Bleiloch- und einem Teil des Hohenwartestausees im Südosten. Der Landkreis entstand mit der Kreisreform 1994, bei der die Landkreise Lobenstein, Pößneck und Schleiz zusammengelegt wurden.

Die Landratswahl Rund 71.500 Menschen dürfen am Sonntag an der Wahlurne über den neuen Landrat entscheiden, teilt Kreiswahlleiter Klaus Mäder mit. Gewählt wird in 168 Wahlbüros. Fügmann oder Kanis - wer mehr Stimmen auf sich vereinigen kann, ist gewählt.

Thomas Fügmann, CDU 1954 geboren in Jena. Von 1972 bis 1976 studierte Thomas Fügmann an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit Abschluss Diplomlehrer für Mathematik und Physik. 1990 trat er in die CDU ein. Im Mai 1990 wurde er Mitglied des Kreistags des Saale-Orla-Kreises. 2012 gewann er in der Stichwahl gegen Amtsvorgänger Frank Roßner (SPD) und wurde Landrat des Saale-Orla-Kreises. Fügmann ist Mitglied im Landesvorstand der Thüringer CDU. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Regine Kanis, SPD Geboren 1962 in Gera, absolvierte in Crossen eine Ausbildung zur Unterstufenlehrerin und war von 1983 bis 1996 als Lehrerin in Kahla, Schleiz und Saalburg tätig. 1995/96 absolvierte sie an der Pädagogischen Hochschule in Erfurt ein Zusatzstudium für das Fach Ethik an Grundschulen. Seit 1996 ist sie als Förderschullehrerin in Schleiz tätig, von 1997 bis 1999 absolvierte sie dafür an der Pädagogischen Hochschule Erfurt ein weiteres Studium zum Lehramt für Förderschulen. Kanis ist Mitglied des Kreistages im Saale-Orla-Kreis und Mitglied des SPD-Kreisvorstandes. Bis 2009 gehörte sie dem Stadtrat von Saalburg-Ebersdorf an. Bei der Landtagswahl 2009 wurde sie in den Thüringer Landtag gewählt. Bei der Landtagswahl 2014 verlor sie das Mandat wieder. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder (ein Sohn und eine Tochter, die Tochter ist verstorben).

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 14. Januar 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2018, 07:04 Uhr

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7 Kommentare

15.01.2018 20:58 albrecht 7

herzlichen glückwunsch, rote dürfen nicht an die macht, ihr seht doch was in berlin los ist, rot kann es nicht und frau kanis schon garnicht

14.01.2018 18:36 Kein Wahlberechtigter 6

Es ist schon seltsam, der eine lehnt diesen Kandidaten ab, der andere jenen und beide werfen im übertragenen Sinne stets Unvermögen oder Schröpfung der Steuerzahler vor.
Mein Vorschlag an @3 Realist2014 und @5 Fuchsberger: Stellt euch selber als Kandidaten zur Verfügung, dann könnt ihr beweisen, wie es besser gemacht werden kann oder ansonsten einfach mal "Klappe halten". Noch nen schönen Sonntag.

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