Gütesiegel "Weidewonne" Wie Lammfleisch aus der Region die Thüringer Kulturlandschaft schützen soll

Wer Lammfleisch der geschützten Regionalmarke "Weidewonne" kauft, unterstützt den Erhalt der Thüringer Kulturlandschaft - und die hiesigen Schäfereien. Die mit dem Gütesiegel zertifizierten Betriebe haben sich verpflichtet, orchideenreiche Trockenrasen, Wacholderheiden, Streuobstwiesen und andere wertvolle Biotope zu beweiden. So wird das Verbuschen der Flächen verhindert.

Zwei Lämmer
Das Thüringer Gütesiegel "Weidewonne" steht für Lammfleisch aus regionaler Haltung. Bildrechte: MDR/Anke Preller

In Thüringen gibt es, wie im gesamten Bundesgebiet, immer weniger Berufsschäfer - damit auch weniger Schafe und Ziegen. Waren es in den 1990iger Jahren noch etwa 240.000 Tiere, so hat sich ihre Zahl inzwischen halbiert. Kaum jemand will heute noch Schäfer werden. Der Beruf ist hart, der Verdienst gering. 365 Tage im Jahr müssen Schäfer, bei Wind und Wetter, für ihre Tiere da sein.

Das Thüringer Umweltministerium zahlt Haltern von mindestens 20 Tieren seit letztem Jahr eine Schaf-Ziegen-Prämie, um die Vermarktung von regionalen Lammfleischprodukten zu unterstützen. Seit einigen Jahren gibt es auch eine eigene Marke für Lammfleischprodukte aus Thüringen. Ihr Name lautet "Weidewonne". Zuständig für die Vergabe ist die Naturstiftung David, im Auftrag des Thüringer Umweltministeriums.

Gütesiegel "Weidewonne"

Die Idee dahinter: Schäfereien vernetzen sich mit lokalen Schlachtbetrieben und Fleischereien. So können sie ihr Lammfleisch in der Region an den Kunden bringen. Diese zahlen dafür einen etwas höheren Preis, was gerechtfertigt ist, angesichts der strengen Vorgaben zur Haltung der Mutterschafe und Lämmer. Außerdem sind die Transportwege kurz. Verarbeitet wird das Fleisch in der Region. Nach Angaben der Naturstiftung David führen etwa 40 Thüringer Fleischereifachgeschäfte "Weidewonne"‐Lammfleisch in ihrem Sortiment. Interessierte Fleischereien in ganz Thüringen können es über die Gilde "Thüringer Fleischergenossenschaft e. G". beziehen.

Gestiegene Nachfrage nach Lammfleisch

Zwei Osterlämmer im Stall
Rund tausend Lämmer wurdenim Februar in der Schäferei auf dem Jägerberg geboren. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Sehr gut funktioniert das Lammfleisch‐Direktvermarktungssystem "Weidewonne" in der Region Jena. Hans-Peter Hänsch hält in seiner Schäferei auf dem Jägerberg etwa 2.000 Mutterschafe. Im Januar und Februar wurden rund eintausend Lämmer geboren. Etwa 20 Prozent der weiblichen Lämmer, sagt er, dienen der Nachzucht. Außerdem verkaufe er Lämmer an Privatpersonen. Sie halten die Tiere bis in den Herbst als "lebende Rasenmäher" in ihren Gärten, dann werden sie geschlachtet.

Die Nachfrage nach Lammfleisch sei auch in Thüringen deutlich gestiegen. Lammfleisch aus der Region könne zudem mit hoher Fleischqualität punkten. Die kurzen Transportwege verursachen weniger Stress bei den Tieren. Die Schäferei auf dem Jägerberg hat ein eigenes Schlachthaus. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis nach Altengönna, wo das Lammfleisch verarbeitet wird.

Lammfleisch aus dem Hofladen

Ein Hinweisschild wirbt für frisches Lammfleisch
Dieser Hofladen wirbt mit dem Gütesiegel "Weidewonne" Bildrechte: MDR/Anke Preller

Einer der Hauptabnehmer ist seit langem die Gönnataler Putenspezialitäten GmbH. Vor 20 Jahren habe man dem Schäfer pro Jahr gut zwei Dutzend Lämmer abgekauft, inzwischen sei es mehr als das Zehnfache, sagt Geschäftsführer Stefan Lüdke. Die Lammbraten und -koteletts, Lammhaxen und Lammbratwürste verkauft der Direktvermarkter unter dem Gütesiegel "Weidewonne" im Hofladen in Altengönna, in den eigenen Filialen in Jena, Weimar und Gotha und auch auf Wochenmärkten.

Fleisch im Supermarkt kommt meist aus Neuseeland

Doch in diesem Jahr, sagt Stefan Lüdke, sei das Ostergeschäft noch nicht so richtig angelaufen. Viele Kunden, befürchtet er, scheuten den Weg in die Filialen. In Corona-Zeiten wollen sie sich nicht nochmal anstellen, kauften lieber das preiswertere Lammfleisch im Supermarkt. Das komme aber zumeist aus Neuseeland.

Um nicht auf den Osterlämmern sitzen zu bleiben, beliefern die Gönnataler ihre Kunden im Raum Jena nach Voranmeldung nun auch direkt. Aber auch Kunden andernorts können in den Genuss von regionalem Lammfleisch kommen. Das "Weidewonne"-Projekt bietet in diesem Jahr erstmals einen Online-Verkauf an.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 05. April 2020 | 18:00 Uhr

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