Der Tierarzt Gabor Horvath und die Studentin der Tiermedizin, Malin Schmidt, behandeln  bei einer Schicht der Tierrettung München e.V. eine Katze im Tier-Rettungswagen.
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Thüringen Notfalldienst bei Tierärzten stößt an Grenzen

Der Tierarzt Gabor Horvath und die Studentin der Tiermedizin, Malin Schmidt, behandeln  bei einer Schicht der Tierrettung München e.V. eine Katze im Tier-Rettungswagen.
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Die Thüringer Tierärztekammer sieht den Notfalldienst für Haustiere gefährdet. Nach Angaben der Kammer können sich Tierbesitzer nicht mehr absolut darauf verlassen, im Notfall jederzeit sofort einen Tierarzt in der Nähe zu finden. Das liegt nach Angaben der Tierärztekammer vor allem an Personalproblemen, die einen enormen Arbeitsdruck verursachen. Denn: Immer weniger Tierärzte sind bereit, häufige Nacht- und Notdienste zu leisten. Auch könnten die teils auf unterschiedliche Tierarten und Fachgebiete spezialisierten Tierarztpraxen kaum das ganze Land bedienen.

Wie Geschäftsführer Dr. Alexander Schneeberg MDR THÜRINGEN sagte, arbeitet die Landestierärztekammer aktuell an einem Entwurf für eine Notfalldienstplattform. Diese soll helfen, dass sich die niedergelassenen Tierärzte selbst organisieren und koordinieren können. Auch die Ansprechbarkeit für die Bürger soll damit erhöht werden. "Viele Kollegen sind spezialisiert. Ein Arzt für Großtierpraktiker kann nicht einfach so am Wochenende Kleintiere behandeln, weil schlichtweg die Ausstattung nicht vorhanden ist," nennt Schneeberg ein konkretes Beispiel.

Notfallzeiten Laut Thüringer Heilberufegesetz § 21 haben praktizierende Tierärzte die Pflicht am Notfalldienst teilzunehmen. Außerdem regelt die Berufsordnung der Landestierärztekammer im § 12, Abs. 10, dass alle niedergelassenen Tierärzte verpflichtet sind, die Versorgung ihrer Klientel an Wochenenden,
Feiertagen, nachts und bei sonstiger Abwesenheit oder Verhinderung sicherzustellen. Besonders meint dies die Zeiten von 19 Uhr bis 7 Uhr oder ab Samstagmittag.

Gerade im ländlichen Raum sei es schwierig, die Dienste außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten der Praxen zu besetzen. Für die Praxen und Kliniken entstehen zudem hohe Kosten, etwa durch Gehaltszuschläge für Nacht- oder Wochenendarbeit. Die Dienste seien stellenweise unrentabel. Vor allem der Unstrut-Hainich-Kreis, der Kyffhäuserkreis und der Kreis Eichsfeld sind betroffen. Hier können die Notfalldienste laut Kammer schon jetzt nicht mehr in vollem Umfang garantiert werden. Bisher sei die Praxis, dass sich in der Regel zwei bis drei Tierärzte absprechen, wer den Notfalldienst übernimmt. "Das bedeutet aber auch, dass man alle zwei Wochen dran ist. Mitunter lässt sich das schwer mit Familie vereinen", weiß der Geschäftsführer

Hund beim Tierarzt
Ein Hund beim Tierarzt. Bildrechte: Colourbox.de

Von den etwa 700 praktizierenden Tierärzten in Thüringen arbeiten etwa 450 in Klein- und Großtierpraxen. Die restlichen sind etwa im öffentlichen Dienst bei der Lebensmittelüberwachung, dem Tierschutz oder der Tierseuchenbekämpfung tätig. Einige sind auch in der Forschung oder der Tierindustrie tätig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 18. September 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 15:50 Uhr

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9 Kommentare

11.04.2019 16:51 Carolina 9

ich bin seit 32 Jahren in einer Einzelpraxis niedergelassen und schlafe seitdem ( ausser am Wochenende) mit dem Praxistelefon neben dem Bett.
Früher hatten wir ja noch wirkliche Notfälle nachts, heute wirst du wegen einer Zecke nachts um 2.00 Uhr angerufen und dann angepampt, dass du den Patienten jetzt nicht einbestellst. In unserer Gesellschaft hat sich was verschoben. ich liebe Tiere und bin gerne Tierarzt, aber diese Hubschrauber Muttis und Vatis ( ja so bezeichnen sich die Tierbesitzer heutzutage) gehen mir auf die Nerven !
UNd ich kann nicht verstehen, wie der BpT mit Mars kuscheln kann und Herr Färber begeisterte Artikel auf Linkedin schreibt wie konstruktiv und informativ sein Besuch bei Mars in den USA war.
Leute da geht es nur um Gewinnmaximierung und sonst nix, alles andere ist Augenwischerei.

19.09.2018 16:38 Vetthüringen 8

,Beppo' hat ganz recht: wenn man die Dienste angemessen bezahlt kriegen würde oder es Schichtdienstsysteme gäbe, wäre der ND kein Problem. Ich verdiene mit nach fünf Jahren in der Praxis ca. 16 € die Stunde bei 40 Std ... es ist zum heulen. Für 7 Nachtdienste inkl. einem kompletten WE gibt es 1 Tag ausgleichsfrei... das ist lächerlich. Zum Dank bekommt man noch die unangebrachten Beschwerden der Besitzer, nicht zuletzt darüber, dass sie die erbrachten auch noch bezahlen sollen. Außerdem ist ein Notdienst im Kleintierbereich meiner Meinung nach sowieso nicht notwendig, dafür gibt es schließlich ausreichend Kliniken. Als "einfacher Dorftierarzt" hat man im Fall der Fälle sowieso kaum Möglichkeiten - ja, der genannte 'Schlaganfallhund' wäre ohne Klinik auch gestorben, und da hätte die Besitzerin bereits nach deutlich weniger als vier Stunden sein können. Rufe ich als Mensch nachts bei einem Schlaganfall meinen Hausarzt an???

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