Kritik am neuen Pflegegesetz Krankenhäuser fragen, wie Stellen besetzt werden sollen

2019 soll das neue Gesetz zur Stärkung der Pflege in Kraft treten. An Krankenhäusern sollen 13.000 neue Stellen entstehen. Thüringens Krankenhausgesellschaft fragt, wo die qualifizierten Mitarbeiter herkommen sollen.

Eine Altenpflegerin betreut im Seniorenheim eine 101 Jahre alte Frau.
Altenpflegerin betreut eine Seniorin. Bildrechte: dpa

Thüringens Krankenhäuser sehen das von der Bundesregierung geplante neue Pflegegesetz kritisch. Die Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft, Gundula Werner, sagte MDR THÜRINGEN, es sei zwar gut, wenn die Politik die Pflege stärken wolle. Allerdings stehe etwa in dem neuen Gesetz, dass speziell in der Krankenhaus-Pflege bundesweit 13.000 neue Stellen geschaffen werden sollten. Ausgebildete Mitarbeiter für diese Stellen gebe es aber gar nicht auf dem Arbeitsmarkt.

Die Landeskrankenhausgesellschaft befüchtet zudem, dass mit dem Gesetz Mitarbeiter aus anderen Pflegebereichen wie den Seniorenheimen zu den Krankenhäusern künftig abwandern könnten. Wichtig sei daher, den gesamten Pflegebereich zu stärken.

Mindestanzahl von Pflegern pro Einrichtung

Gundula Werner, 2014
Gundula Werner von der Landeskrankenhausgesellschaft. Bildrechte: dpa

Das Bundeskabinett brachte vor wenigen Wochen das sogenannte Pflegekosten-Stärkungsgesetz auf den Weg. Es sieht vor, dass 13.000 zusätzliche Krankenhaus-Pflegestellen geschaffen werden, um das gegenwärtige Personal zu entlasten. Das Gesetz sieht zudem eine Mindestanzahl von Pflegern pro Einrichtung vor. So werden Krankenhäuser verpflichtet, in bestimmten Abteilungen erstmals eine Mindestzahl an Pflegern einzusetzen. Krankenkassen in Thüringen reagierten verhalten auf den Vorstoß.

Das Gesetz soll Anfang 2019 in Kraft treten. Die neu geschaffenen Stellen sollen von den Krankenkassen bezahlt werden. Sie haben in den vergangenen Jahren Rücklagen in Millionenhöhe erwirtschaftet. Gleichzeitig werden Versicherte stärker belastet. So sollen die Pflegeversicherungsbeiträge zum Jahreswechsel steigen, um wachsende Kosten abfedern zu können.

Abwanderung zu Krankenhäusern befürchtet

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte, gerade im Freistaat gebe es einen Mangel in der Pflege. Viele Fachleute würden in die alten Länder abwandern, weil dort höhere Löhne gezahlt würden. Es sei daher wichtig, dass im neuen Gesetz vorgesehen ist, in der Pflege die Tariflöhne bundesweit anzugleichen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

--- AKTUELLES AUS THÜRINGEN ---

Nachrichten

 Bodo Ramelow und Mike Mohring beim Thüringen-Duell des MDR zur Landtagswahl 2019 2 min
Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 22. Oktober 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 08:59 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

25.10.2018 08:02 martin 4

@2 s: Ich gehe davon aus, dass "die schlechteren Menschen" eine unglückliche Wortwahl sind.

In der Pflege gibt es bereits heute eine Differenzierung.

Wer früher an die normalen Ausbildung noch ein spezialisiertes Fachexamen "drangehängt" hat, (Intensivpflege, Anästhesie, OP, ...) hatte dann auch insgesamt 6 Jahre Aus- und Weiterbildung (incl. der früher teilweise verpflichtenden Vorpraktika) auf dem Buckel.

Auch in anderen Ländern wird durchaus auch zwischen "normaler Pflege" und "Fachkräften" differenziert. Sowohl bei Ausbildung, Tätigkeiten wie Bezahlung.

Ich bezweifele aber, dass eine Differenzierung zwischen Ausbildung und Studium sinnvoll ist. Ich bin weiterhin ein Freund der "alten Modelle": Vorpraktikum, Ausbildung, Berufspraxis und dann Weiterbildung / Spezialisierung.

Nur: Kurzfristig schafft weder das alte Modell noch ein anderes plötzlich eine erhebliche Anzahl qualifizierter Fachkräfte.

23.10.2018 07:13 Olaf Becker 3

Liebe Krankenhausgesellschaft, teil doch bitte deinen Mitgliedern mit, das bessere Verdienste, bessere Arbeitsmöglichkeiten (Einhaltung von Pausenzeite, keine Doppelschichten etc.), überhaupt Entwicklungsmöglichkeiten, unbefristete Einstellungen .... sicher helfen werden, das Fachkräfteproblem zu lösen. Ein weiter so und Renditevorgaben wie bei Helios, gehen zu Lasten des Personals und Patienten. Fachkräfte werden damit nicht gewonnen (vielleicht motvierte BWL-er in der kfm. Abteilung). Also nicht über selbstverschuldetes Elend jammern sondern aktives Handeln ist angesagt.

Mehr aus Thüringen

Nachrichten

 Bodo Ramelow und Mike Mohring beim Thüringen-Duell des MDR zur Landtagswahl 2019 2 min
Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder